US-Wahl 2020: Die wichtigsten Infos zum Duell Trump gegen Biden

Yahoo Redaktion
·Lesedauer: 23 Min.

Kaum eine US-Wahl wurde weltweit so gespannt erwartet wie diese, nach tagelangem Bangen ist mittlerweile klar: Herausforderer Joe Biden hat gewonnen. Wie wird das Wahlergebnis vom gespaltenen Land, der Weltpolitik und dem unterlegenen Amtsinhaber Donald Trump aufgenommen?

US-Wahl 2020: Die wichtigsten Infos zum Duell Trump gegen Biden. (Symbolbild: Getty)
US-Wahl 2020: Die wichtigsten Infos zum Duell Trump gegen Biden. (Symbolbild: Getty)

+++ Der Live-Blog zur US-Wahl ist hiermit beendet, aktuelle Infos rund um den Wahlausgang finden Sie unter diesem Link +++

Gorbatschow sieht unter Biden Chancen für atomaren Abrüstungsvertrag

Der Sieg von Joe Biden bei der US-Präsidentenwahl ermöglicht aus Sicht von Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow die Rettung des letzten großen Abrüstungsvertrags zwischen Moskau und Washington. Biden sei ein aufrichtiger Mensch, der einen vernünftigen Weg gehe, sagte der frühere sowjetische Präsident der Agentur Interfax zufolge am Sonntag. "Jetzt wird es leichter", sagte der 89-Jährige angesichts der bisher kaum erfolgreichen Versuche, den New-Start-Vertrag zur Begrenzung von Atomwaffen zu verlängern.

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Pandemie, Wirtschaft, Umwelt: Was von Biden zu erwarten ist

Joe Biden trat mit dem Versprechen an, als US-Präsident die Politik von Donald Trump in vielen Bereichen umzukehren. Darüber hinaus will er auch eigene Akzente unter anderem bei der Klimapolitik setzen. Ein Überblick:

Im Wahlkampf hat Biden dem Präsidenten Versagen und Untätigkeit im Kampf gegen die Pandemie vorgeworfen. Von Januar an wird er voraussichtlich beweisen müssen, dass er es besser kann - vermutlich aus einer schwierigen Situation heraus. In der Woche der Präsidentenwahl erreichte die Zahl der täglichen Neuinfektionen Rekordstände von mehr als 120.000.

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Kreml-Kritiker Nawalny gratuliert Biden zum Wahlsieg

Der russische Oppositionelle Alexej Nawalny hat Joe Biden zu seinem Sieg bei der US-Präsidentschaftswahl gratuliert - der Kreml aber schwieg am Sonntag weiterhin zum US-Wahlausgang. Nawalny beglückwünschte Biden und die US-Bürger im Kurzbotschaftendienst Twitter. Die Amerikaner hätten "in freien und fairen Wahlen eine neue Führung gewählt" - "ein Privileg, das nicht jedem Land gegeben ist", fügte Nawalny hinzu, der sich nach einem Giftanschlag auf ihn im Wahlkampf in Russland in Deutschland erholt.

Der russische Präsident Wladimir Putin reagierte bis Sonntagnachmittag noch nicht auf den Wahlsieg von Biden und dessen künftiger Vize-Präsidentin Kamala Harris. Im Wahlkampf hatte ihn Biden einen "Autokraten" genannt. Russland wird vorgeworfen, 2016 zugunsten von Donald Trump die US-Wahlen manipuliert zu haben.

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Bundesregierung bietet Biden Zusammenarbeit an

Nach der Niederlage von Präsident Donald Trump bei der Wahl in den USA strebt die Bundesregierung bessere Beziehungen nach Jahren der Entfremdung an. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gratulierte dem Demokraten Joe Biden am Wochenende demonstrativ herzlich zum Sieg und bot eine enge Zusammenarbeit an: "Unsere transatlantische Freundschaft ist unersetzlich", schrieb sie auf Twitter. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sieht unter einem Präsidenten Biden die Chance auf einen "transatlantischen Neuanfang".

Die ersten Reaktionen in Berlin waren von Freude über Bidens Sieg geprägt - und von kaum kaschierter Erleichterung über das absehbare Ende von Trumps Präsidentschaft. "Die Art und Weise, wie Donald Trump regiert hat und auch wie er international agiert hat, hat uns große Probleme bereitet", sagte Maas der "Bild"-Zeitung. Es gebe "einiges wieder ins Lot zu bringen im transatlantischen Verhältnis, und ich bin mir sicher, dass das mit Joe Biden gut gelingen wird".

