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Als US-Faschisten den Umsturz planten: Das sind die Kino-Highlights der Woche

Der historische Krimi "Amsterdam" erzählt von einem geplanten Coup der 1930-er, der die USA in eine Diktatur verwandeln sollte. In den Hauptrollen, von links: Christian Bale, Margot Robbie und John David Washington. (Bild: 20th Century Studios)
Der historische Krimi "Amsterdam" erzählt von einem geplanten Coup der 1930-er, der die USA in eine Diktatur verwandeln sollte. In den Hauptrollen, von links: Christian Bale, Margot Robbie und John David Washington. (Bild: 20th Century Studios)

"Wir sind dann wohl die Angehörigen", "Hui Buh und das Hexenschloss" und "Amsterdam", ein mit vielen Stars gespickter Krimi, der von düsteren Umsturz-Plänen im Amerika der 1930-er erzählt: Das sind die Kino-Neustarts am 3. November.

Ob der Versuch eines Umsturzes wirklich kurz bevorstand, konnte nie abschließend geklärt werden, aber dass da etwas im Gange war, ist unstrittig - hinterher kam es sogar zu offiziellen Anhörungen im Repräsentantenhaus. In den frühen 1930-ern sollen ein paar schwerreiche Geschäftsleute in den USA geplant haben, Präsident Franklin D. Roosevelt zu stürzen, um eine faschistische neue Regierung aufzubauen - eine Diktatur statt einer Demokratie. Es ist nie so weit gekommen, und doch taten sich hier erschreckende Abgründe auf. Knapp 100 Jahre später wurde die Geschichte um den sogenannte "Business Plot" nun mit großen Ambitionen und großem Budget (etwa 80 Millionen US-Dollar) verfilmt. Der etwas irreführende Titel des historischen Krimis: "Amsterdam".

Was das Kino-Publikum in dieser Woche außerdem erwartet: In "Wir sind dann wohl die Angehörigen" wird die Reemtsma-Entführung von 1996 aus der Sicht seines damals 13-jährigen Sohnes erzählt, und mit "Hui Buh und das Hexenschloss" feiert das von "Bully" Herbig synchronisierte Schlossgespenst sein Kino-Comeback.

"Amsterdam" ist bis in die kleinsten Nebenrollen mit Stars gespickt, unter anderem sind auch Rami Malek ("Mr. Robot", "Bohemian Rhapsody") und Anya Taylor-Joy (Mitte, "Das Damengambit") dabei. (Bild: 20th Century Studios)
"Amsterdam" ist bis in die kleinsten Nebenrollen mit Stars gespickt, unter anderem sind auch Rami Malek ("Mr. Robot", "Bohemian Rhapsody") und Anya Taylor-Joy (Mitte, "Das Damengambit") dabei. (Bild: 20th Century Studios)

Amsterdam

So ein Film, knapp zwei Jahre nach dem Sturm auf das Kapitol, das hat für sich natürlich schon eine gewisse Brisanz. Und die Erwartungen im Vorfeld waren groß, alleine schon deshalb, weil "Amsterdam" der erste Film von David O. Russell seit 2015 ("Liebe ohne Krankenschein") ist. Russell wurde mit "The Fighter", "Silver Linings" und "American Hustle" insgesamt schon fünfmal für einen Oscar nominiert, und obwohl er bislang ohne Academy-Auszeichnung blieb, gilt der Regisseur und Drehbuchautor als einer der fähigsten Filmemacher, die Hollywood derzeit zu bieten hat.

Die Erwartungen waren aber auch deshalb so enorm groß, weil dieser Film bis in die kleinsten Nebenrollen mit Superstars besetzt ist. Christian Bale, Margot Robbie und John David Washington spielen die drei Hauptrollen. Auf der Besetzungsliste stehen daneben außerdem Anya Taylor-Joy, Chris Rock, Zoe Saldana, Mike Myers, Timothy Olyphant, Rami Malek, Pop-Queen Taylor Swift und, mehr geht dann kaum noch, auch Robert De Niro - er spielt Gil Dillenbeck, eine Figur, die an Generalmajor Smedley Butler angelehnt ist, einen der höchstdekorierten Militärs der US-Geschichte.

