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Ukraine-Krieg: Die Entwicklungen am Freitag

Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine herrscht in dem Land Krieg. Hier gibt's die aktuellen Entwicklungen.

Ukraine-Krieg: Die aktuellen Entwicklungen. (Symbolbild: Getty)
Ukraine-Krieg: Die aktuellen Entwicklungen. (Symbolbild: Getty)

Unser Nachrichtenticker ist für heute beendet. Hier können Sie die wichtigsten News des Tages zum Krieg in der Ukraine nachlesen.

  • Selenskyj begrüßt chinesischen Vorstoß zur Beilegung des Ukraine-Kriegs

  • Deutschland schickt vier weitere Leopard-2-Panzer in die Ukraine

  • USA sagen Ukraine neue Milliarden-Militärhilfe zu

  • Selenskyj verleiht Orden und gedenkt der Toten

  • Steinmeier ruft zu lang anhaltender Unterstützung der Ukraine auf

  • Selenskyj zum Jahrestag: 2023 wird das Jahr des Sieges

  • China ruft zu Waffenstillstand in Ukraine auf

  • Scholz: Putin wird "sein imperialistisches Ziel nicht erreichen"

Die aktuelle Newslage im Livestream:

+++ Selenskyj begrüßt chinesischen Vorstoß zur Beilegung des Ukraine-Kriegs +++

Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Pekings Vorlage eines Positionspapiers zum Ukraine-Krieg begrüßt. "China hat begonnen, über die Ukraine zu sprechen, und das ist nicht schlecht", sagte Selenskyj am Freitag bei einer Pressekonferenz anlässlich des Jahrestags der russischen Invasion in Kiew. "Es wirkt auf mich, als ob es Respekt für unsere territoriale Integrität" sowie "Sicherheitsbelange" gebe, ergänzte er.

"Wir müssen an diesem Punkt mit China zusammenarbeiten", sagte Selenskyj. "Unsere Aufgabe ist es, alle zu vereinen, um einen zu isolieren", fügte er mit Blick auf Russland hinzu.

Das chinesische Außenministerium hatte zuvor einen Zwölf-Punkte-Plan zur "politischen Beilegung" des Konflikts vorgelegt. Russland und die Ukraine sollten "so schnell wie möglich den direkten Dialog wieder aufnehmen", heißt es darin. Und: "Die Souveränität, Unabhängigkeit und territoriale Integrität aller Länder muss wirksam gewahrt werden." Was das im Fall der Ukraine bedeutet, die von Russland überfallen wurde, wird nicht ausgeführt.

Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Pekings Vorlage eines Positionspapiers zum Ukraine-Krieg begrüßt. (Bild: AFP)
Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Pekings Vorlage eines Positionspapiers zum Ukraine-Krieg begrüßt. (Bild: AFP)

Der ukrainische Präsident sagte zudem, sein Land wolle sich um eine engere Zusammenarbeit mit Ländern in Afrika und Lateinamerika bemühen. "Wir haben jahrelang nicht gut gearbeitet, wir haben nicht aufgepasst. Ich glaube, das ist ein großer Fehler", sagte Selenskyj.

Selenskyj betonte zudem erneut den Siegeswillen der Ukraine. "Wenn unsere Partner sich an ihre Versprechen und Fristen halten, erwartet uns unausweichlich der Sieg." Wenn alle ihre "Hausaufgaben machen können, können wir alle gewinnen", sagte der ukrainische Präsident.

+++ Deutschland schickt vier weitere Leopard-2-Panzer in die Ukraine +++

Deutschland hat der Ukraine die Lieferung von vier weiteren modernen Leopard-2-Kampfpanzern aus Beständen der Bundeswehr zugesagt. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) entschied nach Angaben seines Ministeriums vom Freitag, die Gesamtzahl der geplanten Lieferungen von 14 auf 18 Panzer des Typs Leopard 2 A6 zu erhöhen. Damit sei Deutschland zusammen mit den Partnerländern Portugal und Schweden in der Lage, der Ukraine ein gesamtes Panzerbataillon zur Verfügung zu stellen.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte Ende Januar nach monatelangem langem Zögern der Ukraine auch Leopard-2-Kampfpanzer aus Bundeswehr-Beständen zugesagt. Erklärtes Ziel der Bundesregierung war es dabei, "rasch zwei Panzer-Bataillone mit Leopard-2-Panzern zur Verfügung zu stellen".

