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Ukraine-Krieg: Die aktuellen Entwicklungen

Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar 2022 herrscht in dem Land Krieg. Die aktuellen Entwicklungen im Überblick.

Ukraine-Krieg: Die aktuellen Entwicklungen. (Symbolbild: Getty)
Ukraine-Krieg: Die aktuellen Entwicklungen. (Symbolbild: Getty)

Dieser Ticker ist für heute beendet.

  • US-Regierung: Bisherige Ukraine-Mittel zum Jahresende aufgebraucht

  • Ukraine erwartet neue massive russische Raketenschläge auf Stromnetz

  • Rheinmetall liefert Granaten an die Ukraine für 142 Millionen Euro

  • London: Schätzungsweise 70 000 Russen in Ukraine getötet

  • Russische Angriffe auf Cherson

  • Kämpfe auch an anderen Frontabschnitten

  • Selenskyj deutet Stärkung der Rüstungsindustrie an

Die aktuelle Newslage:

+++ US-Regierung: Bisherige Ukraine-Mittel zum Jahresende aufgebraucht +++

Die bisher vom US-Kongress bewilligten Mittel für die Ukraine werden nach Angaben der Regierung zum Jahresende komplett aufgebraucht sein. Wenn das Parlament nicht handele, werde die Regierung dann keinerlei Mittel mehr haben, um weitere Waffen und Ausrüstung für die Ukraine zu beschaffen oder Ausrüstung aus eigenen Militärbeständen an Kiew zu liefern, schrieb die Direktorin des nationalen Haushaltsamtes, Shalanda Young, in einem Brief an die Führung in beiden Kongresskammern. Das Weiße Haus veröffentlichte das Schreiben am Montag. Young rief den Kongress darin eindringlich zum Handeln auf: «Wir haben kein Geld mehr - und fast keine Zeit mehr.»

Shalanda Young
Shalanda Young

Es gebe «keinen magischen Topf», aus dem Mittel abgezapft werden können, warnte Young. Sollte der Fluss an Waffen und Ausrüstung aus den USA unterbrochen werden, dann werde das die Ukraine «auf dem Schlachtfeld in die Knie zwingen». Dies würde nicht nur die Erfolge Kiews gefährden, sondern auch die Wahrscheinlichkeit russischer Siege steigern. «Wenn unsere Hilfe eingestellt wird, wird das für die Ukraine erhebliche Probleme verursachen.» Auch wenn die internationalen Partner ihre Unterstützung aufgestockt hätten, könnten sie die Hilfen der USA nicht ausgleichen.

+++ Putin: Gute Beziehungen zwischen Russland und Deutschland gesprengt +++

Russlands Präsident Wladimir Putin hat bei der Amtseinführung neuer Botschafter in Moskau das Ende der langen Wirtschaftskooperation mit Deutschland nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine beklagt. «Diese Zusammenarbeit (auf dem Energiesektor) wurde buchstäblich gesprengt - unter anderem durch die Sabotage an Nord Stream», sagte Putin dem neuen deutschen Botschafter in Moskau, Alexander Graf Lambsdorff. Das Verhältnis zwischen Berlin und Moskau sei «nicht auf unsere Initiative hin» eingefroren worden, klagte Putin in seiner Rede im Kreml, die vom staatlichen Fernsehen am Montagabend übertragen wurde.

Wladimir Putin
Wladimir Putin

Der 71-Jährige gab der Bundesregierung die Schuld an einer neuen Eiszeit, die weder für Deutschland, noch für Russland, oder den gesamten europäischen Kontinent vorteilhaft sei. Russland sei stets ein zuverlässiger Energielieferant gewesen und zur Wiederaufnahme der Beziehungen bereit, betonte Putin. Im vergangenen Jahr hatte Russland die Gaslieferungen nach Deutschland über die Pipeline Nord Stream 1 immer weiter gedrosselt und sie im September angeblich aus technischen Gründen ganz eingestellt - kurz bevor die Leitung bei einer Explosion in der Ostsee beschädigt wurde.