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Kamala Harris – für viele ist sie die eigentliche Hoffnungsträgerin

Bei der Wahl in den USA ist etwas Wegweisendes passiert, machte Kamala Harris in ihrer Siegesrede deutlich. «Auch wenn ich die erste Frau in diesem Amt sein mag, werde ich nicht die letzte sein», sagte Harris am Samstag.

WILMINGTON, DE - NOVEMBER 7:   Vice President-elect Kamala D. Harris addresses supporters at party headquarters at the Chase Center on November 7, 2020 in Wilmington, Delaware. (Photo by Toni L. Sandys/The Washington Post via Getty Images)
Die neue Vizepräsidentin Kamala Harris. (Bild: Getty Images)

«Denn jedes kleine Mädchen, das heute Nacht zuschaut, sieht, dass dies ein Land der Möglichkeiten ist.» Harris ist als erste Frau, erste Schwarze und erste Amerikanerin mit indischen Wurzeln in das Amt des US-Vizepräsidenten gewählt worden - und geht damit für viele als eigentliche Hoffnungsträgerin aus der US-Präsidentenwahl hervor.

Harris wurde am 20. Oktober 1964 in Oakland in Kalifornien geboren, wo sie in einer afroamerikanischen Community aufwuchs. Ihr Vater war aus Jamaika in die USA eingewandert, um Wirtschaft zu studieren. Ihre Mutter - eine Krebsforscherin und Bürgerrechtlerin - kam aus Indien.

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Erste Rede nach dem Sieg: Biden will das Land einen und Pandemie stoppen

Der gewählte US-Präsident Joe Biden will auf die Anhänger des unterlegenen Amtsinhabers Donald Trump zugehen und sich entschlossen für die Eindämmung der Coronavirus-Pandemie einsetzen.

«Ich verspreche, ein Präsident zu sein, der danach strebt, nicht zu spalten, sondern zu einen», sagte Biden am Samstagabend (Ortszeit) in seiner Siegesrede in seinem Wohnort Wilmington im Bundesstaat Delaware. Trumps Anhänger bat er, ihm eine Chance zu geben, um gemeinsam für ein besseres Amerika zu arbeiten.

Er sei als Demokrat gewählt worden, aber er werde der Präsident des ganzen Landes sein und «genauso hart für alle arbeiten, die mich nicht gewählt haben», versprach Biden (77). «Es ist Zeit, die harsche Rhetorik beiseite zu legen», forderte Biden. «Geben wir uns gegenseitig eine Chance», sagte er. «Lasst uns diese düstere Ära der Dämonisierung hier und jetzt zu Ende gehen lassen», sagte Biden. Seine Aussagen ließen sich als deutliche Kritik an Trumps aggressivem Stil verstehen - obwohl Biden sich nicht direkt zu dem Republikaner äußerte. Der Demokrat Biden war am Samstag von US-Medien im Rennen um das Weiße Haus zum Gewinner ausgerufen worden.

WILMINGTON, DELAWARE - NOVEMBER 07:  President-elect Joe Biden addresses the nation from the Chase Center November 07, 2020 in Wilmington, Delaware. After four days of counting the high volume of mail-in ballots in key battleground states due to the coronavirus pandemic, the race was called for Biden after a contentious election battle against incumbent Republican President Donald Trump. (Photo by Andrew Harnik-Pool/Getty Images)
Joe Biden in seiner ersten Rede an die Nation nach seinem Wahlsieg (Bild: Andrew Harnik-Pool/Getty Images)

Seine Regierung werde die «Seele Amerikas» wiederherstellen und die USA wieder zu einem weltweit respektierten Land machen, versprach Biden. Zudem kündigte er an, schon am Montag einen Expertenrat zur Eindämmung der Corona-Pandemie vorstellen zu wollen. Er werde im Kampf gegen das Virus keine Mühe scheuen. Die «führenden Wissenschaftler und Experten» würden ihm helfen, einen «Aktionsplan» zu entwickeln, der schon ab dem Tag seiner Amtseinführung am 20. Januar umgesetzt werden könne, sagte Biden. Mit der Ankündigung in seiner Siegesrede, die sonst eher allgemein blieb, unterstrich Biden die Bedeutung des Kampfes gegen die Pandemie für seine Amtszeit.

Die gewählte Vizepräsidentin Kamala Harris sprach in ihrer Siegesrede von einer Zeitenwende. «Als unsere Demokratie selbst auf dem Wahlzettel stand, die Seele Amerikas auf dem Spiel stand und die Welt zuschaute, habt ihr einen neuen Tag für Amerika eingeläutet», sagte Harris. Die Amerikaner hätten sich mit der Wahl Bidens für Hoffnung, Einheit, Wissenschaft und Wahrheit entschieden, sagte Harris. Die 56-Jährige würde die erste Frau und Schwarze im Vizepräsidentenamt. Harris sagte: «Auch wenn ich die erste Frau in diesem Amt sein mag, werde ich nicht die letzte sein. Denn jedes kleine Mädchen, das heute Nacht zuschaut, sieht, dass dies ein Land der Möglichkeiten ist.»

