Wer ist Anonymous: Alles über die Hackergruppe

·Freie Autorin
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Erst kürzlich erklärte Anonymous Russland den Cyberkrieg. Nun hat das Hacker-Kollektiv erneut zugeschlagen und sensible Daten von 120.000 russischen Soldaten veröffentlicht. Und auch Scientology, der IS oder Elon Musk haben in der Vergangenheit schon mal eine Kampfansage von Anonymous bekommen. Das Hacker-Kollektiv will Rache an den Bösen üben und zeigt sich traditionell mit verzerrter Stimme und Guy-Fawkes-Maske. Doch wer oder was steckt eigentlich hinter Anonymous? Ein Blick hinter die Masken.

Anonymous haben Russland den Cyberkrieg erklärt (Bild: Jakub Porzycki/NurPhoto via Getty Images)
Anonymous haben Russland den Cyberkrieg erklärt. (Bild: Jakub Porzycki/NurPhoto via Getty Images)
  • Anonymous erklärt Russland den Cyberkrieg

  • Anonymous veröffentlicht Daten von russischen Soldaten

  • Jeder kann Anonymous sein

  • Woher kommt der Name Anonymous?

  • Wer steckt hinter Anonymous?

  • Die Bedeutung der Guy-Fawkes-Maske

Anonymous erklärt Russland den Cyberkrieg

Früher als Troll-Armee berüchtigt, genießt Anonymous heute großes Ansehen im Netz. Alle, die sich als Anonymous ausgeben, wollen – wie der Name schon sagt – anonym bleiben. Ihre Gesichter zeigen sie dabei nie. Sie tragen einen Umhang mit Kapuze, eine Guy-Fawkes-Maske und verbreiten ihre Botschaften per Video mit unkenntlich gemachter Stimme. Es handelt sich dabei um ein Kollektiv aus Hackern, das weltweit immer wieder für Aufregung sorgt.

In der Vergangenheit ging Anonymous bereits gegen Organisationen wie den Ku-Klux-Klan, Scientology oder den Islamischen Staat vor. Auch Vegan-Koch und Verschwörungstheoretiker Attila Hildmann sowie Tesla-Chef Elon Musk waren bereits Ziele der Hacker. Den bisher größten Cyberkrieg erklärte das Hacker-Kollektiv erst kürzlich Putin und Russland.

Auf Twitter teilte Anonymous mit: "Das Anonymous-Kollektiv befindet sich offiziell im Cyberkrieg gegen die russische Regierung.“ Die Hacker wandten sich ebenfalls an Putin direkt: "Mr. Putin, Sie sind im Namen der russischen Hegemonie in eine souveräne Nation eingedrungen und haben mit Ihrem Vorgehen Frieden und Stabilität in der Region bedroht. Damit kommen Sie nicht durch!"

In einem ihrer vielen Angriffe startete das Hacker-Kollektiv eine Offensive gegen das russische Staatsfernsehen sowie einige russische Streaming-Anbieter. Die Hacker sorgten während ihres Angriffs dafür, dass das reguläre Fernsehprogramm unterbrochen und stattdessen Kriegsbilder aus der Ukraine gesendet wurden.

Der Hackerangriff endete mit einer Text-Einblendung, die nach einer Übersetzung der britischen Zeitung "The Independent" dazu aufrief, sich gegen den Krieg in der Ukraine zu wehren. "Die normalen Leute in Russland sind gegen den Krieg", soll im TV eingeblendet worden sein.

Auch auf der Onlineseite der Zeitung "Iswestija" erschien ein Banner des Hacker-Kollektivs, auf dem stand: "Wir fordern Sie dringend auf, diesen Wahnsinn zu stoppen, schicken Sie Ihre Söhne und Ehemänner nicht in den sicheren Tod. Putin bringt uns zum Lügen und bringt uns in Gefahr."

Anonymous veröffentlicht Daten von russischen Soldaten

Anonymous' jüngster Streich: Die Veröffentlichung von sensiblen Daten. Wie es in einem Statement heißt, habe man die persönlichen Daten von insgesamt 120.000 russischen Soldaten veröffentlicht, darunter Namen, Adressen, Passnummern. "Jeder Soldat, der an der Invasion in der Ukraine teilnimmt, gehört vor Kriegsgericht“, teilte Anonymous mit.

Jeder kann Anonymous sein

"Wir sind Anonymous. Wir sind Legion. Wir vergeben nicht. Wir vergessen nicht. Rechnet mit uns" – so lautet das Motto des Hacker-Kollektivs. Jeder kann sich als sogenannter Anon, als Anhänger von Anonymous, ausgeben und mitmischen. Bei den DDOS-Angriffen, die gerne von Anonymous genutzt werden, sind noch nicht mal Hacking-Skills notwendig. Das sorgt zwar dafür, dass sich überall auf der Welt aktive Gruppen formieren können, allerdings ist es auch schwierig, hier eine klare Linie beizubehalten.

Leider führt das häufig dazu, dass der Name der Bewegung missbraucht und mit Organisationen in Verbindung gebracht wird, hinter denen Anonymous gar nicht steht. Eine rechte Hetz-Bewegung in Deutschland trat beispielsweise als "Anonymous.Kollektiv" auf Facebook auf und sammelte unter diesem Namen über die Jahre hinweg Anhänger. Obwohl sich das Hacker-Kollektiv von dieser Seite distanzierte, blieb ein negativer Beigeschmack an Anonymous haften.

