Ukraine-Krieg: Die Entwicklungen am Samstag

Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine herrscht in dem Land Krieg. Hier gibt's die aktuellen Entwicklungen.

Unser Ticker ist für heute beendet. Hier können Sie die wichtigsten Ereignisse des Tages nachlesen:

  • Putin hält Rede bei Soldaten - und wirft Westen Lügen vor

  • Selenskyj bedankt sich auf Deutsch bei Kanzler Scholz

  • Russland greift Ukraine erneut massiv mit Raketen an

  • Nato-Generalsekretär ruft zu mehr Waffenlieferungen für Ukraine auf

  • Ukraine will Luftabwehr ausbauen

  • Kiew seit Kriegsbeginn fast 29 Tage im Alarmzustand

  • Tausende wollten sich dem Wehrdienst entziehen

Die aktuelle Newslage im Stream:

+++ Putin hält Rede bei Soldaten - und wirft Westen Lügen vor +++

Der russische Präsident Wladimir Putin hat seine Neujahrsansprache in Kriegszeiten diesmal umgeben von Soldaten aufzeichnen lassen.

Putin wirft dem Westen Lügen vor (Bild: Sputnik/Mikhail Klimentyev/Kremlin via REUTERS)
Putin wirft dem Westen Lügen vor (Bild: Sputnik/Mikhail Klimentyev/Kremlin via REUTERS)

«Es war ein Jahr schwerer, notwendiger Entscheidungen, wichtiger Schritte zum Erhalt der vollen Souveränität Russlands und mit einer gewaltigen Konsolidierung in unserer Gesellschaft», sagte Putin in der am Samstag ausgestrahlten Rede, die etwa auf der fernöstlichen Halbinsel Kamtschatka schon zu sehen war. Dort hatte am Nachmittag deutscher Zeit - bei elf Stunden Zeitunterschied - schon das Jahr 2023 begonnen. Am Samstag beschoss Russland die Ukraine wieder mit Raketen.

Zugleich warf der Kremlchef dem Westen «Lügen» vor. «Die westlichen Eliten haben uns allen jahrelang heuchlerisch ihre friedlichen Absichten versichert, darunter zur Lösung des schwersten Konflikts im Donbass», sagte Putin. Er hatte sich schon unlängst auf Aussagen von Ex-Kanzlerin Angela Merkel bezogen, die in einem Interview erklärt hatte, der Friedensplan für den Donbass sei auch geschlossen worden mit dem Ziel, die Ukraine stärker zu machen. «Der Westen hat gelogen, was den Frieden angeht und sich auf eine Aggression vorbereitet. Und er schämt sich heute nicht einmal mehr, das offen zuzugeben.»

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+++ Tote und Verletzte bei neuen russischen Angriffen +++

Bei neuen russischen Raketenangriffen auf die Ukraine kurz vor Neujahr hat es nach Behördenangaben Tote und Verletzte gegeben. Bürgermeister Vitali Klitschko teilte am Samstag in Kiew mit, in der Hauptstadt sei ein älterer Mann getötet, 16 Menschen seien verletzt worden. Unter den Verletzten sei auch ein Journalist aus Japan. Auch aus dem Gebiet Saporischschja wurde über einen Toten berichtet. Nach den Worten des Oberkommandierenden Walerij Saluschnyj gab es insgesamt 20 Raketenangriffe im Land, von denen 12 abgefangen wurden, davon allein 6 in Kiew.

Der Vizechef des Präsidentenbüros, Kyrylo Tymoschenko, veröffentlichte im Nachrichtendienst Telegram ein Foto und Video von einem teils zerstörten Hotel in Kiew, das auch von Journalisten genutzt wird. Es handele sich um einen Angriff von «Mördern und Terroristen», sagte er. Es mache den Russen Freude am Festtagstisch, ein zerstörtes Hotel im Herzen Kiews zu sehen.