Deutschland hat der Ukraine die Lieferung von vier weiteren modernen Leopard-2-Kampfpanzern aus Beständen der Bundeswehr zugesagt. (Bild: AFP)
Deutschland hat der Ukraine die Lieferung von vier weiteren modernen Leopard-2-Kampfpanzern aus Beständen der Bundeswehr zugesagt. (Bild: AFP)

Ein Bataillon des älteren Modells Leopard 2 A4 wurde von Polen mit Partnerstaaten zusammengestellt. Deutschland hatte aber Probleme, das unter seiner Führung geplante Bataillon mit moderneren Typen durch Zusagen anderer Länder aufzufüllen.

Zunächst hatte nur Portugal drei Panzer zugesagt. Am Freitag - dem Jahrestag des Beginns des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine - folgte dann aber Schweden, das zehn Panzer des Modells 2 A5 zusagte. Mit der Erhöhung der deutschen Stückzahl wäre damit die in der Ukraine übliche Bataillonsstärke von 31 Panzern erreicht. In Berlin wurde darauf verwiesen, dass die Version A5 technisch dem Typ A6 ähnelt. Deutschland hat die Lieferung seiner Panzer bis Ende März zugesagt. Bis dahin bildet die Bundeswehr auch Besatzungen aus der Ukraine am Leopard 2 auf dem Truppenübungsplatz Munster in Niedersachsen aus.

+++ USA sagen Ukraine neue Milliarden-Militärhilfe zu +++

Die US-Regierung stellt der Ukraine zur Abwehr des russischen Angriffskriegs weitere milliardenschwere Militärhilfen zur Verfügung. Das Pentagon kündigte anlässlich des ersten Jahrestags des Kriegsbeginns ein neues Paket im Umfang von zwei Milliarden US-Dollar (rund 1,9 Milliarden Euro) für Kiew an. Darin enthalten seien zum Beispiel zusätzliche Munition für die Mehrfachraketenwerfer vom Typ Himars, Drohnen unter anderem vom Typ Switchblade oder Ausrüstung zur Minenräumung.

Die Militärhilfe kommt dieses Mal nicht aus Beständen des US-Militärs, sondern wird zum Beispiel bei der Rüstungsindustrie bestellt. Schon in der Vergangenheit hat die US-Regierung das bei einigen Militärhilfepaketen so gehandhabt. Die USA gelten als wichtigster Verbündeter der Ukraine im Abwehrkampf gegen die russische Invasion und haben bereits Militärhilfe in zweistelliger Milliardenhöhe zur Verfügung gestellt. Von der Ukraine geforderte Kampfjets des Typs F-16 fanden sich nicht in dem neuen Paket.

«Der heutige Jahrestag ist eine Gelegenheit für alle, die an Freiheit, Regeln und Souveränität glauben, uns erneut zu verpflichten, die tapferen Verteidiger der Ukraine langfristig zu unterstützen», erklärte US-Verteidigungsminister Lloyd Austin. Putin habe gedacht, dass die ukrainische Verteidigung zusammenbrechen, Amerikas Entschlossenheit ins Wanken geraten und die Welt einfach wegschauen würde. «Er hat sich geirrt», sagte Austin.

Die USA gelten als wichtigster Verbündeter der Ukraine im Abwehrkampf gegen die russische Invasion (Bild: dpa)
Die USA gelten als wichtigster Verbündeter der Ukraine im Abwehrkampf gegen die russische Invasion (Bild: dpa)

Washington will zudem mit weiteren Sanktionen, verschärften Exportbestimmungen und Zollerhöhungen Russland den Geldhahn weiter zudrehen. Das neue Maßnahmenpaket beinhaltet Sanktionen gegen mehr als 200 Personen, bei denen es sich um Staatsbürger von Russland oder auch Staaten in Europa, Asien und Nahost handele, die Russlands Kriegstreiben unterstützten. Ins Visier genommen würden zudem ein Dutzend russische Finanzeinrichtungen, mehrere russische Minister und hochrangige Beamte sowie Personen, die illegitim in der Ukraine agierten, erklärte das Weiße Haus.