"An die Figur angelehnt" deshalb, weil David O. Russell die Ereignisse nicht mit dem Anspruch nacherzählt, zu hundert Prozent historisch akkurat zu sein. Das ginge wohl auch gar nicht bei diesem vermeintlichen Beinahe-Coup, dessen Hintergründe nie vollständig ausgeleuchtet werden konnten. Es ist also eine Mischung aus Fakten und Fiktion, umgesetzt mit viel Drama, aber auch mit einem gewissen sehr schrägen Witz.

Und die Version, wie Russell sie erzählt, geht so: Burt Berendsen (Bale), Harold Woodman (Washington) und die Krankenschwester Valerie Voze (Robbie) lernen sich im Ersten Weltkrieg in einem europäischen Lazarett kennen, freunden sich an, verbringen dann gemeinsam einige Zeit in Amsterdam (daher auch der Filmtitel). Einige Jahre später, 1933, ermitteln der Arzt Berendsen und der Anwalt Woodman schließlich gemeinsam in einem mysteriösen Todesfall. Das Opfer, ein Armeegeneral, wurde ermordet, wie sich herausstellt, und je weiter Berendsen und Woodman der Sache nachgehen, desto tiefer tauchen sie ein in eine Verschwörungsgeschichte, an deren Ende eine neue Ordnung stehen soll.

Der Vater wurde entführt, der Sohn (Claude Heinrich) und die Ehefrau (Adina Vetter) bleiben verzweifelt zurück: "Wir sind dann wohl die Angehörigen" erzählt die Geschichte der Reemtsma-Entführung aus Sicht der Familie. (Bild: Pandora Film)
Der Vater wurde entführt, der Sohn (Claude Heinrich) und die Ehefrau (Adina Vetter) bleiben verzweifelt zurück: "Wir sind dann wohl die Angehörigen" erzählt die Geschichte der Reemtsma-Entführung aus Sicht der Familie. (Bild: Pandora Film)

Wir sind dann wohl die Angehörigen

Als die Öffentlichkeit davon erfuhr, war alles schon vorbei. Im März 1996 entführten zwei Männer den Hamburger Mäzen Jan Philipp Reemtsma, für die Freilassung forderten sie ein Lösegeld von zunächst 20 Millionen D-Mark. Mit den Medien wurde seinerzeit eine Nachrichtensperre bis zur erhofften Freilassung vereinbart. Doch mehrere Geldübergaben scheiterten. Dann, nach 33 Tagen, war es endlich vorbei - Reemtsma kam frei, seine Entführer wenig später in Haft.

Es ist gut ausgegangen, könnte man sagen, aber natürlich hinterließ die Sache Spuren. Reemtsma selbst erzählte seine Geschichte bereits 1997 in seinem Buch "Im Keller". 2018 lieferte dann sein Sohn Johann Scheerer eine ganz neue Perspektive: "Wir sind dann wohl die Angehörigen". Basierend auf Scheerers autobiografischem Roman hat der Regisseur Hans-Christian Schmid ("Crazy", "Requiem") nun einen gleichnamigen Film gedreht.

Einer der spektakulärsten Entführungsfälle der deutschen Geschichte, erzählt aus der Sicht eines 13-Jährigen. "Ich hab' vorher nicht gewusst, was Angst ist. Und was sie mit einem macht. Vorher hab' ich gedacht: Ihr seid ja sowieso da, und ihr passt auf mich auf." Aber mit der Entführung seines Vaters ist für den jungen Johann (Claude Heinrich) von einer Sekunde auf die andere nichts mehr selbstverständlich. "Angehörigen-Betreuer" kommen ins Haus, ständig klingelt das Telefon, die ganze Welt steht Kopf - und irgendwo dazwischen die verzweifelte Mutter Ann Kathrin Scheerer (Adina Vetter). Als die Polizei auf ihrem Weg nicht weiterkommt und die Sache im Fiasko zu enden droht, nimmt Mama die Dinge selbst in die Hand. Eine eigentlich unglaubliche Geschichte, auch und vor allem in dieser Fassung.