Infolge der Einschläge wurden auch im Kulturpalast «Palast Ukraine» die Scheiben zerstört, wie er mitteilte. Normalerweise seien dort Frauen mit ihren Kindern. Es sei ein Glück, dass niemand dort gewesen sei zur Zeit des Angriffs. Im westukrainischen Gebiet Chmelnyzkyj war von vier Verletzten die Rede und in Mykolajiw von zwei Verletzten.

Erst am Donnerstag hatte Russland die Ukraine mit Drohnen- und Raketenangriffen überzogen. Erneut gab es nun auch am letzten Tag des Jahres überall Luftalarm, der allein in Kiew rund drei Stunden dauerte. Die Behörden hatten die die Menschen aufgerufen, Schutz in Bunkern zu suchen.

+++ Russland und Ukraine tauschen erneut Gefangene aus +++

Kurz vor Neujahr haben Russland und die Ukraine erneut Kriegsgefangene ausgetauscht. So seien 140 ukrainische Soldaten heimgekehrt, teilte der Chef des Präsidentenbüros in Kiew, Andrij Jermak, am Samstag auf Telegram mit. Auf der anderen Seite habe die russische Armee 82 ihrer Angehörigen in Empfang genommen, berichtete die Staatsagentur Tass. Ort und Zeitpunkt des Austauschs wurden nicht genannt.

Die ehemaligen russischen Kriegsgefangenen, meist verwundete Soldaten, seien umgehend zur weiteren Behandlung nach Moskau geflogen worden, berichtete Tass.

Unter den freigelassenen Ukrainern seien acht Frauen, teilte Jermak mit. Auch Verwundete wurden demnach übergeben, sowie Kämpfer aus der Hafenstadt Mariupol. «Willkommen zu Hause, ihr Lieben», schloss er seine Telegram-Mitteilung.

+++ Ukrainische Artillerie greift Luhansk an - Explosionen über der Krim +++

Ukrainische Artillerie hat am Samstag russische Stellungen im Osten der Ukraine angegriffen. Dabei sei das Dorf Perwomajskoje in der Region Luhansk im Donbass mindesten zweimal Ziel von Beschuss aus dem amerikanischen Himars-Mehrfachraketenwerfer geworden, meldete die russische Agentur Tass unter Berufung auf örtliche Behörden. Über eventuelle Opfer oder Schäden wurden keine Angaben gemacht.

Ukrainische Medien berichteten unterdessen von Explosionen in der Nähe des Flughafens Dschankoj auf der von Russland besetzten Krim. Dabei wurden Mitteilungen aus sozialen Netzwerken zitiert, nach denen die Detonationen möglicherweise auf den Einsatz von Flugabwehrraketen zurückzuführen seien.

+++ Selenskyj bedankt sich auf Deutsch bei Kanzler Scholz +++

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich zum Jahresende bei Bundeskanzler Olaf Scholz für dessen Unterstützung und den neuen sicherheitspolitischen Kurs Deutschlands bedankt - mit einem Tweet auf Deutsch. «Waffenlieferungen, Schutz für mehr als eine Million Ukrainer:innen, G7-Präsidentschaft mit Ukraine-Fokus, finanzielle & technische Hilfe, EU-Kandidatenstatus. Danke für die Zeitenwende, Herr @Bundeskanzler!», schrieb er am Samstag auf Twitter.

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«Mögen wir sie im Jahr 2023 mit unserem gemeinsamen Sieg komplett machen», meinte der Staatschef mit Blick auf die von Scholz ausgerufene Zeitenwende, mit der die Bundesregierung auch eine militärische Unterstützung der Ukraine für die Verteidigung gegen Russlands Angriffskrieg eingeleitet hatte. Die Ukraine hofft angesichts massiver russischer Drohnen- und Raketenangriffe auf deutlich mehr Militärhilfe etwa bei der Flugabwehr. Auch Experten meinen, dass das Land für einen Sieg gegen Russland noch viel mehr Waffen und Munition braucht.