+++ Ein Jahr nach Kriegsbeginn: Selenskyj verleiht Orden und gedenkt der Toten +++

Der 24. Februar 2022, so sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj genau ein Jahr später, sei der längste Tag unseres Lebens und der schwerste der jüngsten Geschichte gewesen. „Wir sind aufgewacht und seitdem schlafen wir nicht mehr", sagte er in einer Ansprache anlässlich des Jahrestages des Beginns des russischen Einmarsches in die Ukraine.

Bei einer Ordensverleihung in Kiew ehrte Selenskyj Armeebedienstete und Zivilpersonen, darunter auch Angehörige von Gefallenen (Bild: euronews)
Bei einer Ordensverleihung in Kiew ehrte Selenskyj Armeebedienstete und Zivilpersonen, darunter auch Angehörige von Gefallenen (Bild: euronews)

„Ich danke allen, die in diesem Februar und in diesem Jahr durchgehalten haben und die die Ukraine unbesiegbar machen. Ehre sei denen, die jetzt gerade kämpfen. Ehre sei denen, die helfen, die jeden Tag den Kampf unterstützen, und denen, die Leben retten“, so Selenskyj. Er betonte: „Wir haben nicht die weiße Fahne gehisst, sondern die blau-gelbe verteidigt. Wir hatten keine Angst, wir sind nicht zusammengebrochen, wir haben uns nicht ergeben", sagte er.

„Dieser Tag hat unser Leben in vorher und nachher geteilt. Ich war ein Jahr lang nicht zuhause, habe meine Familie nicht gesehen. Das ist ein schrecklicher Schmerz“, sagte eine Ukrainerin. Und eine andere meinte: „Ich hoffe, dass es keinen weiteren Jahrestag geben wird. Ich glaube, dass wir den Krieg in diesem Jahr beenden.“ Bei einer Ordensverleihung in Kiew ehrte Selenskyj Armeebedienstete und Zivilpersonen, darunter auch Angehörige von Gefallenen.

Millionen sind geflohen

Für Millionen Menschen in der Ukraine änderte sich ihr Leben mit dem Beginn des Krieges schlagartig: Weil sie ihre Heimat verließen, ins Ausland gingen oder innerhalb der Ukraine Schutz suchten oder weil sie daheim blieben und täglich mit den Auswirkungen des Krieges zu tun haben - teilweise aufgrund von Angriffen, gefolgt von Zerstörung und Tod.

+++ Steinmeier ruft zu lang anhaltender Unterstützung der Ukraine auf +++

Am Jahrestag des russischen Angriffs hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Menschen in Deutschland auf eine lang anhaltende Kraftanstrengung zur Unterstützung der Ukraine eingestimmt. "Deutschland ist nicht im Krieg, aber dieser Krieg geht uns an", sagte Steinmeier am Freitag bei der zentralen Veranstaltung zum Jahrestag im Berliner Schloss Bellevue. "Unsere Entschlossenheit und unsere Geschlossenheit werden noch auf lange Zeit gefordert sein."

"Der Krieg ist zurück in Europa", sagte Steinmeier. "Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg findet mitten in Europa wieder ein Eroberungsfeldzug statt." Die Ukraine könne sich auf finanzielle, wirtschaftliche und auch militärische Unterstützung aus Deutschland verlassen, sagte der Bundespräsident.

Deutschland und die anderen Verbündeten der Ukraine dürften bei dieser Unterstützung nicht nachlassen, mahnte er. Der russische Präsident Wladimir Putin setze darauf, "dass die Verbündeten der Ukraine irgendwann müde werden, dass wir abstumpfen und wegschauen werden angesichts des Schreckens, der auch für uns schwer auszuhalten ist", sagte er. "Diesen Gefallen werden wir Putin nicht tun!"

Steinmeier äußerte in seiner Ansprache Verständnis für den Wunsch vieler Menschen nach einem baldigen Kriegsende - er warnte zugleich vor falschen Friedenshoffnungen. "Den Frieden ersehnen sich viele Menschen in diesen Tagen - in unserem Land, weltweit, aber nirgends so sehr wie in der Ukraine selbst", sagte der Bundespräsident. "Doch ein Scheinfriede, der nur Putins Landraub belohnt und die Menschen der Willkür der Besatzer überlässt, so ein Friede wird kein Friede sein."