Gescheiterte Geldübergaben, überforderte Polizisten, eine Familie am Abgrund: "Wir sind dann wohl die Angehörigen" basiert auf dem gleichnamigen autobiografischen Roman von Jan Philipp Reemtsmas Sohn Johann Scheerer. (Bild: Pandora Film)
Gescheiterte Geldübergaben, überforderte Polizisten, eine Familie am Abgrund: "Wir sind dann wohl die Angehörigen" basiert auf dem gleichnamigen autobiografischen Roman von Jan Philipp Reemtsmas Sohn Johann Scheerer. (Bild: Pandora Film)

Hui Buh und das Hexenschloss

"Manche Leute sagen, es gibt Gespenster. Manche Leute sagen, es gibt keine Gespenster. Ich aber sage, Hui Buh ist ein Gespenst" - so geht sie, die klassische Einleitung der "Hui Buh"-Hörspiele, die schon so viele Kinder zum lustigen Spuk-Spaß einlud. Und ein Gespenst, so viel ist sicher, ist dieser Hui Buh auf jeden Fall. Nur leider ist er eben nicht so gruselig, wie er gerne wäre. Die Hörspielreihe von Eberhard Alexander-Burgh ist bis heute ein großer Renner in den Kinderzimmern, auch einen prominent besetzten Kinofilm gab es schon. Jetzt, 16 Jahre nach "Hui Buh - Das Schlossgespenst", kommt der zweite: "Hui Buh und das Hexenschloss".

Wirklich gealtert ist der titelgebende Geist in der Zwischenzeit natürlich nicht, eigentlich sieht er sogar besser aus denn je - moderne Animations-Technik sei Dank. Michael "Bully" Herbig leiht Hui Buh, der nach seinem Vorbild gestaltet wurde, erneut seine Stimme. Auch Christoph Maria Herbst (ein bisschen gealtert vielleicht, da kann CGI nichts machen) ist als König Julius wieder dabei, außerdem Herbigs alter "Bullyparade"-Kumpel Rick Kavanian als Sidekick Charles. Die bewährten lustigen Quatschonkels also, die sicher auch wieder ein paar Mamas und Papas mit ins Kino locken werden. Regie führte wie schon 2006 Sebastian Niemann, der für das Drehbuch erneut mit Dirk Ahner zusammenarbeitete.

Und was haben sich Niemann und Ahner diesmal für Hui Buh ausgedacht? Die Geschichte baut natürlich auf vielem auf, was die Kids bereits aus den Hörspielen kennen, im Mittelpunkt steht diesmal aber der Streit um ein sagenumwobenes und sehr gefährliches Zauberbuch: das Necronomicon! Eines Tages taucht Junghexe Ophelia (Nelly Hoffmann) ganz verzweifelt vor den Toren von Schloss Burgeck auf - mit dem besagten Buch im Gepäck und einer sehr viel hässlicheren und gemeineren anderen Hexe im Nacken. Die böse Erla (Charlotte Schwab) will das Necronomicon an sich reißen, koste es, was es wolle. Und so beginnt es, das zweite große Kino-Abenteuer von Hui Buh ...

Mit "Hui Buh und das Hexenschloss" kehrt das beliebte Schreckgespenst auf die Kino-Leinwand zurück, neben Michael "Bully" Herbig als Hui-Buh-Stimme ist auch Christoph Maria Herbst (links) wieder dabei. (Bild: 2022 Rat Pack Filmproduktion/Warner Bros. Entertainment)
Mit "Hui Buh und das Hexenschloss" kehrt das beliebte Schreckgespenst auf die Kino-Leinwand zurück, neben Michael "Bully" Herbig als Hui-Buh-Stimme ist auch Christoph Maria Herbst (links) wieder dabei. (Bild: 2022 Rat Pack Filmproduktion/Warner Bros. Entertainment)