12-jähriger schreibt Abschiedsbriefe an die Familie, während er in der Schule eingeschlossen ist: „Ich dachte, ich würde sterben“

Ein Mittelschüler schreibt Abschiedsbriefe an die Familie, während er in der Schule eingeschlossen ist. (Fotos: Claudia Charles)

Ein 12-jähriger Junge in North Carolina schrieb am Freitag in größter Todesangst einen emotionalen Abschiedsbrief an seine Familie, während er in seiner Mittelschule eingeschlossen war.

Ajani Dartiguenave ist ein Schüler an der Gouverneur’s Village STEM Academy in Charlotte, wo die Schüler kurz vor dem Wochenende unerwartet eine Alarmsperre hatten. Die Schule befindet sich im selben Bezirk wie die David W. Butler High School, in der vor wenigen Wochen tödliche Schüsse fielen. Es folgten einige weitere Alarmsituationen im Bezirk, bei denen an drei Standorten Waffen gefunden wurden. Nun erlebte Ajanias Mutter Claudia Charles aus erster Hand, was für eine Wirkung diese Vorfälle auf die Schüler hatten: Ihr Sohn kam mit einem beunruhigenden, handgeschriebenen Brief nach Hause.

Charles erzählte Yahoo Lifestyle, dass sie keine Ahnung hatte, was an diesem Tag in der Schule vorgefallen war, als sie ihren Sohn am Freitag abholte. Man hatte die Eltern nicht über den Vorfall informiert.

„Ich sprach mit meinem Sohn, als ich ihn von der Schule abholte. Er erzählte seinen Geschwistern, was passiert war, während ich mit einem Kunden telefonierte. Ich wurde aufmerksam, als meine 6-jährige sagte: „Mama, wenn ich in der Schule sterbe, möchte ich, dass du weißt, dass ich dich lieb habe“, sagt Charles. „Mein ältester Sohn Ajani wurde dann wütend und sagte zu mir: „Mama, wir hatten heute eine Alarmsperre, eine echte Alarmsperre. Ich dachte ich würde sterben. Die Leute weinten und beteten.“

Ajani erzählte seiner Mutter, dass er in den schrecklichen Momenten zwei Briefe an seine Familie geschrieben habe. Der 12-Jährige las sie dann seiner Mutter und seinen Geschwistern vor. Charles schildert das Erlebnis, als ihr Sohn die Briefe vorlas, als “´“herzzerreißend“ und sagt, sie habe sich „hilflos“ gefühlt.

Charles fühlte sich hilflos, als ihr Sohn seine Briefe an sie vorlas. (Foto: Claudia Charles)

„Er hat sogar unsere Adresse oben auf den Brief geschrieben, falls unklar wäre, wer sie geschrieben hat“, fährt Charles fort. „Als er und seine Freunde sich nach der Alarmsperre wieder trafen, meinten sie, sie hätten nicht gedacht, sich jemals wiederzusehen.“

Ein Sprecher der Schule erklärt gegenüber Yahoo Lifestyle: „In der Governor’s Village STEM Academy wurde am 9. November eine begrenzte Sperre von Outdoor-Aktivitäten ausgerufen. Die Schüler durften nicht nach draußen gehen, jedoch gab es normale Abläufe im Gebäude, wie z. B. Klassenwechsel oder Mittagessen, und der gesamte Unterricht verlief wie üblich. „Außerdem heißt es:„ Die Charlotte-Mecklenburg-Schulen bieten jedem Schüler, der mit einem Schulpsychologen über Probleme sprechen möchte, Unterstützung an. Der Bezirk bietet zudem auch Unterstützung für Familien an.“

Dennoch bleibt Charles dabei, von der Schule noch nichts über den Vorfall erfahren zu haben, und auch nicht darüber, wie sie die Ängste ihres Kindes lindern könnte. Die alleinerziehende Mutter beschloss, der Situation mit Ehrlichkeit zu begegnen und erklärte ihrem Sohn, dass sie als Schülerin nie ähnliche Ängste erfahren musste. Gleichzeitig ermahnte sie sich selbst, für ihn stark zu bleiben.

„Es ist bestürzend, dass ich als Elternteil mein Kind zur Schule fahre, um seine Sicherheit zu gewährleisten, und dass er das Gefühl hat, die wirkliche Gefahr sei die Schule selbst“, sagt sie. „Ich bin sauer, dass die Schule auf die Frage von den Lokalnachrichten und Eltern nicht reagiert hat: Was geschehen ist, und wie sie die von diesen Ereignissen traumatisierten Schüler zu unterstützen gedenken.“

Seit dem Butler-Shooting, das 45 Minuten von Charles Zuhause entfernt stattfand, und dem neuesten Zwischenfall hat sie eine offene Kommunikation mit ihrem Sohn geführt, um ihn zu trösten. Sie sagt, sie habe auch ein neues iPhone für Ajani gekauft, dass er mit zur Schule nehmen kann. So soll er das Gefühl haben, dass seine eigene Sicherheit unter Kontrolle ist.

„Ich bin sauer, dass die Schule auf die Frage von den Lokalnachrichten und Eltern nicht reagiert hat: Was geschehen ist, und wie sie die von diesen Ereignissen traumatisierten Schüler zu unterstützen gedenken“ ,sagt Charles. Nun liegt es an ihr, dass sich ihr Sohn sicher fühlt, wenn er täglich das Haus verlässt. „Er weiß, dass ich ihn liebe und obwohl ich als allein erziehende Mutter oft beschäftigt bin, kann er immer mit mir über alles reden.“

Kerry Justich