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Zeitumstellung: USA macht erneuten Anlauf zur Abschaffung von Sommer- und Winterzeit

Zeitumstellung: USA macht erneuten Anlauf zur Abschaffung von Sommer- und Winterzeit

In den USA könnte die Sommerzeit dauerhaft eingeführt werden, jedenfalls, wenn es nach einem Senator geht.

Der Sunshine Protection Act (wörtlich: Gesetz zum Schutz des Sonnenscheins) passierte letztes Jahr den Senat ohne Gegenstimmen, kam aber dann im Repräsentantenhaus ins Stocken.

Eine dauerhafte Sommerzeit, die normalerweise im März beginnt und im November endet, würde bedeuten, dass die Uhren nicht mehr zweimal im Jahr vor- und zurückgestellt werden, sondern dass das ganze Jahr über eine feste Uhrzeit gilt.

Jetzt hat der Senator von Florida, Marco Rubio, den Gesetzesentwurf erneut eingebracht, um abzuschaffen, was er eine "antiquierte Praxis" nennt. Im Senat ist erneut wieder gebilligt worden.

"Dieses Ritual, die Zeit zweimal im Jahr umzustellen, ist blödsinnig", so Rubio er in einer Erklärung.

"Die Zeit zu fixieren hat eine überwältigende parteiübergreifende und breite Unterstützung. Ich hoffe, dass wir das in diesem Kongress endlich durchsetzen können", so der republikanische Senator.

Warum wurde die Sommerzeit in den USA eingeführt?

Die Sommerzeit wurde in den USA während des Ersten Weltkriegs eingeführt, um in Zeiten der Brennstoffknappheit den Energieverbrauch zu senken. Die Idee war, die Tageslichtstunden in den Sommermonaten in den Abend zu verlegen, damit die Menschen ihr Licht erst später einschalten.

Nach Kriegsende wurde das System aufgegeben, dann aber im Zweiten Weltkrieg wieder eingeführt, als die Brennstoffvorräte erneut zur Neige gingen. Einige Bundesstaaten behielten sie nach dem Krieg bei, andere nicht, bis schließlich die US-Bundesregierung 1966 vorschrieb, dass alle Staaten die Sommerzeit einführen mussten.

Hawaii und Arizona (jedenfalls der Großteil des Bundesstaates), entschieden sich dennoch dagegen und stellen seit 1945 ihre Uhren nicht mehr um.

Verringert die Sommerzeit den Energieverbrauch?

Hat die Sommerzeit den Energieverbrauch wirklich gesenkt?

Eine Studie des US-Verkehrsministeriums aus dem Jahr 1975 ergab, dass die Sommerzeit etwa 1 Prozent des Energieverbrauchs des Landes einspart.

Dieses magere Ergebnis könnte zum Teil darauf zurückzuführen sein, dass viele Menschen in den USA vor 7 Uhr morgens aufstehen, so dass ein Großteil der Energie, die dadurch eingespart wird, dass das Licht am Abend später eingeschaltet wird, durch ein früheres Einschalten am Morgen wieder ausgeglichen wird.

In Neuseeland stellten Energieunternehmen jetzt ähnliche Ergebnisse fest: Demnach ging der Stromverbrauch mit Beginn der Sommerzeit um 3,5 Prozent zurück.

In einer kürzlich durchgeführten Studie wurde untersucht, wie sich die Sommerzeit bis zum Jahr 2050 unter verschiedenen Klimaszenarien auf den Energieverbrauch von Büros auswirken könnte. Die Studie erarbeitete eine Simulation für Gebäude in 15 verschiedenen Städten und fand heraus, dass die Umstellung der Uhren selbst bei einer Erwärmung der Welt einen Nettorückgang des Energieverbrauchs zur Folge hat.

Es wurde jedoch auch festgestellt, dass dies vom Standort und der Verfügbarkeit erneuerbarer Energien abhängt.

Die Studie zeigte auch, dass dadurch zwar die Zeit, in der das Licht brennt, verkürzt wird, aber zugleich die Energiemenge, die zum Heizen und Kühlen unserer Häuser verbraucht wird, steigen könnte. Insgesamt sind die Antworten nicht schlüssig, und etwaige Energieeinsparungen durch die Sommerzeit haben sich insgesamt als unbedeutend erwiesen.

Dennoch steht die öffentliche Meinung in Neuseeland der Zeitumstellung mehrheitlich positiv gegenüber.

Wird Europa jemals die Sommerzeit abschaffen?

In Europa ist die Geschichte ähnlich. In Großbritannien und in Deutschland wurde die Sommerzeit während des Ersten Weltkriegs eingeführt, um Kohle zu sparen. Nach Kriegsende wurde sie abgeschafft, kehrte dann aber in den 1980er Jahren zurück, als aufgrund der weltweiten Ölkrise wieder Sparzwang aufkam.

Seit 2002 müssen alle Länder der Europäischen Union ihre Uhren am letzten Sonntag im März und im Oktober umstellen.

Doch 2018 stimmte das Europäische Parlament für die Abschaffung der Zeitumstellung, nachdem eine Umfrage unter 4,6 Millionen EU-Bürgern eine deutliche Mehrheit dafür ergab.

Nach der Abstimmung im Parlament wurde die Änderung zur Umsetzung an den Europäischen Rat weitergeleitet. Dieser erklärte jedoch, dass die Zeitumstellung nicht ohne eine Folgenabschätzung der Europäischen Kommission abgeschafft werden soll.

Die Änderung sollte bis 2021 in Kraft treten, aber die Debatte darüber, wer letztendlich dafür zuständig ist, endete kurz vor dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie in einer Pattsituation.

Der Brexit machte die Angelegenheit dann zusätzlich kompliziert, da dadurch in der Republik Irland und im britisch regierten Nordirland möglicherweise unterschiedliche Uhrzeiten herrschen würden.

Im Moment scheint es keine ausreichende Unterstützung für den Vorschlag der Europäischen Kommission zu geben, und zum jetzigen Zeitpunkt ist unklar, wann - und ob überhaupt - die EU die Zeitumstellung abschaffen wird.