Wie eine Gamerin Social Media nutzt, um über Tourette aufzuklären

Anna Rinderspacher
Freie Journalistin

Wenn “Sweet Anita” Videospiele spielt, sehen ihr mehr als eine halbe Million Menschen dabei zu. Die junge Frau filmt sich dabei nämlich live und überträgt ihre Spielsitzungen auf dem Streaming-Portal Twitch. Dabei kommt es oft vor, dass sich Anita scheinbar komisch verhält. Die Gamerin leidet am Tourette-Syndrom, einer neurologischen Störung, die sich in Zuckungen und unbeabsichtigten Ausbrüchen äußert; nicht selten geben Tourette-Patienten wüste Beschimpfungen von sich und fluchen.

Die Gamerin Sweet Anita klärt Hunderttausende von Menschen über das Tourette-Syndrom auf. (Bild: Screenshot Twitter / Sweet Anita)

Weil sie jedoch offen und humorvoll mit ihrer Krankheit umgeht, findet Sweet Anita viel Zuspruch. Immer wieder erklärt sie neuen Zuschauern den Grund für ihre plötzlichen Verbalattacken und schafft es auf diese Weise, ein größeres Bewusstsein, aber auch Verständnis für Tourette zu schaffen. Auszumachen scheint ihr das nichts. Wenn sie in einen Bus oder ein Taxi steige, müsse sie sich auch jedes Mal erklären, schreibt die Streamerin in einem Twitter-Thread. "Auf Twitch kann ich damit wenigstens tausenden Menschen die Augen öffnen."

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Vorbildfunktion für andere Tourette-Patienten

Und vielleicht kann die 29-Jährige sogar als Vorbild dienen für andere Tourette-Kranke, denn sie lässt sich von ihrer Diagnose nicht einschränken. Sie tut das, was sie liebt und nimmt sich, wie sie ist. Dass ihre Fans sie in allem was sie tut unterstützen und zu ihr stehen, bestärkt die junge Frau unheimlich.

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"Wenn ihr mich unterstützt, zeigt Ihr den Leuten da draußen, die ähnliches durchmachen müssen wie ich, dass wir einen Platz in dieser Welt haben. Deshalb danke, dass ihr mein Leben verändert und die Welt zu einem besseren Ort für Personen wie mich gemacht habt", schreibt die Gamerin.