Am Jahrestag des russischen Angriffs hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Menschen in Deutschland auf eine lang anhaltende Kraftanstrengung zur Unterstützung der Ukraine eingestimmt.
Am Jahrestag des russischen Angriffs hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Menschen in Deutschland auf eine lang anhaltende Kraftanstrengung zur Unterstützung der Ukraine eingestimmt (Bild: AFP)

Der russische Überfall habe "uns in eine überwunden geglaubte Zeit gestürzt", sagte Steinmeier weiter. "Russlands Angriffskrieg hat die europäische Sicherheitsordnung in Schutt und Asche gelegt. Er ist ein Angriff auf alle Lehren, die die Welt aus zwei Weltkriegen gezogen hatte. Er ist ein Angriff auf all das, für das auch wir stehen. Das macht den Epochenbruch aus, den wir erleben."

Der Krieg in der Ukraine werde auch über die Zukunft der europäischen Friedensordnung entscheiden, sagte Steinmeier. "Die Ukraine kämpft um ihr Land, ihre Freiheit, ihre Zukunft in Europa", sagte er. "Sie kämpft gegen Landraub und Besatzung. Sie kämpft für das, was jedes Land dieser Welt für sich in Anspruch nimmt - für das, was Voraussetzung ist für gerechten und dauerhaften Frieden."

Steinmeier zeichnete ein düsteres Bild der aktuellen Lage. "Jeden Tag trägt Russland unermessliches Leid in die Ukraine hinein", sagte er. "Und auch ein Jahr nach Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine geht dieser Krieg mit unverminderter Härte weiter."

Steinmeier rief den russischen Präsidenten auf, den Krieg zu beenden. "Putin weiß, was zu tun ist, wenn er ernsthaft ein Ende des Krieges wollte: Erst, wenn sich russische Truppen zurückziehen, öffnet das den Weg zu Verhandlungen", sagte er. "So fordert es die Resolution der Vereinten Nationen."

Auf Einladung des Bundespräsidenten hatten sich unter anderem Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und die Vorsitzenden von Bundestag und Bundesrat zu dem offiziellem Gedenkakt im Schloss Bellevue eingefunden. Die Veranstaltung wurde in enger Abstimmung mit der ukrainischen Botschaft gestaltet.

+++ Selenskyj zum Jahrestag: 2023 wird das Jahr des Sieges +++

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am ersten Jahrestag des russischen Angriffskrieges den Widerstand seiner Landsleute gewürdigt und sich erneut siegessicher gezeigt. «Es war ein Jahr des Schmerzes, der Sorgen, des Glaubens und der Einheit», teilte der 45-Jährige heute mit.

Am 24. Februar vor einem Jahr hätten viele ihre Wahl getroffen. «Nicht eine weiße Fahne, sondern die blau-gelbe Fahne», sagte er. «Nicht fliehen, sondern sich stellen. Widerstand und Kampf», schrieb Selenskyj im Kurznachrichtendienst Twitter zu einem emotionalen Video mit Bildern vom Kampf der Ukrainer. «Wir wissen, dass 2023 das Jahr unseres Sieges sein wird», so Selenskyj weiter.

Wenige Stunden später hielt der ukrainische Staatschef eine Rede vor der berühmten Sophienkathedrale in Kiew. In militärisch grüner Kleidung ehrte er Soldaten mit Orden, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur vom Ort der Zeremonie berichtete. Mit gesenktem Kopf hielt Selenskyj außerdem eine Schweigeminute für die vielen ukrainischen Opfer des Krieges ab. Für die Veranstaltung, die bei Minusgraden abgehalten wurde, waren hohe Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden, der Bereich war weiträumig abgesperrt.