Trump-Wahlkampfteam sammelt nach Niederlage weiter Spenden

Trotz der Wahlniederlage von US-Präsident Donald Trump ruft das Wahlkampfteam des Republikaners Anhänger weiter zu Spenden für Prozesse gegen die Ergebnisse auf. Aus dem Kleingedruckten der Spendenaufrufe geht allerdings hervor, dass mit den Geldern auch Wahlkampfschulden abbezahlt werden sollen. In einer E-Mail des Wahlkampfteams vom Samstagnachmittag hieß es: "Der eklatante Wahlbetrug in korrupten, von Demokraten regierten Städten ist beispiellos. Die Linke hat bewiesen, dass es nichts gibt, was sie nicht tun würde, um dem amerikanischen Volk die Macht zu entreißen."

Weiter steht in der im Namen von Donald Trump verschickten Mail: "Wenn sie hinter mir her sind, sind sie in Wirklichkeit hinter Euch her und allem, wofür Ihr steht. Diese Wahl ist noch nicht vorbei. Wir haben noch einen langen Weg vor uns, und ich muss wissen, dass ich auf Dich zählen kann." Beim Klick auf einen Link in der Mail wird der Nutzer auf eine Internetseite geleitet, auf der es heißt, Trump stelle eine "Task Force" zur Verteidigung der Wahl zusammen.

Auf der Seite werden Spenden zwischen 5 Dollar (4,21 Euro) und 2800 Dollar vorgeschlagen, oder aber ein frei wählbarer Betrag. Wer nach unten scrollt, findet dort im Kleingedruckten die Information, dass 60 Prozent der Beiträge auf ein Konto fließen, mit dem Wahlkampfschulden abbezahlt werden. Trump hat bei der Wahl Betrug bemängelt, wofür es bislang keine Belege gibt. Er hat angekündigt, juristisch gegen Bidens Wahlsieg vorzugehen.

So stehen Trumps Chancen, die Wahl anzufechten

Joe Biden: “Geehrt und demütig” über Wahl zum US-Präsidenten

Joe Biden hat «geehrt und demütig» auf seine Wahl zum US-Präsidenten reagiert. «Nach Abschluss des Wahlkampfes ist es an der Zeit, die Wut und die harte Rhetorik hinter uns zu lassen und als Nation zusammenzukommen», teilte der 77-jährige Demokrat am Samstag mit. Zuvor hatten die Nachrichtenagentur AP und mehrere US-Sender seinen Sieg über Amtsinhaber Donald Trump ausgerufen.

Reaktionen auf den Sieg Bidens:

Viele gratulieren Biden und Harris als Team - auch Merkel

Viele internationale Gratulanten haben am Wochenende ihre Glückwünsche ausdrücklich an den gewählten US-Präsidenten Joe Biden und die mit ihm gewählte Vizepräsidentin Kamala Harris als Team gerichtet. So auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): «Ich wünsche ihm von Herzen Glück und Erfolg und gratuliere ebenso Kamala Harris, der gewählten ersten Vizepräsidentin ihres Landes», schrieb sie am Samstag.

Selbstverständlich ist das nicht. 2016 richtete Merkel ihr Glückwunschschreiben nur an Trump und nicht an seinen Vizepräsidenten Mike Pence. «Für die vor Ihnen liegenden Jahre an der Spitze Ihres Landes wünsche ich Ihnen eine glückliche Hand, Erfolg und Gottes Segen», schrieb sie damals an Trump.

Harris ist die erste Frau, die zur Stellvertreterin eines US-Präsidenten gewählt wurde. Merkel war 2005 die erste Frau, die Chefin einer Bundesregierung wurde.

Niederländischer Premier Rutte gratuliert Biden

Der niederländische Premier Mark Rutte hat Joe Biden zur Wahl zum US-Präsidenten und Kamala Harris zur Vize-Präsidentin gratuliert. «Im Namen des Kabinetts gratuliere ich Joe Biden und Kamala Harris herzlich zu ihrem Sieg bei der spannenenden amerikanischen Präsidentschaftswahl», erklärte Rutte am Samstagabend über Twitter. «Ich freue mich darauf, die gute Beziehung zwischen unseren Ländern fortzusetzen und hoffe ihn schnell persönlich zu sprechen».

