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"Tatort: Der Fluch des Geldes": Wie verbreitet ist Wettsucht?

Kommissar Leo Hölzer (Vladimir Burlakov) bei seinen Undercover-Ermittlungen in einem Saarbrücker Spielcasino. (Bild: SR/Manuela Meyer)
Kommissar Leo Hölzer (Vladimir Burlakov) bei seinen Undercover-Ermittlungen in einem Saarbrücker Spielcasino. (Bild: SR/Manuela Meyer)

Der neue Saarbrücken-"Tatort" (28. Januar, 20:15 Uhr, das Erste) greift das Thema Spiel- und Wettsucht in einer skurrilen Figurenkonstellation auf: Eine eingeschworene Viererbande aus kleinkriminellen Spielcasino-Dauergästen vertreibt sich ihre Zeit abseits der Poker- und Roulette-Tische mit absurden Wetten, die sie untereinander abschließen. Gleich zu Anfang der "Tatort"-Folge hat diese notorische Leidenschaft tödliche Folgen.

Während einer Fahrt mit einem gestohlenen Wagen führt die Wette "Wer traut sich am längsten mit geschlossenen Augen die Landstraße herunterzurasen?" dazu, dass eine alte Dame auf der Gegenfahrbahn vor Schreck über das auf sie zukommende Fahrzeug einen Herzinfarkt erleidet und in der Leitplanke landet. Um die gemeingefährlichen Wettfanatiker zur Strecke zu bringen, schmuggelt sich Kommissar Leo Hölzer (Vladimir Burlakov, 36) in die Gruppe ein und setzt dabei sein Leben aufs Spiel.

Auch wenn dieser schrille Krimi-Plot wirklichkeitsfern erscheint, stellt das Phänomen der Wettsucht in der Realität ein weitverbreitetes Problem dar. Gewettet wird dabei freilich nicht wie im "Tatort" darauf, wer am längsten den Kopf unter Wasser halten oder die Freundin des Anderen ins Bett bekommen kann. Echte Wett- und Spielsüchtige setzen ihr Geld vielmehr auf Ergebnisse von Sportereignissen, bestimmte Zahlen, Farben und Symbol-Kombinationen auf Lottoscheinen, Roulettefeldern, Spielkarten oder den Displays von Spielautomaten.

Alljährlicher "Aktionstag Glücksspielsucht"

In Deutschland ist der problematische Umgang mit Glücksspielen derart verbreitet, dass die Bundesregierung sich gezwungen sieht, das Problem mit massiver gesetzlicher Regulation und groß angelegten Aufklärungskampagnen einzudämmen.

So weist die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter der Schirmherrschaft des Beauftragten der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen an einem jährlichen "Aktionstag Glücksspielsucht" auf die Gefahren von Glücksspielen hin. Denn Spielsucht endet häufig in Privatinsolvenzen, zerrütteten Familienverhältnissen und sozialer Isolation.

1,3 Millionen Deutsche leiden an einer "Glücksspielstörung"

Aus dem staatlicherseits beauftragten "Glücksspielatlas 2023" geht hervor, dass rund ein Drittel der deutschen Bevölkerung regelmäßig an irgendeiner Form von Glücksspiel teilnimmt.

Dem Forschungsbericht ist außerdem zu entnehmen, dass insgesamt rund 1,3 Millionen Deutsche an einer krankhaften "Glücksspielstörung" leiden, weitere 3,3 Millionen zeigen ein riskantes Glücksspielverhalten mit ersten Anzeichen für eine Sucht.

"Glücksspielstaatsvertrag" setzt Wettanbietern klare Grenzen

Einen wesentlichen Anteil an diesen Zahlen haben der Studie zufolge Menschen, die ihr Geld verlustreich in Sportwetten investieren. In dieser Branche herrschte über lange Jahre große Rechtsunsicherheit, nachdem der Europäische Gerichtshof im Jahr 2010 entschieden hatte, dass das vorherige staatliche Glücksspielmonopol in Deutschland mit dem EU-Recht unvereinbar sei.

Dies hatte zur Folge, dass viele Wettanbieter illegal und ohne staatliche Regulation agierten, was den Zielen der Suchtprävention und des Jugendschutzes massiv entgegenlief. Erst seit dem 1. Juli 2021 gibt es einen gültigen "Glücksspielstaatsvertrag", der Sportwetten und Online-Glücksspiele offiziell legalisiert und den Anbietern klare gesetzliche Grundlagen liefert.

Verpflichtender "Panic Button" für Online-Spieler

Anbieter von Sportwetten müssen seither verpflichtend eine deutsche Glücksspiellizenz beantragen, um sich auf festem juristischem Terrain zu bewegen. Bestandteil dieser deutschen Sportwetten-Lizenzen ist eine Reihe von Maßnahmen, deren Ziel es ist, "das Entstehen von Glücksspielsucht und Wettsucht zu verhindern und die Voraussetzungen für eine wirksame Suchtbekämpfung zu schaffen", wie es in der Präambel des Vertrags heißt. Dazu gehören unter anderem Einzahlungslimits, Einschränkungen des Angebots von Livewetten und verpflichtende Maßnahmen für den Spielerschutz.

Zu Letzteren gehört unter anderem die Verpflichtung, den Sportwetten-Kunden auf den Websites einen "Panic-Button" anzubieten, mit dem sie sich selbst für 24 Stunden sperren können, wenn sie merken, dass sie die Kontrolle über ihr Wettverhalten verlieren.