Werbung

Zeitumstellung: Wer hat an der Uhr gedreht – und wohin und warum eigentlich?

Mit der Zeitumstellung am Sonntag bleibt es abends wieder länger hell. Hurra! (Bild: Getty Images)
Mit der Zeitumstellung am Sonntag bleibt es abends wieder länger hell. Hurra! (Bild: Getty Images)

Die Zeitumstellung findet dieses Jahr in der Nacht auf den 31. März 2024 statt – am Ostersonntag zeigt die Uhr also was an? Eine Stunde früher als in der Winterzeit oder eine Stunde später?

Mit der Umstellung von der Winter- auf die Sommerzeit verlieren wir tatsächlich eine Stunde Schlaf, denn die Uhren werden in der Nacht eine Stunde nach vorne gestellt, von 2 auf 3 Uhr. Diesen verkürzten Schlaf dürften die meisten aber ganz gut verkraften, denn die Umstellung auf Sommerzeit heißt schließlich auch: Es bleibt abends länger hell!

Die meist eher düsteren Herbst- und Wintermonate rauben mit ihrem Mangel an Licht jedes Jahr vielen Menschen den letzten Nerv. Vor allem wenn sich der Frühling schon früh mit den ersten freundlicheren Tagen zurückmeldet und man es kaum erwarten kann, bis man wieder ganze Abende und Nächte draußen verbringt, bei milden Temperaturen.

Wer sehnt sich nicht nach den lauen Sommerabenden? (Symbolbild: Getty)
Wer sehnt sich nicht nach den lauen Sommerabenden? (Symbolbild: Getty)

Genauso wie das Rätselraten darüber, in welche Richtung die Uhren denn nun verstellt werden am Tag der Zeitumstellung, ist es seit Jahren auch vielen Menschen unerklärlich, warum es die Zeitumstellung immer noch oder überhaupt gibt.

Zweimal jährlich wiederholt sich dieses Spektakel – in diesem Jahr werden die Uhren in der Nacht des 27. Oktober 2024 wieder auf die Winterzeit umgestellt. Bedeutet: In dieser Nacht bekommt man eine Stunde Schlaf "geschenkt", denn die Uhren werden um 60 Minuten zurückgedreht. Doch über den Sinn dieser Maßnahme herrscht mehr und mehr Uneinigkeit. Seit einigen Jahren wird pünktlich zur Zeitumstellung darüber diskutiert, diese endlich abzuschaffen. 2018 schlug sogar die EU-Kommission vor, zu einer einheitlichen Zeit zurückzukehren.

Energie spart die Zeitumstellung nicht

Die reguläre Zeit war bis zur Einführung der Zeitumstellung die Winterzeit. Um Energie zu sparen gab es immer wieder Experimente mit der Sommerzeit. Eine Stunde länger hell? Bedeutet auch weniger Energieverbrauch, so der Gedanke. Schon im Ersten und Zweiten Weltkrieg wurde das in Deutschland getestet und wieder abgeschafft, wegen der Ölkrise führten mehrere europäische Länder die Maßnahme in den 1970er Jahren wieder ein und auch Deutschland zog ab 1980 mit. Seit 1996 gilt die Sommer- und Winterzeit in allen Mitgliedsländern der EU.

Wie viel Energie die Zeitumstellung in der heutigen Zeit tatsächlich einspart? Das Umweltbundesamt etwa kommt zu dem Ergebnis, dass damit keine nennenswerten Erfolge erzielt werden: Zwar braucht man im Sommer abends erst später Licht, aber durch das vorverlegte Aufstehen in der "dunklen" Jahreszeit verbraucht man mehr Energie beim Heizen. Da sind andere Maßnahmen zum Energiesparen effizienter.

Belastung für Körper und Seele

Ebenso umstritten ist die Frage, wie gesundheitsschädlich die Zeitumstellung ist. Viele Menschen klagen darüber, dass das Verschieben der einen Stunden nach vorne und hinten im Frühjahr und Herbst unangenehme Auswirkungen auf sie hat.

Sie leiden dann unter Symptomen wie Müdigkeit und Schlappheit, Schlafstörungen, Konzentrationsproblemen, Gereiztheit oder sogar depressiven Verstimmungen, wie aus einer Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK aus dem Jahr 2020 hervorgeht:

Forsa-Umfrage zur Zeitumstellung im Auftrag der DAK (Grafik: Statista.com)
Forsa-Umfrage zur Zeitumstellung im Auftrag der DAK (Grafik: Statista.com)

Doch diesen "Mini-Jetlag" kann man leicht in den Griff bekommen, so Franziska Kath, Diplom-Psychologin der DAK-Gesundheit: "Die innere Uhr gerät ein wenig durcheinander. Die beste Medizin ist dabei auch die einfachste: Ruhe und ein paar Tage Geduld. Oft hilft es schon, sich stressige Termine nicht in die Woche nach dem Dreh an der Uhr zu legen und alles etwas gemächlicher anzugehen." Zumindest bei der aktuellen Zeitumstellung während der Osterfeiertage 2024 dürfte das für die meisten Bürger leicht möglich sein – zumindest für die, welche nicht arbeiten müssen.

Besser kein Ende der Zeitumstellung?

Obwohl es Pläne der EU-Länder gibt, die Zeitumstellung abzuschaffen: umgesetzt wurden sie bislang noch nicht. Das Vorhaben wäre ohnehin nicht völlig problemlos umsetzbar. Denn eine Einigung, ob auf Dauer die Winter- oder Sommerzeit gelten soll, gibt es bislang auch nicht. Dann lieber zweimal im Jahr die Zeitumstellung hinnehmen, die letztlich wirklich kaum Aufwand für den Einzelnen bedeutet.

Ohne Einigung könnte sich nämlich jedes EU-Land einfach "seine" Zeit aussuchen, was zu einem Uhrzeit-Chaos in der EU führen könnte – und auf Reisen, ob beruflich oder privat, könnte bei jedem Grenzübertritt eine andere Zeit gelten.