Todesfall bei Räumung im Hambacher Forst: Anzeige zum Jahrestag klagt Laschet an

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Die Traueranzeige zu Steffen Meyns drittem Todestag
Die Traueranzeige zu Steffen Meyns drittem Todestag

Am Sonntag jährte sich zum dritten Mal der Todestag von Steffen Meyn. Der junge Filmemacher war am 19. September 2018 während der Räumung des Protestcamps in den Bäumen des Hambacher Forsts verunglückt und von einer Hängebrücke in die Tiefe gestürzt.

Der gegen die Klimaaktivist:innen gerichtete größte Polizeieinsatz in der Geschichte des Landes Nordrhein-Westfalen wurde von Ministerpräsident Armin Laschet vorangetrieben und vor kurzem für unrechtmäßig erklärt. Die Familie Meyns klagt Laschet in einer Anzeige zum Todestag an.

Polizisten holen am 16. September 2018 einen Demonstranten von seinem Baumhaus (Bild: REUTERS/Wolfgang Rattay)
Polizisten holen am 16. September 2018 einen Demonstranten von seinem Baumhaus (Bild: REUTERS/Wolfgang Rattay)

Darin heißt es: "Jetzt auch amtlich vom Verwaltungsgericht Köln bestätigt: Die Räumung der Baumhäuser im Hambacher Wald im September 2018 war rechtswidrig. Verantwortungsloses, menschenverachtendes Handeln von Armin Laschet und Herbert Reul. Wir können das Unfassbare nicht fassen. Geliebter Sohn - DU könntest noch leben."

Der Sturz Meyns, der die Aktivist:innen im Wald für eine Dokumentation begleitete, ist nicht unmittelbar auf das Vorgehen der Einsatzkräfte zurückzuführen, seine Familie sieht die Verantwortung dennoch beim heutigen Kanzlerkandidaten Laschet.

Gedenkveranstaltung für Steffen Meyns am 20. September 2018 (Bild: REUTERS/Thilo Schmuelgen)
Gedenkveranstaltung für Steffen Meyns am 20. September 2018 (Bild: REUTERS/Thilo Schmuelgen)

"Ich sage nicht, dass Laschet unmittelbar an dem Tod von Steffen schuld ist. Aber er ist verantwortlich für die Eskalation, die zu seinem Sturz führte", sagte seine Mutter Elisabeth Meyn der "Zeit". Sie wies zudem darauf hin, dass in der Nacht vor dem Unglück die Polizei den Demonstrant:innen den Schlaf entzog, indem sie die Baumhäuser mit Scheinwerfern anstrahlte und Kettensägengeräusche abspielen ließ. "Das ist Folter."

Das Gericht hatte befunden, dass der Anlass der Räumung - Verstöße des Protestcamps gegen die Brandschutzverordnung - "nur vorgeschoben" gewesen sei. Laschet kündigte an, dass er das Urteil überprüfen lassen wolle.

Zu der Traueranzeige schrieb Journalist Jürgen Döschner am Samstag auf Twitter, dass eine lokale Zeitung sie nicht abdruckte, eine andere nur ohne die Namen Laschets und Reuls. Döschner postete die unzensierte Anzeige, der Tweet wurde über das Wochenende über 2300 Mal geteilt und die Anzeige auf vielen anderen Kanälen verbreitet. Allein auf seinem Kanal hätten so über 400.000 Menschen sie gesehen, schrieb Döschner am Montag.

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