Wolodymyr Selenskyj und Bundeskanzler Olaf Scholz (Bild: Kay Nietfeld/dpa)
Wolodymyr Selenskyj und Bundeskanzler Olaf Scholz (Bild: Kay Nietfeld/dpa)

+++ Russland greift Ukraine erneut massiv mit Raketen an +++

Kurz vor den Neujahrsfeierlichkeiten hat Russland die Ukraine erneut mit Dutzenden von Marschflugkörpern und Raketen angegriffen. In Kiew waren am Samstag rund ein halbes Dutzend Explosionen - mutmaßlich ausgelöst von der Flugabwehr - zu hören, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur aus dem Zentrum der Hauptstadt berichtete. Bürgermeister Vitali Klitschko sprach von Zerstörungen. Einsatzkräfte und medizinisches Personal seien unterwegs.

Erst am Donnerstag hatte Russland die Ukraine mit Drohnen- und Raketenangriffen überzogen. Erneut gab es nun auch am letzten Tag des Jahres überall Luftalarm. Die Behörden riefen die Menschen auf, Schutz in Bunkern zu suchen.

Von Explosionen wurde ebenfalls aus den westukrainischen Gebieten Winnyzja, Schytomyr und aus dem südukrainischen Gebiet Mykolajiw berichtet. Dem Vizechef des Präsidentenbüros, Kyrylo Tymoschenko, zufolge ist das westukrainische Gebiet Chmelnyzkyj mit Drohnen angegriffen worden. Zwei Verletzte habe es dort gegeben. Als Vorsichtsmaßnahme wurde in mehreren Gebiete der Strom abgeschaltet, um Schäden bei Treffern der Energieversorgung zu verringern.

Seit Mitte Oktober hat Russland in nunmehr elf Großangriffen vor allem Objekte des ukrainischen Energiesystems angegriffen. Wegen der massiven Zerstörungen der Infrastruktur gibt es vielerorts Stromausfälle, von denen Millionen Menschen betroffen sind. Die ukrainische Regierung wirft Russland «Terror» vor – mit dem Ziel, das Land in Dunkelheit und Kälte zu stürzen. Kiew beschuldigt Kremlchef Wladimir Putin, die Menschen so in die Flucht treiben zu wollen, um die Lage in der EU durch Masseneinwanderung zu destabilisieren.

+++ Putins Mann fürs Grobe - «Wagner»-Chef Prigoschin +++

Vor dem Start ins neue Kriegsjahr in der Ukraine tritt der Russe Jewgeni Prigoschin als Chef der gefürchteten Söldnergruppe «Wagner» immer selbstbewusster auf. Mal zeigt sich der 61-Jährige im Kriegsgebiet, mal kritisiert er die russische Militärführung.

Und Kremlchef Wladimir Putin lässt ihn schalten und walten, als hätte diese Schattenarmee, eine paramilitärische Organisation mit vielen verurteilten Verbrechern, längst alleine das Zepter der Macht in der Hand. Dabei behauptete Putin in der Vergangenheit sogar, der russische Staat habe gar nichts zu tun mit der «Wagner»-Gruppe.

Putin und Prigoschin kennen sich lange. Als der Ex-KGB-Offizier Putin noch in der St. Petersburger Stadtverwaltung arbeitete, soll er in Prigoschins Restaurant eingekehrt sein. Deshalb trägt der in den chaotischen 1990er Jahren in Russland zu Reichtum gekommene Geschäftsmann, der auch schon wegen Raubes in Haft saß, den Beinamen «Putins Koch».

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+++ Ukrainischer Minister warnt Russen vor neuer Mobilmachung +++

Der ukrainische Verteidigungsminister Olexij Resnikow hat mit einem Video in russischer Sprache vor einer neuen Mobilmachung durch den Kreml schon zu Jahresbeginn gewarnt. «Ich weiß genau, dass ihr noch eine Woche habt, um eine Wahl zu treffen», sagte Resnikow in dem auf Youtube veröffentlichten Video. Dann würden die Grenzen geschlossen, damit niemand das Land verlassen könne. Es gebe die Wahl, sich der Einberufung zum Kriegsdienst zu entziehen oder in der Ukraine zu sterben oder zum «Krüppel» zu werden.