+++ London: Schätzungsweise 70 000 Russen in Ukraine getötet +++

Beim Angriffskrieg gegen die Ukraine sind nach britischen Schätzungen bisher etwa 70 000 Russen getötet worden. Dabei handele es sich um 50 000 reguläre Soldaten sowie 20 000 Mitglieder der Privatarmee Wagner, teilte das britische Verteidigungsministerium am Montag mit. Die Zahl der Verwundeten zwischen dem Kriegsbeginn am 24. Februar 2022 und Ende November 2023 wird in London auf 180 000 bis 240 000 Soldaten und 40 000 Wagner-Kämpfer geschätzt.

«Dies ergibt eine geschätzte Spanne von insgesamt 290 000 bis 350 000 Opfern unter russischen Kombattanten. Der Mittelwert der Schätzung liegt bei insgesamt 320 000 russischen Opfern», hieß es weiter. Genaue Angaben seien schwierig. Selbst in Russland sei die Gesamtzahl der Toten und Verwundeten wahrscheinlich nicht bekannt, da innerhalb des Militärs eine etablierte Kultur unehrlicher Berichterstattung herrsche. Zu ukrainischen Verlusten machte die Behörde keine Angaben.

+++ Ukraine erwartet neue massive russische Raketenschläge auf Stromnetz +++

Nach einer längeren Pause rechnet die Ukraine täglich mit neuen massiven russischen Raketenschlägen gegen die Energieversorgung des Landes. «Wenn sie diese Schläge noch nicht begonnen haben, dann können diese an jedem Tag beginnen», sagte Luftwaffensprecher Jurij Ihnat in einem am Montag von der Nachrichtenagentur RBK-Ukrajina veröffentlichten Interview. Die russische Rüstungsindustrie habe die Produktion von Raketen und Kampfdrohnen hochgefahren.

+++ Rheinmetall liefert Granaten an die Ukraine für 142 Millionen Euro +++

Der Rüstungskonzern Rheinmetall hat einen Großauftrag für die Lieferung von Artilleriemunition an die Ukraine im Wert von 142 Millionen Euro erhalten. Der Auftrag umfasst eine fünfstellige Stückzahl Artilleriegranaten des Kalibers 155 Millimeter. Auftraggeber sei ein NATO-Partnerstaat, teilte das Unternehmen am Montag in Düsseldorf mit. Diesem Land sei es erklärtes Anliegen, «den Verteidigungskampf der Ukraine wirksam und dauerhaft zu unterstützen». Gefertigt werden sollen die Geschosse beim Tochterunternehmen Rheinmetall Expal Munitions in Spanien. Sie sollen 2025 ausgeliefert werden.

Ein Panzer auf dem Gelände von Rheinmetall
Ein Panzer auf dem Gelände von Rheinmetall

«Die Nachfrage nach Artilleriemunition ist aktuell sehr hoch», schrieb das Unternehmen weiter. Dies gelte für den akuten Bedarf der Ukraine und das Auffüllen der «weitgehend leeren» Munitionsdepots in Deutschland und anderen NATO- und EU-Staaten.

+++ Russische Angriffe auf Cherson +++

Bei einer Serie von russischen Artillerieüberfällen auf die südukrainische Stadt Cherson sind mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen. Weitere sieben Bewohner wurden nach offiziellen Angaben vom Sonntag schwer verletzt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verurteilte die russischen Angriffe auf Cherson als «reine Terroranschläge». «Insgesamt gab es allein an diesem Tag mehr als 20 russische Angriffe in der Region Cherson», sagte Selenskyj am Sonntag in seiner abendlichen Videoansprache. «Brutale Schläge, in der ganzen Stadt - Häuser, Straßen, Krankenhäuser.»

Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine

Nach Angaben von Militärverwalter Roman Mrotschko habe der Angriff auf die Stadtmitte am Sonntag zwei Krankenhäusern gegolten, an denen lediglich leichte Schäden registriert worden seien. Stattdessen sei ein mehrstöckiges Wohnhaus getroffen und schwer beschädigt worden. Cherson sei in den vergangenen Tagen wiederholt Ziel russischer Angriffe aus Rohrartillerie, Granatwerfern und Raketenwerfern gewesen, verlautete aus der Militärverwaltung. Allein seit Samstag sei die Stadt am Dnipro mit knapp 400 Granaten beschossen worden. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden.

