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Ein Transfer mit Signalwirkung für Tel?

Dass sich Mathys Tel beim FC Bayern den Status als Edeljoker erarbeitet hat, ist für den französischen Angreifer Fluch und Segen zugleich. „Er konnte das nicht durchhalten“, sagte Thomas Tuchel in einem ESPN-Interview Mitte Januar.

Dass Tel trotz seiner geringen Einsatzzeit zunächst verlässlich seine Tore gemacht hat, brachte auch den Bayern-Trainer in eine Zwickmühle. „Wir haben ihn auf der Bank gelassen, weil er einen großen Einfluss hatte und viele Spiele für uns entschieden hat, wenn er eingewechselt wurde“, erklärte Tuchel. „Es gab Momente, in denen er es verdient gehabt hätte, von Anfang an zu spielen, doch die Entscheidung fiel gegen ihn aus.“

Er könne verstehen, „dass es sich für ihn manchmal unfair angefühlt haben muss, dass er keine Chance bekam, von Anfang an zu spielen“.

Tel mit starker Trefferquote zu Saisonbeginn

Vor allem zu Saisonbeginn lieferte Tel als treffsicherer Kurzarbeiter fleißig Argumente. Für seine ersten drei Saisontore an den ersten fünf Bundesliga-Spieltagen benötigte der 18-Jährige nur 79 Minuten - er traf also im Schnitt alle 26 Minuten. In der Champions League war er in den ersten beiden Gruppenspielen sogar alle acht Minuten erfolgreich.

Zwar durfte Tel im September im DFB-Pokal in Münster dann auch mal von Beginn an ran - und rechtfertigte seine Nominierung auch mit einem Tor. Doch sein Stammplatz blieb - auch aufgrund der namhaften Konkurrenz in der Offensive - weiterhin die Bank.

In der Bundesliga stand Tel in dieser Saison nicht ein einziges Mal von Beginn an auf dem Feld. Gegen Ende der Hinrunde blieb er sogar häufiger komplett ohne Einsatzminute. „Später in der Saison hatte ich das Gefühl, dass es ihm schwerer zu schaffen gemacht hat als noch zu Beginn“, sagte Tuchel. „Er hatte etwas zu kämpfen und die Dinge fielen ihm zum Ende der ersten Saisonhälfte nicht mehr ganz so leicht.“

Tel seit Anfang Oktober torlos

In der Tat wartet Tel seit dem 23. September in der Bundesliga auf ein Tor. Sein letztes Pflichtspieltor war der späte Siegtreffer in der Champions League in Kopenhagen Anfang Oktober. Zwei Torvorlagen kamen seither noch hinzu, die bislang letzte in der Liga liegt fast drei Monate zurück.

Zuletzt bekam der gelernte Mittelstürmer beim Auswärtsspiel in Augsburg nach der frühen Verletzung von Kingsley Coman als linker Flügelstürmer den Vorzug vor Thomas Müller und die Chance, sich mal wieder zu beweisen. Doch bei seinen drei Torschüssen blieb er glücklos.

„Ich hoffe, er findet die richtige Einstellung wieder“, sagte Tuchel kurz zuvor. Tels Fähigkeiten schätzt er nach wie vor: „Er hat diese rohe Art von Energie eines Stürmers, die man sehr selten findet.“ Zudem bescheinigte Tuchel seinem Schützling einen für sein Alter herausragenden Abschluss.

Tel will sich bei Bayern durchbeißen

An Ehrgeiz und Fleiß mangelt es dem Teenager, der 2022 für 20 Millionen Euro von Stade Rennes kam, nicht. Tel zieht Extraschichten mit Fitnesstrainer Holger Broich einem freien Wochenende vor, wie er im vergangenen Sommer in einem Interview mit den Klub-Medien erzählte. „Ich will besser werden und Holger ist einfach der Beste“, sagte Tel - auf Deutsch.

Dass er die Sprache so schnell erlernt hat, sei für ihn sehr wichtig, „denn ich muss jeden Tag mit dem Staff und meinen Mitspielern sprechen“. Mit seiner vorbildlichen Einstellung hat sich Tel auch in die Herzen der Fans gespielt. Und er selbst identifiziert sich voll und ganz mit dem Klub.

Dazu passt auch, dass andere Vereine im Winter bei ihm abblitzten. Laut Sport Bild soll vor allem Werder Bremen intensiv an einer Ausleihe interessiert gewesen sein, aber Tel will sich weiter beim FC Bayern durchbeißen.

Neue Konkurrenz durch Zaragoza

Allerdings hat der Offensiv-Youngster in Bryan Zaragoza kurzfristig noch einen neuen Konkurrenten im Kampf um mehr Spielzeit bekommen. Nach der Verletzung von Coman zogen die Bayern den eigentlich erst für Sommer geplanten Wechsel vor. Zwar ist der Kader der Bayern nicht unbedingt breit besetzt, aber wie ein Vertrauensbeweis für das vorhandene Personal ist der Zaragoza-Deal ebenfalls nicht zu deuten.

Zaragoza ist auf dem linken Flügel zuhause und charakterisiert sich selbst als Straßenfußballer. Als eines seiner Idole nannte der Spanier Franck Ribéry - zwölf Jahre lang eine Institution auf der linken Außenbahn der Bayern. SPORT1-Experte Stefan Effenberg glaubt an Zaragozas Potenzial. „Gib ihm noch ein paar Monate bis zum Sommer, dann wird er auch eine Rolle spielen“, sagte Effenberg im Stahlwerk Doppelpass über Zaragoza, der zuletzt im Training wegen eines Infekts pausieren musste.

Tel muss jedenfalls weiter um seine Chance und jede Einsatzminute kämpfen. Tuchel rät seinem Schützling, nicht zu verkrampfen. „Ich mag es, wenn man ungeduldig ist, aber nicht zu ungeduldig. Das beeinflusst die Stimmung und die Leichtigkeit und Kreativität auf dem Platz“, sagt der Bayern-Coach. „Er ist dabei, seinen Stil und seine Position zu finden.“