Werbung

"The Flash" mit Batman und Batman: Das sind die Kino-Highlights der Woche

The Flash (Ezra Miller) ist schnell. So schnell, dass er sogar in der Zeit zurückreisen kann. (Bild: 2023 Warner Bros. Entertainment/DC Comics)
The Flash (Ezra Miller) ist schnell. So schnell, dass er sogar in der Zeit zurückreisen kann. (Bild: 2023 Warner Bros. Entertainment/DC Comics)

"Divertimento - Ein Orchester für alle", Wes Andersons "Asteroid City" und "The Flash", das jüngste Superhelden-Spektakel aus dem Hause DC, bei dem es auch zu einem Wiedersehen mit alten Bekannnten kommt: Das sind die Kino-Neustarts am 15. Juni.

Alles überall, gleichzeitig und nebeneinander: In Superheldenfilmen gibt es seit Aufkommen der Multiversums-Idee eigentlich nichts mehr, was es nicht gibt oder geben kann. Die vermeintlich unumstößlichen Gesetze von Raum und Zeit haben ihre Geltung verloren. Für The Flash galten sie eigentlich noch nie. Ob es wohl deshalb so lange dauerte, eine brauchbare Kinogeschichte für den im wahrsten Sinne blitzschnellen DC-Helden zu entwickeln? Nun jedenfalls kommt er, "The Flash", endlich zu seinem Solo-Debüt auf der großen Leinwand.

Weitere Kino-Highlights in dieser Woche: "Divertimento" handelt von einer französischen Dirigentin, die allen Widerständen zum Trotz ihr eigenes Orchester gründen möchte, und in "Asteroid City" versammelt Wes Anderson einmal mehr eine atemberaubende Menge an Superstars vor der Kamera, um eine wahnwitzige Geschichte zwischen Hobby-Raketenbauer und Alien-Landung zu erzählen.

Was für eine Geschichte: Über 30 Jahre nach seinen eigenen "Batman"-Filmen schlüpft Michael Keaton noch einmal ins Fledermaus-Kostüm. (Bild: 2023 Warner Bros. Entertainment/DC Comics)
Was für eine Geschichte: Über 30 Jahre nach seinen eigenen "Batman"-Filmen schlüpft Michael Keaton noch einmal ins Fledermaus-Kostüm. (Bild: 2023 Warner Bros. Entertainment/DC Comics)

The Flash

Michael Keaton ist als Batman dabei, über 30 Jahre nach seinen eigenen großen Kinofilmen. Ben Affleck ist auch als Batman dabei. Vor zehn Jahren noch wäre eine Doppelbesetzung in dieser Form undenkbar gewesen. Heute ist das, nach allem, was man zuletzt schon im konkurrierenden Marvel Cinematic Universe sah, keine große Sache mehr. Und im Fall von "The Flash" lässt sich diese Gleichzeitigkeit der Dinge auch einigermaßen gut herleiten.

The Flash ist so schnell, dass er einmal um die Welt rennen und sich beinahe selbst beim Schopfe packen kann. So schnell, dass er die Trennlinien zwischen verschiedenen Paralleluniversen durchbricht. So schnell, dass er in der Zeit zurückreisen und sogar den Tod rückgängig machen kann. Letzteres ist sein Hauptanliegen in diesem DC-Blockbuster, der inhaltlich übrigens nichts mit der gleichnamigen TV-Serie "The Flash" (mit Hauptdarsteller Grant Gustin) zu tun hat.

Was vorab zur Handlung bekannt wurde: Barry Allen alias The Flash (Ezra Miller) möchte die Zeit zurückdrehen bis zu dem Punkt, an dem er seine Eltern auf so tragische Weise verlor. Superman wäre dazu nicht imstande, Batman, Aquaman und Wonder Woman auch nicht, aber The Flash kann das. Zumindest in der Theorie. Die Sache läuft jedenfalls nicht wie geplant. Konsterniert stellt er hinterher fest: "Ich bin in die Vergangenheit gereist, um meine Eltern zu retten. Aber stattdessen habe ich das Universum zerstört."

