Tiefe Einschnitte: Bürger empört über „Kahlschlag“ am Kölner Lentpark

Die Stadt verteidigt ihren Eingriff in die Natur.

Bäume, Büsche, Heckenpflanzen – auf einmal ist fast alles weg. Die plötzliche Leere, dort wo vorher dichtes Grün stand, wirkt ungewohnt – und etliche Anwohner und Spaziergänger sind empört. Noch vor einem Monat zog sich entlang der Grünfläche am Lentpark ein dicht bewachsener grüner, vier bis fünf Meter hoher und mehr als 200 Meter langer Wall den Fußweg zwischen Lentstraße und der Abfahrtsschleife der Amsterdamer Straße entlang, bestehend aus Jahrzehnte alten, teilweise bis zu zehn Meter hohen Bäumen, diversem Buschwerk und duftenden Pflanzen wie Flieder. Man bemerkte viele Kleintiere und Vögel, die das Grün zum Ruhen und Nisten nutzten. Nun blickt man nur noch gegen den nackten Zaun der Schrebergarten-Grundstücke und auf jede Menge Stümpfe und liegen gebliebene Äste.

Abgestorbene Bäume

„Es ist ein regelrechtes Kettensägenmassaker“, empört sich Ralph Wittkamp, der öfters im Agnesveedel unterwegs ist und im Park gerne mit seinem Hund spazieren geht. „Gegen ein bisschen Durchforstung und Rückschnitt hätte niemand etwas gehabt, aber so wie es jetzt ist, ist es katastrophal gelaufen. Bis sich das Grün wieder erholt, kann es locker 20 Jahre dauern.“ Die Heckenbepflanzung sei schön anzusehen gewesen; jetzt schaue man auf die hässlichen Zäune und die ebenfalls nicht sehr schönen Schrebergarten-Lauben. Die kleinen Fußballtore, die Hobbysportler zuvor im Grün deponiert hatten, stehen nun „wie auf dem Präsentierteller“ frei herum. Und die Wand eines anliegenden Hauses, zuvor hinter dem grünen Wall verborgen, liege nun ebenfalls frei – und habe bereits die ersten Graffiti-Sprüher angezogen. „Zuerst wurden die Büsche gestutzt, dann komplett abrasiert. Das war dann offenbar nicht genug, und man fing an, auch die Bäume abzuhacken.“

Wittkamp stellt sich die Frage, ob die exzessiven Arbeiten des externen Unternehmens im Auftrag der Stadt vielleicht wirtschaftlich motiviert gewesen wären – nach dem Motto: Je mehr Abholzung, desto höher die Rechnung, die man hinterher stellen kann. Dem sei aber nicht so, beruhigt Manfred Kaune, Leiter des Amtes für Landschaftspflege und Grünflächen. Hintergrund der Arbeiten sei vielmehr ein planmäßiger Rückschnitt. „Sträucher müssen etwa alle acht bis zehn Jahre sehr weit zurück geschnitten, das heißt auf den Stock gesetzt werden, damit sie nicht vergreisen“, erläutert er. Sonst würden die Äste verholzen und kaum noch neue Blüten ausbilden. „Die starken Schnittmaßnahmen dienen dem Erhalt der natürlichen Wuchsform und einer Verjüngung der Gehölze.“ Was die einzelnen Bäume betreffe, die entlang des Streifens standen, handele es sich um abgestorbene Exemplare, die die starke Trockenheit im vergangenen Sommer nicht überlebt haben.

Allgemein lege man Wert auf ein gepflegtes Grün. „Die Gärtner des Amtes für Landschaftspflege und Grünflächen haben kein Interesse daran, die Anlagen zu zerstören, sondern sorgen durch fachmännische Arbeiten für den Erhalt“, so Kaune. Um die Vögel nicht während der Brutzeit zu stören, fänden solche Arbeiten nur zwischen Oktober und Februar statt. Derzeit sei der Anblick zwar nicht sehr schön. Aber: „Die geschnittenen Sträucher sterben nicht ab, sie treiben nun im Frühling neu aus und werden bald wieder buschig mit viel frischem Grün.“...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta