"Ich bin den Airbus A320 nie gern geflogen"

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Im Interview mit Yahoo berichtet eine ehemalige Lufthansa-Flugbegleiterin über ihre Erfahrungen mit kritschen Situationen an Bord. Ein Gespräch über Angst, den Einschnitt nach dem Germanwings-Absturz - und die "Spielkonsole" Airbus A-320.

Christina Berger*, was haben Sie als ehemalige Lufthansa-Flugbegleiterin gestern gedacht, als Siedie Schreckensnachricht gehört haben?

Es war ein Schock für mich. Ich war und bin immer noch entsetzt. Die vielen Passagiere, eine deutsche Airline, eine deutsche Crew. Das Unglück in Frankreich ist so nah - im übertragenen Sinne.

Haben Flugbegleiter eigentlich Angst?

Natürlich darf man Angst haben. Aber es bleibt bei der Arbeit in der Kabine gar keine Zeit dafür. Da müssen wir funktionieren. Bei einem Flug von Frankfurt nach Moskau gab es einmal eine Rauchentwicklung in der Kabine. Wir mussten in Hamburg notlanden. Das war schon kritisch. Wir haben ordnungsgemäß die Punkte abgearbeitet, die es in solchen Fällen zu tun gibt. Stichwort: Emergency Training. Wir haben das gemacht, was wir gelernt haben. In dem Moment hatte ich keine Angst. Die kam erst später, als ich realisiert hatte, in welcher Situation wir uns wirklich befunden haben. Ja, da war Angst.

Wird man nach solchen Zwischenfällen bei der Lufthansa eigentlich psychisch betreut?

Ja durchaus. Und das klappt auch gut. Die Coaches geben dir von Anfang an das Gefühl, nicht allein zu sein in so einer Situation. Du gehtst nicht allein nach Hause. Du bekommst die Hilfe, die du benötigst, um wieder fliegen zu können. Die Lufthansa ist vorbereitet auf sowas.

Was sind eigentlich die Rechte und Pflichten als Lufthansa-Angstellter nach solchen Katastrophen? Es scheint ja so, als ob man recht problemlos sagen könnte, dass man lieber nicht fliegt. So machen es jetzt ja viele Germanwings-Crews und auch einige Lufthansa-Mitarbeiter.

In der Tat ist es so, dass du jede Möglichkeit hast, nicht zu fliegen. Wir haben das Recht zu sagen, es geht nicht. Dann gibt es sofort professionelle Betreuung. Die Sicherheit an Bord ist schlichtweg nicht gewährleistet, wenn die Flugbegleiter traumatisiert sind. Das ist auch einleuchtend und richtig so. Ich kann die Kollegen, die jetzt nicht fliegen wollen, gut verstehen.

Spätestens seit Dienstag und den vielen Expertenaussagen, auch von Lufthansa-Piloten, weiß man auch als Laie ....und potenzieller Passagier...., dass ein Airbus dieser Größe anscheinend seine Tücken hat. Wussten Sie das auch schon vor diesem Unglück?

Ich bin die Flotte der Airbus 320er Familie sehr oft geflogen. Und ich muss ihnen sagen, ich bin sie nie wirklich gern geflogen. Wegen der vielen Technik. Es ist nicht sehr charmant im Cockpit. Da sieht es eher aus wie im Inneren einer Computerspielkonsole. Mein Eindruck war immer, dass die Piloten wenig Eingriffsmöglichkeiten hatten.

Was denken Sie, welche Auswirkungen wird das Unglück auf den Flugverkehr haben? Geht alles so weiter wie bisher?

Der Absturz ist ein Einschnitt. Aber Fliegen bleibt sicher. Vielleicht werden die Maschinen mit noch größerer Sorgfalt gecheckt. Wobei wir heute noch gar nicht wissen, ob es ein technischer Defekt war, der die Germanwings-Maschine zum Absturz gebracht hat. Ich kann mir aber schon vorstellen, dass sie den Airbus als Flugzeugtyp genauer unter die Lupe nehmen werden. Aber klar, es wird sonst alles so weitergehen. Es muss.

Mit welchem Gefühl werden Sie beim nächsten Mal in ein Flugzeug steigen?

Ich bin jetzt seit ein paar Jahren nicht mehr als Flugbegleiterin aktiv, insofern wird es ein Flug als Privatperson sein. Als Ehefrau und Mutter folge ich da ehrlich gesagt dem Grundsatz "alle oder keiner". Wir fliegen als Familie zusammen. Damit sie mich nicht falsch verstehen: Ich fühle mich trotzdem sicher an Bord.

*Christina Berger (Name von der Redaktion geändert) hat sieben Jahre als Flugbegleiterin für die Lufthansa gearbeitet. Sie flog sowohl Kurz- als auch Langstrecke. Christina Berger wohnt mit ihrem Ehemann und vier Kindern in Berlin.

Interview: Klaus Bellstedt

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