Wolodymyr Selenskyj schaltete sich per Videobotschaft dazu (Bild: Reuters)
Wolodymyr Selenskyj schaltete sich per Videobotschaft dazu (Bild: Reuters)

Selenskyj: «Und heute stehen wir genau ein Jahr»

In einer auf der Seite des Präsidialamts veröffentlichten Videobotschaft wandte sich Selenskyj außerdem an alle Ukrainer - und erinnerte an den «längsten Tag unseres Lebens»: den ersten Kriegstag am 24. Februar 2022. «Wir sind damals früh aufgewacht und können seitdem nicht mehr einschlafen», sagte der 45-Jährige. Trotz des Schocks hätten alle sofort gespürt, was zu tun sei: «Wir haben nicht gewusst, was morgen sein wird, doch begriffen genau: Für jedes Morgen muss man kämpfen!» Prognosen, dass die Ukraine maximal 72 Stunden standhalten könne, hätten sich nicht bewahrheitet. «Und heute stehen wir genau ein Jahr.»

Der Staatschef zählte mit Mariupol, Mykolajiw, Charkiw und Kramatorsk mehrere von russischen Angriffen besonders erschütterte Städte auf. «Wir haben Butscha, Irpin und Borodjanka gesehen. Der ganzen Welt ist klar geworden, was "russische Welt" wirklich bedeutet», mahnte Selenskyj.

Gleichzeitig wandte er sich an die Ukrainer in den weiter russisch besetzten Regionen. «Die Ukraine wird Euch nicht im Stich lassen, vergessen und aufgeben», sagte der Staatschef. Alle Territorien würden befreit, versprach er. Und an die Millionen Flüchtlinge im Ausland gerichtet, hob er hervor: «Wir werden alles dafür tun, dass ihr in die Ukraine zurückkehren könnt.»

Klitschko: Werden alles überstehen und gewinnen

Der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko sprach von einem «tragischen und psychisch erschöpfenden» Jahr. «Aber wir kämpfen, wir glauben an uns selbst und an unser Land. Deshalb werden wir alles überstehen und gewinnen», schrieb er in seinem Telegram-Kanal und veröffentlichte dazu eine Videobotschaft.

Während viele Ukrainer nicht an einen «barbarischen Krieg» Russlands geglaubt hätten, habe sich die Hauptstadt auf den möglichen Angriff vorbereitet. «Freiwillige, die in die Territorialverteidigung eingetreten sind, und unser Militär haben geholfen, die Hauptstadt zu schützen und zu halten.» Die russischen Truppen rückten nach dem Kriegsbeginn am 24. Februar in die Vororte der Hauptstadt vor, kamen aber nicht weit.

«Kiew ist das Herz der Ukraine, Kiew war und bleibt ein Ziel von Russland, der Russen und von Putin», hatte Klitschko im Gespräch der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch gesagt. Zugleich betonte der 51-Jährige, dass er nicht glaube, dass Russland ein neuer Angriff auf die Hauptstadt gelingen könne. «Ich glaube nicht, dass Russland gewinnt.»

+++ China ruft zu Waffenstillstand in Ukraine auf +++

China hat zu einem Waffenstillstand im Ukraine-Krieg aufgerufen. In einem mit Spannung erwarteten Positionspapier, das Pekings Außenministerium heute zum Jahrestag der russischen Invasion in der Ukraine veröffentlichte, wird eine baldige Wiederaufnahme von Verhandlungen zwischen beiden Seiten gefordert.

«Dialog und Verhandlungen sind die einzig machbare Lösung für die Ukraine-Krise.» Die Bemühungen Chinas, sich mit solchen Vorschlägen stärker in eine Friedenslösung einzubringen, werden allerdings mit Skepsis betrachtet, da die chinesische Führung den russischen Angriffskrieg bis heute nicht einmal verurteilt hat.

«Alle Parteien sollten Russland und die Ukraine unterstützen, in die gleiche Richtung zu arbeiten und letztendlich einen umfassenden Waffenstillstand zu erreichen», heißt es in dem 12-Punkte-Dokument. «Konflikt und Krieg dienen niemandem. Alle Parteien müssen rational bleiben, Zurückhaltung üben und vermeiden, die Flammen anzufachen, und verhindern, dass sich die Krise weiter verschlechtert oder sogar außer Kontrolle gerät.» Mit dieser Argumentation wendet sich China gemeinhin immer gegen Waffenlieferungen des Westens an die Ukraine.

China: Grundsätze der UN beachten

Zu Beginn des Papiers fordert China, dass die Grundsätze der Vereinten Nationen streng beachtet werden müssten. «Die Souveränität, Unabhängigkeit und territoriale Integrität aller Länder muss wirksam aufrechterhalten werden», heißt es, ohne das aber darauf eingegangen wird, was mit den russischen besetzten Gebieten geschehen soll. Auch wird gefordert, dass die «legitimen Sicherheitsinteressen aller Länder ernst genommen» werden müssten. Hinter dieser Formulierung sehen Diplomaten einen klaren Hinweis auf die Argumentation Russlands, sich gegen die USA und die Nato verteidigen zu müssen.

Die «Mentalität des Kalten Krieges» müsse beendet werden, argumentiert China ähnlich weiter. Die Sicherheit eines Landes sollte nicht auf Kosten anderer gehen. Block-Konfrontation müsse vermieden werden, heißt es - ein Vorwurf, den China meist gegen die USA erhebt. Ohne die Nato namentlich zu nennen, argumentiert das Papier ferner, die Sicherheit einer Region sollte nicht durch die Stärkung oder Ausweitung militärischer Blöcke erreicht werden.

Klares Nein zu Atomwaffen

China ruft in dem Dokument zu einer Verringerung der strategischen Risiken des Krieges auf: «Atomwaffen dürfen nicht eingesetzt werden, und Atomkriege dürfen nicht ausgefochten werden.» Auch die Drohung mit dem Einsatz von nuklearen Waffen sei abzulehnen - eine Formulierung, die sich indirekt gegen Moskau richten könnte. Entschieden fordert China ein Ende der Sanktionen gegen Russland, «die nur neue Probleme schaffen». «China lehnt einseitige Sanktionen ab, die nicht vom UN-Sicherheitsrat autorisiert sind.» In dem höchsten UN-Gremium sitzen Russland und China als Vetomächte.

In dem Dokument wird ferner dazu aufgerufen, dass Angriffe auf Zivilisten oder zivile Einrichtungen vermieden werden sollen. Auch lehne China bewaffnete Angriffe auf Atomkraftwerke oder andere zivile Nukleareinrichtungen ab. Alle Parteien sollten zudem die Getreidelieferungen aus der Ukraine ermöglichen und die Vereinten Nationen unterstützen, eine wichtige Rolle dabei zu spielen.

+++ Scholz: Putin wird "sein imperialistisches Ziel nicht erreichen" +++

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat sich überzeugt gezeigt, dass Russland seine Absichten im Ukraine-Krieg nicht verwirklichen kann. "Je früher Russlands Präsident einsieht, dass er sein imperialistisches Ziel nicht erreichen wird, desto größer ist die Chance auf ein baldiges Kriegsende", sagte Scholz am Freitag in einer Videobotschaft anlässlich des Jahrestags des Kriegsbeginns. "Putin hat es in der Hand. Er kann diesen Krieg beenden."

Deutschland stehe "fest an der Seite der Ukraine - heute und in Zukunft", betonte Scholz zugleich. "Unsere Hilfen für die Ukraine summieren sich auf mehr als 14 Milliarden Euro. Wir unterstützen finanziell, humanitär und: mit Waffen." Er verstehe, wenn dies manchen Menschen Sorgen mache, versicherte Scholz. "Deshalb ist es so wichtig, das Prinzip beizubehalten das uns von Beginn an leitet: Alles was wir tun, geschieht in enger Abstimmung und im Gleichklang mit unseren Partnern und Verbündeten."

Ein Blick zurück auf das vergangene Jahr zeige: "Der russische Präsident ist gescheitert", analysierte Scholz. "Wladimir Putin hat auf Spaltung gesetzt, und das Gegenteil bewirkt: Die Ukraine ist geeinter denn je. Die Europäische Union steht geschlossen zusammen."

"Wir werden alles dafür tun, dass es nicht zu einer Eskalation des Krieges zwischen Russland und der Nato kommt", unterstrich Scholz zugleich. Es seien nicht die westlichen Waffenlieferungen, die den Krieg verlängerten.

Scholz zeigte sich zugleich "sehr beeindruckt" von der Entschlossenheit und dem Mut der Ukrainerinnen und Ukrainer, die ihre Freiheit verteidigten. "Deutschland unterstützt sie dabei - so stark und solange wie nötig."Der Bundeskanzler lobte auch die Aufnahmebereitschaft der Deutschen: "Wir haben mehr als eine Million ukrainische Flüchtlinge aufgenommen, dank großer Hilfsbereitschaft überall im Land", sagte er. "Dafür möchte ich mich bei allen bedanken, die das möglich gemacht haben."

