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The Social Pulse: Schuhmacher begeistert junge Menschen mit viralen Videos für einen aussterbenden Beruf

Worüber im Netz diskutiert wird und warum

TikTok entwickelt bisweilen eine ganz eigene Dynamik. Waren es einst vor allem Tanz- und Musikvideos, mit denen man dort Erfolg haben konnte, gehen mittlerweile auch unerwartete Clips viral. Neuester Star der Plattform: ein Schuhmacher, der einfach nur seine Arbeit filmt.

Das Schuhmacher-Handwerk interessiert niemanden? Von wegen - auf TikTok wurde ein Mann damit zum Hit (Symbolbild: Getty Images)
Das Schuhmacher-Handwerk interessiert niemanden? Von wegen - auf TikTok wurde ein Mann damit zum Hit (Symbolbild: Getty Images)

Schuhmacher gehört zu den stark rückläufigen Berufen. Wie der NDR berichtet, gab es 2023 in Deutschland nur noch 2000 Betriebe, die Schuhe maßanfertigen und reparieren, und diese haben mit starken Nachwuchsproblemen zu kämpfen. Dass immer weniger junge Menschen dieses Berufsfeld für eine Ausbildung in Betracht ziehen, liegt zum einen am allgemeinen Azubi-Mangel im Handwerk, zum anderen auch am fehlenden Interesse einer Wegwerfgesellschaft, Schuhe überhaupt für längeren Gebrauch zu kaufen und reparieren zu lassen.

Ähnlichen Problemen blickt das Traditionshandwerk auch in den USA entgegen, doch dort kämpft ein Schuhmacher auf ungewöhnliche Weise gegen das verstaubte Image an: Jim McFarland hat sich mit Videos seiner Arbeit zum Social-Media-Star gemausert.

Noch ein ungewöhnlicher TikTok-Hit: Student in der Antarktis wird Social-Media-Star

McFarland hatte selbst gezögert, bevor er im Jahr 1986 den mittlerweile mehr als 100 Jahre alten Familienbetrieb übernahm - zu wenig Geld lasse sich damit machen. Doch nach dem Tod seines Vaters dachte er um, wie er Fox News erklärte. Jahrzehntelang lief das Geschäft beständig, bis im Corona-Lockdown die hochwertigen Schuhe gegen Hausschlappen eingetauscht wurden und die Umsätze einbrachen. Daraufhin beschloss er, neue Wege zu gehen: Mithilfe seiner Tochter nutzte er Social Media, um seine Arbeit zu bewerben - und wurde dort prompt zum kleinen Star.

"Handwerkskunst vom Feinsten": Der Schuhmacher begeistert auf TikTok

Auf den ersten Blick entsprechen seine Videos auf TikTok, wo McFarland mittlerweile 1,2 Millionen Follower hat, nicht den typischen Clips mit viralem Potential. Sie sind deutlich länger, kommen ohne schnelle Schnitte aus, und statt Pop-Hits ertönt im Hintergrund sanfter Jazz oder Klaviermusik von Chopin. Doch ein Video, in dem er vier Minuten lang einen Lederschuh neu besohlt, hat fast 37 Millionen Klicks, und ein weiteres, in dem Schuhsohlen eingefärbt werden, gar mehr als 57 Millionen. Auch auf Instagram folgen ihm mehr als 600.000 Menschen, und auf Youtube brauchte er nur 90 Tage, um die Marke von 100.000 Abonnenten zu knacken.

Die Kommentare geben Aufschluss, was McFarlands Videos so besonders macht. Dort mischt sich Nostalgie ("Ich kannte in meinem Dorf einen Schuhmacher. Ich erinnere mich noch an den Geruch in der Werkstatt") mit Entschleunigung ("Total entspannend anzusehen") und vor allem echter Bewunderung für McFarlands Arbeit. "Ich könnte stundenlang zuschauen. Ein begnadeter Handwerker", heißt es in den Kommentaren auch, oder: "Das ist noch Handwerkskunst vom Feinsten! Ein Traum." Auch die Sorgfalt, die er für jeden Schuh aufwendet, rührt die Menschen: "So liebevoll werden manche von uns nicht mal behandelt", scherzt ein TikTok-Nutzer.

McFarland bekommt die Folgen seines viralen Erfolgs auch hautnah mit. Viele Menschen würden aufgrund der Videos seinen Laden aufsuchen, und obwohl nicht alle dort Geld ausgeben, freut er sich über die Aufmerksamkeit, die er und sein Beruf erhalten. "Dass jemand hierherkommt, weil er einfach mal einen Schuhmacher treffen will, ist unglaublich", sagte er Fox News. Dass man ihm die Gewissenhaftigkeit seiner Arbeit ansieht, freut ihn: "Ich sage immer, egal, welchen Beruf man ausübt, soll man ihn mit Sorgfalt und gutem Service machen." Viele Menschen würden sich auch an ihn wenden und echtes Interesse an dem Handwerk zeigen. Denen rate er, einen erfahrenen Schuhmacher aufzusuchen und zu fragen, ob er Auszubildende suche.

Viele der Kommentare sind indes auf Deutsch - womöglich gelingt es McFarland sogar, dem Schuhmacherhandwerk hierzulande ein wenig neues Leben einzuhauchen.

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