Das Kollektiv räumt deshalb selbst ein: "Jeder kann sich Anonymous nennen, doch nicht überall ist Anonymous drin". Anonymous stellt auch klar: "Unser Engagement bezieht sich auf das Krachschlagen und stören ohne zu zerschlagen und zu zerstören."

Woher kommt der Name Anonymous?

Der Name Anonymous geht wohl auf das Imageboard 4chan zurück. Es handelt sich dabei um eine Art Internetforum. Beiträge von nicht eingeloggten Usern werden dort als "Anonymous" angezeigt. Mitglieder des Kollektivs nennen sich deshalb auch Anon. Die sogenannten "Rules of the Internet", insbesondere die Regeln Nummer 3 ("Wir sind Anonymous"), 4 ("Wir sind Legion") und 5 ("Wir vergeben und vergessen nicht") sind, werden hierbei als Botschaften und Erkennungzeichen von Anonymous verwendet.

Wer steckt hinter Anonymous?

So genau kann man das heute gar nicht mehr sagen. Es gibt keine Führung und auch keine Hierarchie. Die Gruppierung ist nur schwer greifbar. In den frühen 2000ern führte der kanadische Hacker Aubrey Cottle einige Trolle an, die ihr Unwesen im Netz trieben. Aus Spaß wurde irgendwann ernst, aus Troll-Kampagnen Aktivismus.

Die Geburtsstunde des Hacker-Kollektivs, wie wir es heute kennen, geht auf das Jahr 2008 zurück, als Anonymous Scientology in die Knie zwang. Alles begann mit einem Video, das als "Das irre Tom-Cruise-Video" bekannt wurde, in dem Filmstar Tom Cruise auftritt, und sich fast ein wenig wahnsinnig verhält.

Tom Cruise und Scientology machten Anonymous berühmt (Bild: REUTERS/Yara Nardi)
Tom Cruise und Scientology machten Anonymous berühmt. (Bild: REUTERS/Yara Nardi)

Bei dem Clip handelte es sich um ein Propaganda-Video, das ausschließlich für Sektenmitglieder vorgesehen war, und das die Scientology-Sekte unbedingt unterdrücken wollte. Als es auf YouTube geleakt wurde, war die Aufregung dementsprechend groß. Google nahm es sofort runter, Gawker allerdings weigerte sich.

Als Anonymous Wind von dem Zensurversuch bekam, reagierte das Hacker-Kollektiv mit dem Projekt "Chanology" darauf, attackierte mehrfach Internet-Angebote von Scientology und blockierte ihre Hotlines. Doch der richtig große Auftritt von Anonymous folgte erst, als Anonymous-Mitglied Gregg Housh die erste Video-Ansage im Namen des Kollektivs aufnahm.

Die "Message to Scientology" ging viral, es folgten internationale Proteste gegen die Sekte. Das ist der Moment, als sich Anonymous in zwei völlig verschiedene Richtungen entwickelt: Die Trolle unter Cottle und die sogenannten "Hacktivisten" unter Housh. Eine wirkliche Rolle spielen die damaligen Gründer heute aber nicht mehr, einige ehemalige Mitgründer sitzen mittlerweile sogar im Knast.

14 Hacker des Anonymous-Kollektivs wurden verhaftet, nachdem sie im Dezember 2010 die Server von PayPal attackiert haben. Der Angriff erfolgte als Vergeltung für Julian Assange, nachdem PayPal ein von Wikileaks angelegtes Konto für Spenden gesperrt hatte. Hector Monsegur, der das Pseudonym Sabu nutzte und Mitgründer der Anonymous-Untergruppe Lulzsec war, ging dem FBI 2012 ins Netz. Er kooperierte mit dem Geheimdienst, Anonymous-Mitglieder wie Jeremy Hammond und Mustafa al Bassam wurden 2013 verhaftet. Für das Aus des Kollektivs sorgen die Verhaftungen allerdings nicht.

Die Bedeutung der Guy-Fawkes-Maske

Anonymous setzt sich bei zahlreichen Ereignissen für Informationsfreiheit oder Menschenrechte ein. Das Hacker-Kollektiv positionierte sich nach dem Tod von George Floyd klar auf der Seite der Black-Lives-Matter-Bewegung, kaperte die Internetpräsenz von Attila Hildmann, weil dieser Corona-Lügen verbreitet hatte, und bietet auch Elon Musk die Stirn. In einem Video drohten sie dem Tesla-Chef: "Kann schon sein, dass du glaubst, die schlaueste Person im Raum zu sein, aber jetzt triffst du auf einen ebenbürtigen Gegner."

Immer dabei ist die Guy-Fawkes-Maske, wie sie V in dem Graphic Novel "V wie Vendetta" trägt. V ist ein maskierter Rächer, der gegen ein korruptes System und einen totalitären Staat kämpft. Anonymous kann sich damit offenbar identifizieren, die Guy-Fawkes-Maske ist inzwischen das internationale Erkennungssymbol des Hacker-Kollektivs und wird auch weltweit bei Protesten genutzt.

Ein Reddit-Thread von 2020 gibt allerdings auch den Hinweis, dass auch das Meme "Epic Fail Guy“, in dem ebenfalls eine Guy-Fawkes-Maske vorkommt, Cottle und seinen Mitstreitern als Inspiration gedient haben könnte.

Im Video: "Narzisstisch reicher Kerl" - Anonymous bedroht Elon Musk

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