+++ Kämpfe auch an anderen Frontabschnitten +++

Kampfhandlungen wurden am Sonntag auch von anderen Frontabschnitten gemeldet. «An Dutzenden von Orten entlang der gesamten Frontlinie wird weiterhin heftig gekämpft», sagte Selenskyj. «Am schwierigsten sind die Gebiete Marijinka, Awdijiwka und Bachmut.» Details nannte er nicht.

Am Sonntagabend wurde sowohl im Osten als auch im Süden der Ukraine Luftalarm ausgelöst. Ukrainische Medien berichteten über den Anflug russischer Kamikaze-Drohnen aus iranischer Produktion über das Schwarze Meer. Die Flugabwehr in Mykolajiw sei gegen die Drohnen aktiv geworden.

+++ Estlands Regierungschefin Kallas fordert Tribunal für Angriffskriege +++

Die estnische Ministerpräsidentin Kaja Kallas forderte ein internationales Tribunal zur Bestrafung der Verantwortlichen für den russischen Angriffskrieg. «Für Kriegsverbrechen gibt es den Internationalen Strafgerichtshof, der diese Taten verfolgt.

Kaja Kallas
Kaja Kallas

Aber für das Verbrechen des Angriffskrieges muss es auch ein Tribunal geben», sagte Kallas am Sonntag in Hamburg bei der Entgegennahme des Marion-Dönhoff-Preises für internationale Verständigung und Versöhnung. Der Angriffskrieg sei «die Mutter aller Verbrechen». Die verantwortlichen Spitzenpolitiker müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Diese Forderung nach juristischer Verantwortung der politischen und militärischen Führung Russlands stellt auch die ukrainische Führung in ihrem Friedensplan.

+++ Selenskyj deutet Stärkung der Rüstungsindustrie an +++

Die ukrainische Rüstungsindustrie soll in Kürze ihre Kapazitäten ausweiten. Das kündigte Präsident Selenskyj am Sonntagabend ohne Nennung weiterer Details an. «Nächste Woche - wir bereiten uns bereits darauf vor - werden wir die Fähigkeiten unseres Staates definitiv erhöhen, vor allem unsere Rüstungsindustrie», sagte er. Zuletzt war die Errichtung eines Werks zur Panzer-Produktion durch einen deutschen Konzern im Gespräch.

Der Rheinmetall-Vorstandsvorsitzende Armin Papperger hatte zum Wochenende im Gespräch mit der «Wirtschaftswoche» erklärt, er erwarte spätestens Anfang des nächsten Jahres den Abschluss eines entsprechenden Vertrags mit der Ukraine zum Bau des radgetriebenen Transportpanzers Fuchs und des Schützenpanzers Lynx. Der Konzern wolle dazu bestehende Anlagen «quasi anmieten, umrüsten und dann betreiben». Die Anlagen seien gegen mögliche Angriffe gut geschützt.

+++ Studie: Ukraine-Krieg stößt mehr CO2 aus als Belgien in einem Jahr +++

Russland hat mit seinem Angriffskrieg auf die Ukraine einer aktuellen Studie zufolge in den ersten anderthalb Jahren mehr klimaschädliche Treibhausgase verursacht als ein Land wie Belgien in einem Jahr. Für die Zeitspanne errechnete ein internationales Forscherteam rund um den Niederländer Lennard de Klerk 150 Millionen Tonnen an CO2-Äquivalenten. Die Studie, die der Deutschen Presse-Agentur vorab vorliegt, sollte an diesem Montag auf der Weltklimakonferenz in Dubai vorgestellt werden. Von CO2-Äquivalenten ist die Rede, wenn die Emissionen anderer klimaschädlicher Treibhausgase - wie etwa Methan - in CO2-Emissionen umgerechnet werden, um besser vergleichen zu können.