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Ultimativer Gipfelstürmer: Der Porsche 911 Altitude

Berlin (dpa/tmn) - Er ist voller Dreck, hat tiefe Kratzer und an einigen Stellen ist ganz schön der Lack ab. Doch während sie ihre Autos sonst gerne blitzblank präsentieren bei Porsche, trägt dieser 911 seine Schmutzschicht voller Stolz und hat absolutes Waschverbot.

Schließlich stammt der Dreck nicht von irgendwo, sondern vom Gipfel des Westkamms des Ojos Del Salado. Als höchster aktiver Vulkan der Welt liegt er am Rande der chilenischen Atacama-Wüste und hat für Extrem-Autofahrer die gleiche Anziehungskraft wie der Mount Everest für Bergsteiger.

Immer wieder kämpfen sich Expeditionen über seine Gletscher und Geröllfeldern in Höhen, in denen es keine Wege mehr gibt und erst recht keine Straßen. Auch das Atmen fällt in der großen Höhe schwer.

Und ausgerechnet ein Porsche 911 hat es nun auf den Gipfel geschafft. Bis auf 6734 Meter über dem Meeresspiegel kraxelte der 911 Altitude (Englisch für «Höhe») den Westkamm des Vulkans hinauf. Ein Höhenrekord für Kraftfahrzeuge.

Einzelstück mit Expeditionsausstattung

Aber Edith, wie die Entwickler den Gipfelstürmer getauft haben, ist freilich auch kein normaler 911. Mit dem Projekt wollten die Schwaben - von Corona ein wenig in der Terminplanung gebeutelt - ursprünglich gebührend den 30. Jahrestag des Allradantriebs im 911 feiern.

Und wie ihr etwas älteres Schwesterauto Doris von einem vorangegangenem Versuch, basiert auch Edith auf einem aktuellen 911 4S mit Allradantrieb. Und der drei Liter große Boxermotor mit 450 PS blieb wie die Siebengang-Handschaltung unverändert.

Doch haben die Ingenieure so ziemlich alles andere an diesem Auto expeditionstauglich umgerüstet. Dabei waren der schraubstockgleiche Schalensitz mitsamt Hosenträgergurt und Überrollkäfig in der ansonsten komplett ausgeräumten, dafür aber mit Technik vollgestopften Kabine oder die Leichtbau-Karosserie aus den GT-Rennwagen noch ihre leichteste Übung.

Mit Ballonreifen und Portalachsen

Die wichtigste und zugleich auffälligste Änderung gilt dem Fahrwerk. Wo sich der Sportwagen sonst möglichst tief auf den Boden duckt, steht Edith wie auf Stelzen und krallt sich mit den groben Stollen ihrer 34 Zoll großen Ballonreifen in den Dreck.

Möglich machen das so genannte Portalachsen, wie man sie sonst vor allem aus Geländewagen wie dem Unimog kennt. Über ein Zwischengetriebe auf der Radnabe wird die Karosserie damit um mehr als 20 Zentimeter angehoben, so dass Edith mit ihren nun 35 Zentimeter mehr Bodenfreiheit bekommt als jeder Porsche Cayenne.

Und zugleich wird die Motorkraft damit viermal untersetzt. Das heißt, der Elfer beschleunigt zwar deutlich langsamer und dreht entsprechend höher, so dass man viel früher schalten muss. Außerdem erreicht er maximal kaum mehr als 80 km/h und wird so zum offiziell langsamsten Werkswagen seit dem Produktionsende der Porsche-Traktoren.

Aber dafür verbeißt er sich umso kräftiger in den Boden und hat einen umso stärkeren Antritt. Kein Wunder also, dass der Dreck beim Beschleunigen oft meterweit spritzt. Und wenn Edith tatsächlich mal stecken bleiben sollte, hat sie ja eine Seilwinde, mit der sie sich selbst aus jedem Schlamassel ziehen kann.

Im Schraubstock beim Zahnarzt

Zwar kann man kaum ermessen, was der französische Rennfahrer Romain Dumas am Steuer in jenen zehn Stunden erlebt hat, als er vom Basislager auf etwa 5800 Metern am 2. Dezember 2023 die letzten 40 Kilometer hinauf zum Gipfel gefahren ist. Doch bei einer exklusiven Testfahrt auf der Rückreise aus Chile bekommt man zumindest ein bisschen ein Gefühl für diesen Elfer der Extreme.

Die Hitze und die Enge im Cockpit sind zu spüren. Man hört den Lärm des ungedämmten Motors von engen Schluchten widerhallen, während drinnen das Fahrwerk knirscht und knarzt wie ein Dachstuhl im Sturm. So ähnlich klingt sonst nur die Wurzelbehandlung beim Zahnarzt.

Zwar krümmt sich der Fahrer dabei förmlich vor Phantomschmerzen, wenn sich der Sportwagen verwindet als wolle er sich fürs Yoga dehnen, wenn er in die knietiefen Löcher auf der Strecke fällt oder über fußballgroße Felsbrocken rumpelt.

Doch Edith lässt sich von solchen Widrigkeiten nicht bremsen: Der Berg ruft, und der Bolide kennt kein Halten mehr. Mal mit durchdrehenden Rädern und mal mit schlingerndem Heck, aber immer unbeirrt stürmt sie über Stock und Stein dem Gipfel entgegen.

Fazit: Eine museums-reife Leistung

Anders als der von den Safari-Rallyes in den 1980er Jahren inspirierte 911 Dakar bleiben Edith und ihre große Schwester Doris zwar definitiv alleine. Und bis auf den Einsatz der nachhaltig produzierten E-Fuels aus Porsches Pilotanlage in Patagonien hält sich der Erkenntnisgewinn ihrer Expedition für die Serienentwicklung in engen Grenzen. Doch gehört die Gier nach Rekorden zu den Genen eines Sportwagenherstellers.

Und es ist schönes Zeichen, dass selbst in derart fordernden Zeiten, mitten im Umbruch der Autoindustrie noch genügend Raum bleibt, nach solchen Rekorden zu jagen. Damit hat Edith buchstäblich eine reife Leistung erzielt - und sich ihren Platz im Museum redlich verdient. Selbst wenn sie wohl das einzige Exponat sein dürfte, das vorher weder gewaschen noch poliert wird.

Datenblatt: Porsche 911 Altitude «Edith»

Motor und Antrieb:

Sechszylinder-Boxermotor

Hubraum:

2981 ccm

Max. Leistung:

331 kW/450 PS

Max. Drehmoment:

530 Nm

Antrieb:

Allradantrieb

Getriebe:

Siebengang-Schaltgetriebe

Maße und Gewichte

Länge:

4497 mm

Breite:

2007 mm

Höhe:

1626 mm

Radstand:

2562 mm

Leergewicht:

2110 kg

Zuladung:

k.A.

Kofferraumvolumen:

0 Liter

Fahrdaten:

Höchstgeschwindigkeit:

circa 80 km/h

Beschleunigung 0-100 km/h:

k.A.

Durchschnittsverbrauch:

k.A.

CO2-Emission:

k.A.

Kraftstoff (Serie):

Super Plus

Wichtige Ausstattung:

Sicherheit:

Portalachsen, Seilwinde, Überrollkäfig