Diese eine uralte Kinoregel, immerhin, gilt also auch für ihn: Wer rückwirkend im Lauf der Dinge herummurkst, um alte Probleme zu lösen, schafft damit neue und meistens noch viel größere Probleme. Oder wie es einer der Batmans formuliert: "Wenn du die Vergangenheit veränderst, veränderst du auch die Zukunft." Eine weitere in Stein gemeißelte Gesetzmäßigkeit aus Superheldenfilmen: Ein noch so toller Held ist nicht viel wert ohne einen angemessenen Gegenspieler, der Dinge sagt wie in dem Fall "Diese Welt muss sterben". Der mächtige kryptonische Kriegsherr General Zod (Michael Shannon) ist wieder da ...

Ezra Miller war zuletzt bereits in den Filmen "Batman v Superman: Dawn of Justice" und "Justice League" als The Flash zu sehen, für einen Solo-Film wurde er schon 2014 besetzt. Die Produktion dieses neuen DC-Films entpuppte sich allerdings als äußerst kompliziert. Vor der Fertigstellung wurden mehrfach Regisseure und Autoren engagiert und wieder entlassen, zumeist aufgrund kreativer Unstimmigkeiten, ehe das Studio Warner schließlich bei Andy Muschietti (Regie) und Christina Hodson (Drehbuch) landete. Die Bemühungen, "The Flash" ins Kino zu bringen, reichen aber noch deutlich länger zurück: Bereits in den späten 80-ern gab es den ersten von mehreren gescheiterten Umsetzungsversuchen.

"Divertimento" erzählt, basierend auf einer wahren Geschichte, von der jungen Zahia (Oulaya Amamra), die Dirigentin werden und ein eigenes Orchester gründen möchte. (Bild: Estello Films/Easy Tiger/France 2 Cinema/Prokino)
"Divertimento" erzählt, basierend auf einer wahren Geschichte, von der jungen Zahia (Oulaya Amamra), die Dirigentin werden und ein eigenes Orchester gründen möchte. (Bild: Estello Films/Easy Tiger/France 2 Cinema/Prokino)

Divertimento - Ein Orchester für alle

Sie spiele die Bratsche, erklärt die junge Frau, aber eigentlich wolle sie Dirigentin werden. "Dirigent", entgegnet der alte weiße Mann abschätzig, sei "kein Beruf für Frauen". Wenn dieser Sergiu Celibidache (Niels Arestruo) auf Zahia (Oulaya Amamra) blickt, sieht er aber nicht nur eine Frau. Ein junges Ding aus der verrufenen Banlieue, mit algerischen Wurzeln, gerade einmal 17 Jahre alt: Wie soll dieses Mädchen sich in der elitären, komplett von Männern dominierten klassischen Musikszene behaupten? Und doch will sie es versuchen, das ist die Geschichte von "Divertimento - Ein Orchester für alle".

Zahia, immerhin, kennt die Musik ebenso gut wie alle ihre männlichen Kollegen. Seit frühester Kindheit spielt und übt sie zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Fettouma (Lina El Arabi). Die Eltern, da weicht diese Geschichte schon von vielen Klischees ab, unterstützen Zahia bei ihren Dirigentenplänen, statt ihr irgendetwas ausreden zu wollen. Und so steht da schließlich eine enorm selbstbewusste junge Frau, die es wirklich wissen will, allen Hindernissen zum Trotz.

"Ich weiß, ich bin jung, aber die Musik ist mein Leben, und nur wenn ich dirigiere, fühle ich mich wirklich lebendig." Den anfangs so ablehnenden Maestro Celibidache überzeugt Zahia irgendwann, er erkennt ihr Talent und nimmt sie in seine "Masterclass" am Pariser Konservatorium auf - ein großer Erfolg. Mit dem bloßen Dirigieren ist es für Zahia aber nicht getan, sie hat noch größere Träume: ein eigenes Orchester mit Talenten aus allen Bevölkerungsschichten soll es sein, ein "Orchester für alle".

Eine Frau in einem vermeintlichen Männerberuf, davon erzählte zuletzt schon sehr prominent das sechsfach Oscar-nominierte Drama "Tár" mit Hauptdarstellerin Cate Blanchett. Anders als bei dem Film von Todd Field handelt es sich bei "Divertimento" aber nicht um eine fiktionale Erzählung, sondern um eine wahre Geschichte. Die echte Zahia Ziouani machte sich Mitte der 90-er auf, ihren Traum vom Dirigieren zu verwirklichen - man kennt ihren Namen in der Klassik-Szene. Vor dem neuen Kinofilm "Divertimento" (Regie: Marie-Castille Mention-Schaar, Drehbuch: Clara Bourreau) wurde ihr bemerkenswerter Werdegang bereits in zwei Dokumentarfilmen aufgearbeitet.