Hunderttausende Russen hatten im Herbst das Land verlassen, um sich der von Kremlchef Wladimir Putin angeordneten Teilmobilmachung zu entziehen. Putin hatte zuletzt gesagt, es sei keine neue Mobilmachung nötig.

Die Feiern zum neuen Jahr seien ein guter Anlass, darüber nachzudenken und sich bewusst zu werden, dass der Kreml den Krieg verloren habe, sagte Resnikow. Es gebe nichts, wofür es sich lohne zu kämpfen. Der Minister zählte in seiner wie eine Neujahrsansprache gehaltenen Rede die Vielzahl an russischen Niederlagen in diesem Jahr auf. Er erwähnte etwa den Untergang des Flaggschiffs «Moskwa» der russischen Schwarzmeerflotte und die Explosionen auf Militärflugplätzen im russischen Hinterland.

Mehr als 100 000 Soldaten habe Russland schon verloren in diesem Krieg, sagte Resnikow. «Wenn das der Plan war, nur die Feinde Russlands hätten ihn so erstellen können», sagte er mit Blick auch auf den Verlust von Moskaus Ansehen in der Welt.

+++ 200 000 ukrainische Schüler - Lehrkräfte «am Limit» +++

Vertreter der Gymnasien fordern wegen der vielen aufgenommenen ukrainischen Schülerinnen und Schüler zusätzliche Unterstützung. Ressourcen müssten dringend schneller bereitgestellt werden, sagte der Vorsitzende der Bundesdirektorenkonferenz Gymnasien, Arnd Niedermöller, der Deutschen Presse-Agentur. «Wir können nicht anderthalb Jahre warten, bis die neuen Schülerzahlen in der Statistik auftauchen und wir mehr Lehrkräfte einstellen können.» Die Lehrkräfte stellten sich ihren Aufgaben mit voller Hingabe und seien am Limit, sagte Susanne Lin-Klitzing, die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, der die Gymnasiallehrkräfte vertritt.

Beide Verbände haben gemeinsam Schulleitungen von mehr als 350 Gymnasien in acht Bundesländern befragt. Die Umfrage macht deutlich, dass viele Schulen angesichts der Lage mit knappen Ressourcen zu kämpfen haben.

Zwar gab die Hälfte der Befragten, die ukrainische Schüler aufgenommen hatten, an, dass zusätzliche Kräfte für den Unterricht eingestellt wurden. Bei der anderen Hälfte war das aber nicht der Fall. An knapp jeder fünften Schule mit ukrainischen Schülern (19 Prozent) haben Lehrkräfte in Teilzeit ihre Stunden aufgestockt. Pensionierte Lehrkräfte kamen an knapp acht Prozent dieser Schulen zur Unterstützung zurück. Die deutliche Mehrheit (68 Prozent auf dem Land, 63 Prozent in der Stadt) ist insgesamt aber trotzdem der Ansicht, dass momentan nicht genügend Personal gewonnen werden kann für die Aufgaben.

Den aktuellsten Zahlen der Kultusministerkonferenz (KMK) zufolge waren an den Schulen in Deutschland vor Weihnachten 202 343 Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine angemeldet.

+++ Nato-Generalsekretär ruft zu mehr Waffenlieferungen für Ukraine auf +++

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat Deutschland und die anderen Bündnisstaaten zu weiteren Waffenlieferungen an die Ukraine aufgerufen. «Es mag paradox klingen, aber militärische Unterstützung für die Ukraine ist der schnellste Weg zum Frieden», sagte der Norweger der Deutschen Presse-Agentur zum Jahreswechsel. Hintergrund sei, dass Russlands Präsident Wladimir Putin davon überzeugt werden müsse, dass er sein Ziel, die Kontrolle über die Ukraine zu übernehmen, nicht erreichen werde. Dann könne es eine friedliche Verhandlungslösung geben, die ein Überleben der Ukraine als unabhängiger demokratischer Staat gewährleiste.