+++ Medwedew droht: Ukraine bis an 'die Grenze Polens' besiegen +++

Am Jahrestag der russischen Invasion in die Ukraine hat der frühere Kremlchef Dmitri Medwedew mit einer vollständigen Unterwerfung des Nachbarlandes gedroht. Er wiederholte den propagandistischen Moskauer Vorwurf, dass die Ukraine von Neonazis beherrscht werde und deshalb für Russland gefährlich sei.

"Deshalb ist es so wichtig, dass die militärische Spezialoperation ihr Ziel erreicht. Um die Grenze der Gefahr für unser Land so weit wie möglich zurückzudrängen, selbst wenn das die Grenze Polens ist", schrieb Medwedew am Freitag im sozialen Netzwerk Telegram. "Um den Neonazismus völlig zu vernichten."

Es bleibe sonst die Gefahr, dass selbst nach Verhandlungen "neue blutgierige Jungs, die sich legale ukrainische Staatsmacht nennen, einen weltweiten Konflikt provozieren", schrieb der jetzige Vizesekretär des russischen Sicherheitsrates. Medwedew galt in seinen Zeiten als Ministerpräsident und Präsident als eher liberal. Im laufenden Krieg tritt er als absoluter Hardliner auf und versucht Beobachtern zufolge, seine Position im russischen Machtapparat durch überbordend scharfe Stellungnahmen zu untermauern.

Auf Befehl von Präsident Wladimir Putin waren russische Truppen am 24. Februar 2022 auf breiter Front in die Ukraine einmarschiert. Moskau nennt den Krieg noch immer offiziell eine militärische Spezialoperation.

+++ Macron ruft ein Jahr nach Kriegsbeginn zum Sieg der Ukraine auf +++

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat der Ukraine ein Jahr nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs die weitere Unterstützung seines Landes zugesichert. "Ukrainerinnen und Ukrainer, Frankreich steht an Ihrer Seite", schrieb Macron am Freitag im Onlinedienst Twitter. "Auf die Solidarität, den Sieg und den Frieden", hieß es weiter in dem Tweet, der auf französisch, englisch und ukrainisch veröffentlicht wurde.

Der Pariser Eiffelturm wurde bereits am Donnerstagabend blau und gelb angestrahlt, in den ukrainischen Landesfarben. "Ruhm der Ukraine", schrieb Bürgermeisterin Anne Hidalgo auf ukrainisch auf Twitter.

Am Freitagmorgen hatte die ukrainische Gemeinde zum Gottesdienst in die ukrainische Kathedrale Sankt Wolodymyr eingeladen. In mehreren französischen Städten waren am Jahrestag und am Samstag Demonstrationen für den Frieden in der Ukraine geplant.

An der voraussichtlich größten Demonstration am Samstagnachmittag in Paris wollen sich auch Vertreter der Parteien und Gewerkschaften beteiligen. Auch Vertreter der georgischen, baltischen und polnischen Gemeinden haben ihre Teilnahme zugesagt.

Am Grabmal für den Unbekannten Soldaten unter dem Pariser Triumphbogen will die französische Außen-Staatssekretärin Chrysoula Zacharopoulou am Freitagabend die Flamme zu Ehren der Ukraine entfachen und ein Blumengebinde niederlegen.

Frankreich hat nach Angaben des Innenministeriums seit Kriegsbeginn mehr als 100.000 Geflüchtete aus der Ukraine aufgenommen, 80 Prozent davon Frauen.

Die russische Armee war auf Befehl von Kreml-Chef Wladimir Putin am 24. Februar 2022 in die Ukraine einmarschiert. Der Krieg hat seitdem nach westlichen Schätzungen auf beiden Seiten zum Tod von 150.000 Menschen geführt, Millionen andere wurden in die Flucht getrieben.

Die russische Armee wurde an verschiedenen Fronten von den ukrainischen Truppen zurückgedrängt, die zähen Kämpfe konzentrierten sich zuletzt vor allem auf ostukrainische Gebiete. Die Ukraine befürchtet, dass Russland seine Angriffe rund um den Jahrestag verstärken könnte.