Eine Lehre von "Divertimento": Der Musik ist es völlig egal, wo und von dem sie gespielt wird. (Bild: Estello Films/Easy Tiger/France 2 Cinema/Prokino)
Eine Lehre von "Divertimento": Der Musik ist es völlig egal, wo und von dem sie gespielt wird. (Bild: Estello Films/Easy Tiger/France 2 Cinema/Prokino)

Asteroid City

Tom Hanks, Jason Schwartzman, Scarlett Johansson, Tilda Swinton, Adrien Brody, Bryan Cranston, Margot Robbie, Liev Schreiber, Matt Dillon, Jeffrey Wright, Edward Norton, Steve Carrell, Willem Dafoe, Jeff Goldblum: Wenn man zwei oder drei dieser Stars gemeinsam in einem Film sieht, ist er schon sehr prominent besetzt. Wenn sie alle gemeinsam bei einem Projekt mitwirken, kann es fast nur ein Film von Wes Anderson sein. Der US-amerikanische Regisseur, Autor und Produzent ist seit Langem bekannt für ausschweifende Ensemble-Produktionen. In diese Kategorie fällt auch sein neues Werk "Asteroid City".

Große Namen gleich großes Kino? Es ist schon oft genug schiefgegangen, bei Wes Anderson aber geht die Rechnung fast immer auf, weil seine Filme mehr sind als nur Anhäufungen bekannter Superstars. Die ausgeblichenen Farben, die langen Kameraeinstellungen, die oft symmetrischen Bildkompositionen, der skurrile Humor und die surrealen Figuren wie aus einer anderen Welt: Nur wenige Filmemacher verfügen über eine so charakterstarke Bildsprache und einen so unverwechselbaren Erzählstil wie Wes Anderson.

Nachdem er zuletzt ein Hotel in Osteuropa ("Grand Budapest Hotel") und ein paar Journalisten in Frankreich ("The French Dispatch") auf die Leinwand brachte, wendet der Texaner sich nun einem kleinen US-Wüstenstädtchen zu. Asteroid City liegt irgendwo im Nirgendwo. Vor 3.000 Jahren schlug hier mal ein Meteorit ein, der in einem kleinen Kasten ausgestellt wird, ansonsten gibt es hier wenig zu sehen. Außer dann, wenn einmal im Jahr Nachwuchsforscher aus dem ganzen Land in Asteroid City zusammenfinden, um sich gegenseitig ihre Tüfteleien zu zeigen und einen kleinen Wettbewerb zu veranstalten.

Nerds mit selbstgebauten Raketenantrieben vor beschaulicher 50er-Jahre-Kulisse: Das schräge und komische Potenzial dieses Settings kostet Wes Anderson voll aus. Der wahre Zauber entsteht aber auch bei diesem Film wieder in den kleinen und großen Geschichten, für die es eigentlich gar keine so namhaften Stars und kunstvollen Bilder bräuchte. Da ist zum Beispiel der Kriegsfotograf Augie Steenbeck (Jason Schwartzman), der mit seinen Kindern nach einer Autopanne in Asteroid City gestrandet ist und auf den richtigen Moment wartet, um die Sprösslinge über den tragischen Tod ihrer Mutter zu unterrichten. Und: Ein Alien ist in der Stadt gelandet, um den alten Meteoriten mitzunehmen ...

Augie (Jason Schwartzman, links) ist in Asteroid City gestrandet, nach der Landung eines Aliens darf niemand die Stadt verlassen. Sein Schwiegervater (Tom Hanks) soll irgendwie helfen. (Bild: Courtesy of Pop. 87 Productions/Focus Features)
Augie (Jason Schwartzman, links) ist in Asteroid City gestrandet, nach der Landung eines Aliens darf niemand die Stadt verlassen. Sein Schwiegervater (Tom Hanks) soll irgendwie helfen. (Bild: Courtesy of Pop. 87 Productions/Focus Features)