Bulgariens Regierungschef gratuliert Biden und Harris

Bulgariens bürgerlicher Regierungschef Boiko Borissow hat Joe Biden und seiner Stellvertreterin Kamala Harris nach deren Sieg bei der Präsidentschaftswahl in den USA gratuliert. «Ich möchte die Entschlossenheit der bulgarischen Regierung bestätigen, zur Vertiefung der Partnerschaft mit den USA und zur Stärkung der transatlantischen Zusammenarbeit zu arbeiten», schrieb Borissow auf Facebook.

Die Regierung des südöstlichen EU-Landes, das auch Nato-Mitglied ist, setzt auf eine «strategische Partnerschaft» mit den USA. So werden zusammen mit den USA in dem Balkanland Militärstützpunkte betrieben, wo regelmäßig auch US-Truppen trainieren. Bulgariens Staatsbürger brauchen allerdings noch immer ein Visum für Reisen in die USA.

Palästinenserpräsident Abbas gratuliert Biden und Harris

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat Joe Biden und seiner Stellvertreterin Kamala Harris zum Sieg bei der US-Präsidentschaftswahl gratuliert. Er freue sich auf eine Zusammenarbeit mit Biden und seiner Regierung, «um die palästinensisch-amerikanischen Beziehungen zu verbessern und Freiheit, Unabhängigkeit, Gerechtigkeit und Würde für unser Volk zu erzielen», sagte Abbas am Sonntag nach Angaben der offiziellen palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa. Er erhoffe sich von einer Zusammenarbeit mit Biden auch «Frieden, Stabilität und Sicherheit für alle in unserer Region und auf der Welt».

Aus Verärgerung über pro-israelische Schritte des Amtsinhabers Donald Trump hatten die Palästinenser die USA in den letzten Jahren boykottiert und nicht mehr als faire Vermittler im Konflikt mit Israel angesehen.

Vizekanzler Scholz hält US-Wahlausgang für Warnung an Deutschland

Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) sieht in der von Manipulationsvorwürfen durch US-Präsident Donald Trump überschatteten Stimmauszählung bei der Präsidentschaftswahl auch eine Warnung an Deutschland. Die Auszählung der Stimmen in den USA war nicht nur ein tagelanger Polit-Krimi, sondern er ist auch eine eindringliche Warnung. Eine Warnung auch an uns in Deutschland, wohin es führen kann, wenn eine Gesellschaft sich spalten lässt», schreibt der Finanzminister in einem Gastbeitrag in der «Bild am Sonntag». Die Spaltung sei keine Erfindung Trumps, sondern habe es schon vorher gegeben. «Der US-Präsident hat sie nur aufgegriffen und in seiner Amtszeit gnadenlos politisch ausgebeutet und vertieft.»

Auch in Deutschland sei zu beobachten, «dass die Gesellschaft auseinanderläuft». Manche fühlten sich wie Bürger zweiter Klasse. Diese Entwicklung sei schlecht. «Denn unser Gemeinwesen funktioniert nur dann auf Dauer gut, wenn wir es als unsere gemeinsame Aufgabe begreifen: der Kellner im Coffee-Shop, die Feuerwehrfrau, die Theaterdirektorin und der Facharbeiter bei VW am Fließband.» Niemand sollte sich für etwas Besseres halten. Die USA seien der wichtigste und engste Partner Europas, und das werde nach dieser Wahl so bleiben. «Lasst uns aber von den USA lernen und Fehler vermeiden, die viel Unheil mit sich bringen», schließt Scholz seinen Beitrag.

Netanjahu gratuliert Biden und Harris - Dank an Trump

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat Joe Biden und seiner Stellvertreterin Kamala Harris nach deren Sieg bei der US-Präsidentschaftswahl gratuliert. «Joe, wir haben seit fast 40 Jahren eine lange und herzliche persönliche Beziehung», schrieb Netanjahu am Sonntag bei Twitter. Er kenne Biden auch als «großen Freund Israels» und freue sich darauf, mit ihm und Harris zusammenzuarbeiten «um das besondere Bündnis zwischen den USA und Israel zu vertiefen».

Seinem engen Verbündeten, Amtsinhaber Donald Trump, dankte Netanjahu für die Freundschaft, die er Israel und Netanjahu persönlich gezeigt habe. Er dankte Trump «für die Anerkennung Jerusalems und der Golanhöhen, für die entschlossene Haltung gegenüber dem Iran, für die historischen Friedensabkommen» und dafür, dass er die Beziehungen zwischen Israel und den USA auf einen nie da gewesenen Höchststand gebracht habe.

