Nach Sturm auf Kapitol: Alexandria Ocasio-Cortez zerlegt die Republikaner im Video

Moritz Piehler
·Freier Autor
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Alexandria Ocasio-Cortez ist dafür bekannt, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. (Bild: Reuters/Joshua Roberts)
Alexandria Ocasio-Cortez ist dafür bekannt, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. (Bild: Reuters/Joshua Roberts)

Alexandria Ocasio-Cortez gehört zu den lautesten Kritikerinnen Trumps und äußert sich nach dem Sturm auf das Kapitol mit scharfen Worten über die Republikaner und deren Mitschuld an der Attacke.

Nach dem Sturm auf das Kapitol in der vergangenen Woche melden sich immer mehr Abgeordnete, die ihre Sicht auf die Attacke beschreiben. In einem einstündigen Instagram-Live-Video holt dabei unter anderem Alexandria Ocasio-Cortez zum Rundumschlag aus. Sie beschreibt die Angreifer als “White Supremacists” mit einer “Lust auf Macht” und mach den Republikanern heftige Vorwürfe, den Weg für den Umsturzversuch geebnet zu haben. Dabei wirft sie der Oppositionspartei eine absichtliche Doppelmoral vor. Dies bezog sich besonders auf die sogenannte “Blue Lives Matter”-Bewegung, die als konservative Reaktion auf die antirassistischen “Black Lives Matter”-Proteste entstanden war und sich für die Rechte von Polizisten einsetzt.

“Ihnen ist die Demokratie egal”

“Ich will von diesen Coup-unterstützenden Republikanern nie wieder etwas über ‘Blue Lives’ hören”, schrieb “AOC” auf ihrem Twitter-Account, auf dem ihr elfeinhalb Millionen User folgen. Dazu postete sie einen kurzen Ausschnitt aus ihrem Insta-Rant. “Es war immer nur ein Slogan”, sagt sie im Video. Bei den Ausschreitungen der Trump-Anhänger waren auch Polizisten massiv attackiert worden. Ein Beamter der Kapitolspolizei starb, nachdem ihm ein Demonstrant mit einem Feuerlöscher auf den Kopf geschlagen hatte.

“Wenn ihnen der Rechtsstaat wirklich etwas bedeutete, würden sie etwas dazu sagen, wenn Menschen das Gesetz brechen”, so die sichtlich aufgebrachte Politikerin weiter. Trump und seinen Anhängern ginge es aber nicht um “Recht und Ordnung”, ihnen ginge es darum, die bestehende gesellschaftliche Ordnung zu erhalten, in der “die Mythologie der Weißheit” über der Demokratie und der Vielfalt stehe.

Trump-Anhänger bedrängen am 6. Januar vor dem Kapitol einen Polizisten (Bild: Reuters/Shannon Stapleton)
Trump-Anhänger bedrängen am 6. Januar vor dem Kapitol einen Polizisten (Bild: Reuters/Shannon Stapleton)

Viele Republikaner hatten sich während der Demonstrationen gegen Polizeigewalt im vergangenen Jahr auf die Seite der Ordnungshüter gestellt. Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd war es überall in den USA zu Protesten und teilweise Ausschreitungen gekommen, die mit einem massiven Polizeieinsatz beantwortet wurden. Beobachter kritisierten die im Vergleich dazu hilflose und späte Reaktion der Sicherheitskräfte beim Sturm auf das Kapitol, bei dem die Nationalgarde erst verzögert zum Einsatz kam. Warum das politische Herz des Landes so schwach gesichert war und die Angreifer so mühelos bis in die Senatskammer vordringen konnten, ist bisher noch nicht vollständig aufgeklärt.

AOC prangert die Doppelmoral der Republikaner an

Ein Polizist kam bei den Ausschreitungen in Washington ums Leben. Auch deshalb griff Ocasio-Cortez die aus ihrer Sicht verlogene Solidarität der Republikaner mit der Polizei so scharf an. Die Kongressabgeordnete, die im vergangenen Jahr ihren Sitz in einem vielbeachteten Wahlkampf verteidigt hatte, gehört zum linken Flügel der Demokraten. Im Auswahlverfahren der Partei hatte sie sich hinter die Präsidentschaftskandidatur von Bernie Sanders gestellt. Beide forderten im Zuge der “Black Live Matters”-Proteste, die Polizei gänzlich umzustrukturieren und weniger zu finanzieren. Joe Biden, der in wenigen Tagen ins Weiße Haus einziehen wird, lehnt diese Haltung aber ab, was ihm Kritik von Ocasio-Cortez einbrachte.

“Ich fühlte mich nicht mal unter Kollegen sicher”

In dem Instagram-Live-Video sprach sie neben ihren Attacken gegen die Republikaner auch über ihre eigenen Erlebnisse im Kapitol während der Angriffe. Obwohl sie aus Sicherheitsgründen nicht ins Detail gehen konnte, beschrieb sie eindrücklich, dass sie nur “knapp einer Begegnung” mit den Angreifern entgangen sei. “Ich war mir nicht sicher, dass ich das Ende dieses Tages noch erleben würde”. AOC gehört als junge linke Frau mit puertoricanischen Wurzeln zu den Hassfiguren der Rechten. Auch Donald Trump hatte sie wiederholt und via Twitter angegriffen. Gemeinsam mit den ebenfalls im Kongress vertretenen Ilhan Omar, Ayanna Pressley und Rashida Tlaib zählt AOC zur “Squad”, einer Gruppe von jungen Abgeordneten, die den Umschwung der US-amerikanischen Gesellschaft repräsentierten und dafür heftigen Attacken ausgesetzt waren. Während des Sturms auf das Kapitol habe sie sich nicht mal unter ihren Kollegen sicher gefühlt, erzählt Ocasio-Cortez in dem Video. “Da waren QAnon-Anhänger und White Supremacists und, offen gesagt, White Supremacists aus dem Kongress, die ich kenne und bei denen ich das Gefühl hatte, sie würden meinen Standort verraten und Situationen herbeiführen, in denen ich verletzt werden könnte.”

In dem mehr als einstündigen Video kritisierte sie auch die zurücktretenden Kabinettsmitglieder von Trump scharf. Es sei viel zu spät, wer Teil seines Kabinetts am Tag der Angriffe gewesen sei, der solle auch die Verantwortung übernehmen und dabei helfen, Donald Trump mithilfe des 25. Verfassungszusatzes aus dem Amt zu entfernen. Am Mittwoch leitete der Kongress ein zweites Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump ein.

Video: Soldaten übernehmen Kontrolle über das Kapitol