Trotz Millionenspenden: Nur zehn Pfund für Londoner Brandopfer?

Die Überlebenden vom Grenfell Tower warten auf finanzielle Hilfe. (Bild: AP Photo)

Effektive Soforthilfe sieht wohl anders aus. Die Betroffenen des verheerenden Hochhausbrands in London sollen trotz Millionenspenden bislang nur jeweils zehn Pfund erhalten haben. Das sagte eine ehrenamtliche Helferin in einem TV-Interview. Politiker beider Lager sprechen von einem Skandal.

Weltweit waren Bestürzung und Mitgefühl nach dem Feuerinferno im Grenfell Tower mit Dutzenden Toten groß. Mehr als drei Millionen Pfund (3,4 Millionen Euro) sind bislang an Spenden zusammengekommen. Premierministerin Theresa May hat weitere fünf Millionen Pfund (5,7 Millionen Euro) zugesagt. Die Menschen, denen in dieser schweren Zeit geholfen werden soll, haben davon allerdings nahezu nichts gesehen. Gerade einmal zehn Pfund (elf Euro) pro Person sollen bei den Überlebenden angekommen sein. Diesen schweren Vorwurf erhob die ehrenamtliche Helferin Nisha Parti in der Fernsehsendung „Peston on Sunday“.


Die Verwaltung des Londoner Bezirks, in dem das Hochhaus steht, gebe „den Überlebenden beim Eintreffen in den Hotels zehn Pfund … einen Zehner“, sagte die Filmproduzentin, die sich bei der Spendensammlung für die Opfer engagiert. Zwar sei die Hilfsbereitschaft sehr groß. Aber „wir können nicht auf das Geld zugreifen“, kritisierte Parti. „Niemand sagt uns, wo es ist.“

Die Filmemacherin beklagte eine generell schlechte Behandlung der Opfer. Sie würden in Hotels einchecken, ohne dass sich Behördenvertreter um sie kümmerten. Nun würden Freiwillige die Überlebenden mit Kleidung, Essen und Bargeld versorgen. „Denn sie haben gar nichts“, sagte Parti.


Die Tory-Parlamentsabgeordnete Sarah Wollaston sagte in der Sendung, sie sei von der Enthüllung „zutiefst angeekelt“. Menschen hätten in der Erwartung gespendet, dass das Geld den Betroffenen direkt zugutekommt: „Zu hören, dass die Menschen nur zehn Pfund erhalten – ich bin schlichtweg entsetzt.“ Der Abgeordnete David Lammy von der Labour Party nannte die Behandlung der Opfer einen „Skandal“, der an weit zurückliegende viktorianische Zeiten erinnere. Hilfsbereite Menschen hätten gespendet, doch die lokale Verwaltung sei nicht in der Lage, die Gelder zu koordinieren. „Wir wissen, wie das funktioniert. Wir machen es nach Überflutungen“, betonte Lammy. Aus unerfindlichen Gründen aber versage das System im betroffenen Bezirk. „Es ist haarsträubend“, sagte der sichtlich aufgebrachte Politiker.

Schatzkanzler Phillip Hammond, vergleichbar mit dem deutschen Finanzminister, sagte in der Sendung, er könne sich nicht zu den Spendenmitteln äußern. Die staatlichen Hilfsgelder aber würden vom Ministerium für Arbeit und Renten verteilt werden. Die Überlebenden würden „absolut mehr als einen Zehner bekommen“, sagte das Regierungsmitglied laut der Zeitung „The Independent“.

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