Auch Israels Präsident Reuven Rivlin gratulierte Biden und nannte ihn «Mr. Gewählter Präsident». Rivlin schrieb bei Twitter: «Als ein langjähriger Freund Israels sind Sie nun der Anführer der freien Welt und einer der engsten und wichtigsten Verbündeten des Staates Israel.» Das strategische Bündnis beider Länder sei «stärker als jegliche politische Führung» und basiere nicht nur auf Freundschaft, sagte Rivlin, offenbar in Anspielung auf die besonders enge Verbindung Netanjahus mit Trump. Rivlin wünschte Biden viel Erfolg und lud ihn zu einem Besuch in Jerusalem ein.

Tausende jubeln und feiern in den Großstädten

Nur Sekunden, nachdem mehrere US-Medien den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden am Samstag zum Sieger der Wahl in den USA erklärt haben, ist in vielen Großstädten großer Jubel ausgebrochen. Auf den Straßen New Yorks klatschten, schrien und jubelten die Menschen. Hunderte strömten Samstagmittag (Ortszeit) zum Times Square und feierten. Viele Autofahrer betätigten pausenlos ihre Hupen. Auch nach einer Stunde hatte der andauernde Applaus noch kein Ende genommen.

Fernsehsender zeigten auch Bilder aus Philadelphia in Pennsylvania mit feiernden Menschen. Kurz nachdem einige noch ausstehende tausend Stimmen von dort bekanntgegeben wurden, hatten US-Sender Joe Biden zum Sieger ausgerufen. Auch vor dem Weißen Haus in Washington jubelten die dort versammelten Demonstranten.

Die Metropolen an der US-Ostküste gelten als liberal und demokratisch, Joe Biden hat dort ersten Ergebnissen zufolge den weit überwiegenden Teil der Stimmen geholt. New York ist aber auch die Geburtsstadt des noch amtierenden US-Präsidenten Donald Trump.

People spray champagne as they celebrate Joe Biden being elected President of the United States in the Castro district of San Francisco, California on November 7, 2020. - Democrat Joe Biden has won the White House, US media said November 7, defeating Donald Trump and ending a presidency that convulsed American politics, shocked the world and left the United States more divided than at any time in decades. (Photo by JOSH EDELSON / AFP) (Photo by JOSH EDELSON/AFP via Getty Images)
Der Wahlsieg Joe Bidens wird auf den Straßen Amerikas mit Champagner gefeiert, wie hier in San Francisco. (Bild: JOSH EDELSON/AFP via Getty Images)

Bidens Vize Harris: “Es geht um die Seele Amerikas”

Die gewählte US-Vizepräsidentin Kamala Harris hat den Amerikanern versprochen, sich mit Joe Biden in den Dienst des Landes stellen zu wollen. «Bei dieser Wahl geht es um so viel mehr als um Joe Biden und mich. Es geht um die Seele Amerikas und unsere Bereitschaft, dafür zu kämpfen», schrieb Harris am Samstag auf Twitter, nachdem die Nachrichtenagentur AP und mehrere US-Sender Joe Bidens Sieg über den republikanischen Amtsinhaber Donald Trump ausgerufen hatten. «Wir haben eine Menge Arbeit vor uns. Lasst uns anfangen.» Noch nie zuvor war eine Schwarze und Frau in den USA im Amt des Vizepräsidenten.

Harris verbreitete auch ein Video, das den Moment zu zeigen scheint, in dem sie Biden telefonisch gratulierte. «Wir haben es geschafft. Wir haben es geschafft, Joe. Du wirst der nächste Präsident der Vereinigten Staaten sein», sagte sie und lachte. Das Video zeigte Harris in der Natur - der Kleidung nach war sie wohl gerade beim Sport gewesen. Neben ihr waren nur Sicherheitsleute des Secret Services zu sehen.

Pelosi: Mit Biden beginnt eine Zeit der Hoffnung

Mit Joe Bidens Wahlsieg beginnt in den USA nach Ansicht der Vorsitzenden des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, eine neue Zeit der Hoffnung. Biden habe einen «historischen Sieg» errungen, erklärte die Demokratin am Samstag: «Heute beginnt ein neuer Tag der Hoffnung für Amerika.»

Biden werde vom ersten Tag seiner Präsidentschaft an bereit sein, den Herausforderungen des Landes zu begegnen. Er werde die Coronavirus-Pandemie eindämmen und sich für eine bessere Gesundheitsversorgung einsetzen, sagte Pelosi. Die Amerikaner hätten mit Biden jemanden gewählt, der ohne Unterlass arbeiten werde, um das Land zu einen und der die Werte «Glauben, Familie und Gemeinschaft» hochhalte, erklärte Pelosi.