Ähnlich wie Stoltenberg hatte sich zuletzt auch CDU-Chef Friedrich Merz geäußert. «Eine Unterstützung der Ukraine mit Schützenpanzern und Kampfpanzern würde diesen Krieg nicht verlängern, sondern verkürzen», sagte der Spitzenpolitiker. «Deutschland und andere europäische Länder hätten der Ukraine längst Schützenpanzer und auch Kampfpanzer westlicher Bauart liefern sollen.»

Jens Stoltenberg ruft zu mehr Waffenlieferungen auf (Bild: REUTERS/Stoyan Nenov)
Jens Stoltenberg ruft zu mehr Waffenlieferungen auf (Bild: REUTERS/Stoyan Nenov)

Die Ukraine bittet ihre Verbündeten seit langem um Kampf- und Schützenpanzer westlicher Bauart. Nach ukrainischen Angaben laufen Gespräche mit der Bundesregierung über die Lieferung der deutschen Modelle Leopard 2 und Marder. Kanzler Olaf Scholz (SPD) will solche Panzer nicht liefern, solange sie auch von anderen Bündnispartnern nicht bereitgestellt werden. Es werde keinen deutschen Alleingang in dieser Frage geben, hat der SPD-Politiker immer wieder betont.

Stoltenberg sagte zur Diskussion um die Lieferung deutscher Kampfpanzer und Patriot-Systeme, es gebe zu diesen Fragen gute Konsultationen in der Nato und im US-geführten Ramstein-Format. «Natürlich fordere ich die Verbündeten auf, mehr zu tun», ergänzte er. «Es liegt in unser aller Sicherheitsinteresse, dafür zu sorgen, dass sich die Ukraine durchsetzt und Putin nicht gewinnt.»

Zugleich mahnte Stoltenberg an, die Diskussion nicht auf zusätzliche Systeme zu verengen. «Es geht nicht nur darum, mehr Waffensysteme hinzuzufügen», sagte er. «Noch wichtiger ist vielleicht, dass es für alle bereits vorhandenen Systeme ausreichend Munition gibt. Der Bedarf an Munition und Ersatzteilen ist enorm.»

Der Nato-Generalsekretär machte im Interview der Deutschen Presse-Agentur auch deutlich, dass er die jüngsten ukrainischen Angriffe auf militärische Ziele in Russland für vollkommen legitim hält. «Jedes Land hat das Recht, sich zu verteidigen. Auch die Ukraine», sagte er. Russland ist vor mehr als zehn Monaten in sein Nachbarland Ukraine einmarschiert.

+++ Ukraine will Luftabwehr ausbauen +++

Als Reaktion auf immer neue russische Raketenangriffe auf ukrainische Städte hat Präsident Wolodymyr Selenskyj einen weiteren Ausbau der Luftabwehr angekündigt. «Im neuen Jahr wird die ukrainische Luftverteidigung noch stärker, noch effektiver», sagte Selenskyj am Freitagabend in seiner täglichen Videoansprache. Die Luftabwehr der Ukraine könne die stärkste in ganz Europa werden, ergänzte er mit Blick auf die angekündigte Patriot-Batterie aus den USA. «Dies wird eine Sicherheitsgarantie nicht nur für unser Land, sondern für den gesamten Kontinent sein.»

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Die Luftabwehr der ukrainischen Streitkräfte hat in den vergangenen Wochen bei russischen Großangriffen mit Marschflugkörpern, Raketen und sogenannten Kamikaze-Drohnen relativ hohe Abschusszahlen erreicht. Angesichts der Masse der einfliegenden Projektile konnten nicht alle Raketen abgewehrt werden. Die ukrainische Armee, die bereits eine Reihe ausländischer Flugabwehrsysteme nutzt, wartet auf den Einsatz der von der US-Regierung versprochenen Patriot-Batterie. Gegenwärtig werden ukrainische Soldaten an dem System ausgebildet.

Die russische Armee greift seit Oktober gezielt das ukrainische Energienetz an und sorgt mit massiven Schäden für lange Ausfallzeiten in der Strom- und Wasserversorgung. Ziel ist, die Bevölkerung im Winter zu zermürben und den Druck auf die ukrainische Staatsführung zu erhöhen.

+++ Kiew seit Kriegsbeginn fast 29 Tage im Alarmzustand +++

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine am 24. Februar haben in der Hauptstadt Kiew die Alarmsirenen rund 640 Mal geheult. Insgesamt habe seit Ende Februar damit knapp 700 Stunden lang Alarmzustand geherrscht, teilte Kiews Militär-Verwaltungschef Serhij Popko am Freitag mit. «Das sind praktisch 29 Tage, fast ein ganzer Kalendermonat, den die Bürger der Stadt in Schutzräumen und Bunkern verbracht haben.» Insgesamt habe die Hauptstadt 52 Luftangriffe erlebt, bei denen 120 Menschen ums Leben gekommen seien, unter ihnen fünf Kinder. 495 Menschen seien bei den Angriffen mit Raketen und Marschflugkörpern verletzt worden.

Durch die Angriffe seien über 600 Gebäude beschädigt worden, sagte Popko weiter. Die kritische Infrastruktur der Hauptstadt sei erheblich beschädigt worden. Die Angaben zur Zahl der Opfer und beschädigten Gebäude ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

+++ Kiew: Russlands Armee braucht fünf Jahre zum Wiederaufbau +++

Die russische Armee hat angesichts ihrer Verluste in der Ukraine nach Meinung des ukrainischen Verteidigungsministers Olexij Resnikow auf Jahre hinaus empfindlich an Schlagkraft eingebüßt. Mindestens fünf Jahre würden die russischen Streitkräfte für den Wiederaufbau brauchen. «Nach Erkenntnissen der Nato-Aufklärung haben die Russen gewaltige Verluste an Panzern, Artillerie, Schützenpanzern und Soldaten», wurde Resnikow von der Zeitung «Ukrajinska Prawda» zitiert.

«Die regulären Streitkräfte der Russischen Föderation könnten frühestens in fünf Jahren wiederhergestellt werden, vielleicht auch erst in zehn Jahren», sagte der Minister. Das gelte auch für Russlands Raketen-Potenzial. Schließlich sei dies ein Krieg der Ressourcen. «Und sie (die Nato) kann diese Ressourcen berechnen.»

+++ Saluschnyj: Gott ist auf unserer Seite +++

Der ukrainische Armeechef Walerij Saluschnyj sprach seinen Soldaten in einer Videobotschaft zum Jahreswechsel und zum bevorstehenden orthodoxen Weihnachtsfest Mut zu. «Wir haben den Krieg nicht gewollt, haben aber den Kampf angenommen», sagte er. «Und Gott ist auf unserer Seite.» Zwar habe dieses Weihnachtsfest «den Geschmack von Tränen und die Farbe von Blut», doch habe das Land die Kraft, den Feind abzuwehren, sagte Saluschnyj. «Möge unser Sieg den Beginn des Aufblühens der Ukraine und das Ende Russlands bedeuten.»

+++ Tausende wollten sich dem Wehrdienst entziehen +++

Seit Beginn der russischen Invasion und Ausrufung des Kriegszustands in der Ukraine haben nach Militärangaben mehrere Tausend junge Ukrainer versucht, sich dem Wehrdienst zu entziehen. Wie die ukrainischen Grenztruppen am Freitag mitteilten, wurden knapp 12 000 Männer bei dem Versuch gefasst, die Landesgrenze illegal gen Westen zu überqueren. Bei der Grenzüberquerung seien auch 15 Männer ums Leben gekommen.

Auch in Russland versuchten Tausende junge Männer, sich dem Wehrdienst zu entziehen. Unmittelbar nach der Teilmobilmachung im September flohen Tausende ins Ausland, in einigen ehemaligen Sowjetrepubliken entstanden regelrechte kleine russische Kolonien.