Maas wirbt für “transatlantischen Neuanfang”

Nach dem Sieg von Joe Biden bei der US-Präsidentenwahl hat Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) für einen Neustart der schwer angeschlagenen Beziehungen zu den USA geworben. «Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit der nächsten US-Regierung», schrieb er am Samstag auf Twitter. «Wir wollen in unsere Zusammenarbeit investieren, für einen transatlantischen Neuanfang, einen New Deal.»

Finanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) äußerte sich ähnlich: «Jetzt gibt es die Chance, ein neues und spannendes Kapitel in den transatlantischen Beziehungen aufzuschlagen. Die USA bleiben der wichtigste und engste Partner Europas. Es gibt viel zu tun. Auf gute Zusammenarbeit!»

Söder gratuliert Biden

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat sich nach dem Wahlsieg von Joe Biden in den USA erleichtert gezeigt und dem Demokraten gratuliert. «Yes he can!», schrieb der CSU-Chef am Samstagabend bei Twitter. Sein Vertrauen in die amerikanische Demokratie sei nun wieder gestärkt. «Jetzt sollte das bizarre Schauspiel der letzten Tage ein Ende finden.»

Georgia: Behörden rechnen mit Neuauszählung

Die zuständigen Behörden in Georgia rechnen mit einem so knappen Ergebnis der US-Präsidentschaftswahl in diesem Bundesstaat, dass eine Neuauszählung erwartet wird. Beide Kandidaten könnten dies beantragen, sobald ein bestätigtes Ergebnis mit einem Abstand von höchstens 0,5 Prozentpunkten vorliege, sagte der Vertreter der Wahlbehörde, Gabriel Sterling, am Freitag in Atlanta. Am Freitag hatte Herausforderer Joe Biden in Georgia einen Vorsprung von lediglich 1586 Stimmen vor Amtsinhaber Donald Trump.

Drei Tage nach der Wahl waren 4169 Stimmen noch nicht ausgezählt. Wegen hoher Anforderungen an die Prüfung der Wahlzettel und Auszählung werde das Ergebnis voraussichtlich zum Wochenende vorgelegt werden können, sagte Sterling. Bei einer Neuauszählung müsse jede Stimme neu eingescannt werden, was bis Ende November dauern könne.

Sterling, der der Republikanischen Partei angehört, sagte, es habe abgesehen von einigen kleineren Vorfällen keine “verbreiteten Unregelmäßigkeiten” gegeben. Der Behördenvertreter gab zu bedenken, dass die Auszählung mitten in einer Pandemie stattfinde. Es werde pausenlos ausgezählt und geprüft. Er hoffe, dass die Wahlhelfer bald etwas Zeit zum Schlafen finden könnten. Er denke, dass es dann ähnlich wie nach einer Naturkatastrophe T-Shirts geben sollte mit der Aufschrift: “Ich habe die Wahl 2020 überlebt.”

Die Auszählungen der einzelnen Bundesstaaten finden Sie hier

Bürgermeister von Philadelphia: Betrugs-Behauptungen sind “unbegründet”

Der Bürgermeister von Philadelphia, Jim Kenney, hat Vorwürfe des Wahlbetrugs von US-Präsident Donald Trump entschieden zurückgewiesen. «Wie wir erwartet haben, haben die Wähler und Einwohner von Philadelphia dafür gesorgt, dass unsere Stadt als Beispiel dafür herausragt, wie man eine Wahl korrekt durchführt», sagte Kenney am Freitag bei einer Pressekonferenz. Die Stimmen würden so lange gezählt, bis jeder gültige Zettel berücksichtigt sei. Er kritisierte, dass «einige, darunter der Präsident, weiter unbegründete Behauptungen über Betrug ausspucken», ohne dafür Beweise vorzulegen. «Was wir hier in Philadelphia gesehen haben, ist Demokratie, schlicht und einfach», sagte Kenney.

Philadelphia ist die größte Stadt im Bundesstaat Pennsylvania, der den Ausgang der Wahl entscheiden könnte. Für Trump wird die Wiederwahl immer unwahrscheinlicher, nachdem sein Kontrahent Joe Biden seinen Vorsprung dort, aber auch in Nevada, ausbauen konnte. Er sieht sich als Opfer systematischen Betrugs und wirft den Demokraten vor, die Wahl «stehlen» zu wollen.

Philadelphia und die Stadt Detroit (Michigan) seien als «zwei der korruptesten politischen Orte» im Land bekannt, hatte Trump am Donnerstag im Weißen Haus gesagt. Sie dürften das Ergebnis einer so wichtigen Wahl nicht manipulieren. Für seine Anschuldigungen hat Trump keine stichhaltigen Belege angeführt.

Senator Romney kritisiert Trumps Betrugsvorwürfe

Der republikanische Senator Mitt Romney hat scharfe Kritik an den Betrugsvorwürfen von US-Präsident Donald Trump bei der Wahl in den USA geübt. Romney - ein innerparteilicher Kritiker des Präsidenten - teilte am Freitag mit, Trump stehe es zwar zu, rechtliche Schritte zu ergreifen. Der Präsident habe aber Unrecht, «wenn er sagt, dass die Wahl gefälscht, fehlerhaft und gestohlen war. Das schadet der Sache der Freiheit hier und auf der ganzen Welt.» Trump schwäche damit die Institutionen, die das Fundament der Republik bildeten, und fache gefährlichen Zorn an.

Der republikanische Senator Ben Sasse rief auf Twitter dazu auf, «überhitzte Rhetorik» zu ignorieren, die Auszählung der Stimmen abzuwarten und auf die Rechtsstaatlichkeit zu vertrauen.

Der Republikaner Trump liegt bei der Wahl hinter seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden, macht dafür aber Betrug verantwortlich. Belege für seine Behauptungen hat Trump nicht vorgelegt.

Biden-Sprecher über Trump: “Eindringling” aus Weißem Haus eskortieren

Das Wahlkampfteam von Präsidentschaftskandidat Joe Biden hat im Falle eines Sieges bei der US-Wahl die erzwungene Entfernung von Amtsinhaber Donald Trump aus dem Weißen Haus ins Spiel gebracht. “Die Regierung der Vereinigten Staaten ist durchaus in der Lage, Eindringlinge aus dem Weißen Haus zu eskortieren”, sagte Sprecher Andrew Bates übereinstimmenden Medienberichten zufolge. Er reagierte damit auf Befürchtungen, dass Trump eine drohende Wahlniederlage nicht eingestehen könnte. Biden selbst hatte sich bereits vor Wochen ähnlich geäußert.

Mehrere US-Sender unterbrechen Trump-Rede und liefern Faktenchecks

Gleich mehrere US-Fernsehsender haben die Übertragung einer Rede von Präsident Donald Trump abgebrochen, nachdem er von Wahlbetrug gesprochen und sich weiter als Wahlsieger bezeichnet hatte. Der Sender MSNBC reagierte bei der Rede in der Nacht zum Freitag am schnellsten - bereits nach rund 40 Sekunden. "Hier sind wir wieder in der ungewöhnlichen Situation, den Präsident der Vereinigten Staaten nicht nur zu unterbrechen, sondern den Präsidenten der Vereinigten Staaten auch zu korrigieren", sagte Moderator Brian Williams. Es gebe weder illegale Stimmen, von denen man wisse, noch einen Trump-Sieg. Trump hatte zuvor davon gesprochen, die Wahl könne gestohlen werden, würde man "die illegalen Stimmen" zählen.

Beim Sender CNBC wurde Trumps Rede ebenfalls abgebrochen und mit einem Live-Faktencheck versehen. "Wir werden nicht erlauben, dass das weiter geht, weil es nicht wahr ist", sagte Moderator Shepard Smith. Er nahm sich daraufhin mehrere Aussagen des Präsidenten vor und ordnete sie ein. Auch CBS unterbrach Trumps rund 16 Minuten lange Ausführungen nach wenigen Minuten und bemühte sich um eine Einordnung. Beim Sender ABC gab es einen umgehenden Faktencheck in der Live-Schalte.

Der Sender CNN ließ Trumps Rede zwar laufen, lieferte aber im Nachgang einen Faktencheck und bezeichnete die Ausführungen als "die unehrlichste Rede seiner Präsidentschaft". Der als Trump-freundlich geltende Sender Fox News unterbrach die Rede ebenfalls nicht. In einer ersten Einschätzung bezweifelten die Moderatoren im Anschluss jedoch, dass Trump ausreichend Beweise habe, um die Auszählungen per Gericht stoppen zu lassen.

Trump-Sohn: Präsident sollte 'totalen Krieg' um Wahl erklären

Präsidentensohn Donald Trump Jr. hat seinen Vater aufgerufen, einen "totalen Krieg" rund um die Wahl zu eröffnen. Donald Trump müsse "all den Betrug und Schummeleien offenlegen", schrieb sein Trump Jr. Sohn am Donnerstag bei Twitter. Dazu gehörten die Stimmen von Wählern, die tot seien oder nicht mehr im jeweiligen Bundesstaat lebten, behauptete der Trump-Sohn. "Es ist an der Zeit, dieses Schlamassel zu bereinigen und nicht mehr wie eine Bananenrepublik auszusehen."

Bisher wurden keine nennenswerten Fälle von Wahlbetrug in den USA bekannt. Trump hatte schon seit Monaten ohne Beleg behauptet, bei Briefwahl sei die Betrugsgefahr höher und weigerte sich, eine friedliche Machtübergabe zu garantieren.

In den Bundesstaaten Pennsylvania und Georgia schrumpft aktuell der anfängliche Vorsprung Trumps, je mehr per Post eingegangene Stimmzettel ausgewertet werden. Anhänger der Demokratischen Partei hatten angesichts der Corona-Gefahr stärker zur Briefwahl gegriffen als die Republikaner. In Pennsylvania sollen noch die Stimmzettel gezählt werden, die bis zu drei Tage nach dem Wahltermin am 3. November eintreffen. Die US-Post hatte in den vergangenen Monaten mit Verzögerungen gearbeitet.

Klagen von Donald Trump in Michigan und Georgia abgewiesen

Eine Richterin im US-Bundesstaat Michigan hat Medienberichten zufolge eine Klage von Präsident Donald Trumps Wahlkampfteam gegen die Stimmauszählung abgewiesen. Die Beschwerde über angeblichen Betrug beruhe nur auf Hörensagen, zudem sei die Auszählung bereits abgeschlossen, erklärte Richterin Cynthia Stephens demnach am Donnerstag. Das berichteten unter anderem die “New York Times” und die örtliche Zeitung “Detroit Free Press” unter Berufung auf die Anhörung.

Die Richterin lehnte auch das Ansinnen von Trumps Team ab, die Videoaufnahmen von Wahlurnen zu bekommen, die für die Abgabe von Briefwahlstimmen aufgestellt worden waren. Dafür gebe es keine rechtliche Grundlage, sagte die Richterin laut “Detroit Free Press”. Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden konnte sich den Staat Michigan mit einem Vorsprung von rund 150.000 Stimmen sichern.

Auch im Bundesstaat Georgia wies ein Richter Medienberichten zufolge eine von Trump angestrengte Klage als grundlos zurück. Trumps Wahlkampfteam hatte geklagt, weil angeblich 53 zu spät per Post eingetroffene Stimmzettel berücksichtigt worden seien. In Georgia zeichnete sich ein extrem knappes Wahlergebnis ab. Trumps Wahlkampfteam hat seit der Wahl am Dienstag bereits in mehreren Bundesstaaten Klagen angestrengt.

Im Washington geht dieser junge Mann auf die Straße, um Donald Trump zu unterstützen. (Bild: Getty Images)
Im Washington geht dieser junge Mann auf die Straße, um Donald Trump zu unterstützen. (Bild: Getty Images)

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Teils gewaltsame Proteste rund um die Stimmenauszählung

Rund um die Auszählung der Wahlstimmen in den USA ist es in mehreren Städten zu teils gewaltsamen Protesten gekommen. In Portland im Bundesstaat Oregon gab es am Mittwochabend (Ortszeit) Ausschreitungen am Rande einer Demonstration. Zahlreiche Menschen forderten dort, jede Stimme zu zählen. Laut Medienberichten wurden Schaufensterscheiben zerstört. Die Polizei sprach von geladenen Waffen und Feuerwerkskörpern, die auf Polizisten geworfen worden seien. Auch die Nationalgarde sei aktiviert worden.

In New York City kam es nach einem Bericht der "New York Times" zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizeibeamten. Die Polizei meldete, sie habe mehr als 20 Personen festgenommen, die einen friedlichen Protest hätten kapern wollen. Auch in Chicago und Philadelphia wurden Proteste gemeldet, in Minneapolis blockierten nach Angaben der "New York Times" mehrere Hundert Demonstranten eine Bundesstraße.

In Detroit im Bundesstaat Michigan versammelte sich eine Gruppe von Demonstranten vor einem Auszählungsbüro und skandierte "Stoppt die Auszählung", wie auf Videos mehrerer Medien zu sehen ist. Auch in Phoenix im Bundesstaat Arizona versammelten sich am Mittwochabend (Ortszeit) mehrere Dutzend Demonstranten vor einem Behördengebäude, in dem Stimmen ausgezählt wurden, wie auf Bildern des Fernsehsenders CNN zu sehen ist. Einer CNN-Reporterin zufolge forderten einige den Stopp der Auszählung. Andere wollten dagegen, dass alle Stimmen gezählt werden. Einige hätten Waffen wie Automatikgewehre dabei gehabt.

Texte: dpa, AFP

Im Video: So jubeln die USA über Bidens Sieg