Aufnahmen aus deutschen Schlachthöfen: Verstöße gegen Tierschutz

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Eigentlich soll ein Gas Schweinen die Panik und das Bewusstsein nehmen, bevor sie getötet werden. Doch aktuelle Undercover-Aufnahmen aus deutschen Schlachthöfen zeigen: Manche der Tiere haben Todesangst.

Schlachtung von Schweinen (Archivbild: Getty Images)
Schlachtung von Schweinen (Archivbild: Getty Images)

„Schmerzensschreie im Gas – das größte Tierschutzverbrechen Deutschlands“: Mit diesen Worten beginnt ein aktuelles rund vierminütiges Video der Tierrechtsgruppe „Soko Tierschutz“. Wer es sich anschauen möchte, sollte sich vorher bewusst sein, dass die Aufnahmen schwer zu ertragen sein können.

Zu hören ist fast durchgehend ein ohrenbetäubendes Brüllen von Schweinen, die in der sogenannten „Gasgondel“ eingesperrt sind. Die bringt Tiere in einen tiefergelegenen Betäubungsraum, der mit Kohlendioxid gefüllt ist. Dort sollen sie aufgrund des Sauerstoffmangels nach kurzer Zeit ohnmächtig werden, bevor sie durch Entbluten getötet werden.

„Schonendes Verfahren“

Doch ruhiges oder entspanntes Einschlafen zeigt das Video, ein Zusammenschnitt von Undercover-Aufnahmen aus mehreren deutschen Schlachthöfen, nicht. Im Gegenteil: Die Schweine verfallen in einen panikartigen Zustand, sie schlagen ihre Köpfe hin- und her, immer wieder gegen Gondel-Eisenstangen, verletzen sich dabei. Viele der Tiere werden durch das Gas zudem nicht richtig betäubt, müssen per Bolzenschuss nachbetäubt werden – oftmals, während sie bereits entbluten.

Geschätzt 40 Millionen Schweine werden durch Kohlendioxid jährlich in Deutschland betäubt. Das Gas, so heißt es in dem Video, werde als gut verträgliche Alternative zur Stromzange im Sinne des Tierschutzes beworben und rufe als „schonendes Verfahren“ nur „minimales Unbehagen“ bei den Tieren hervor. Dabei beginnt für die Tiere oftmals schon davor der Stress und die Schmerzen: In den Aufnahmen ist ein Schlachthof-Mitarbeiter zu sehen, der Schweine mit einem – eigentlich verbotenen – Elektroschocker in die Gasgondel treibt, sie auch mit Füßen tritt.

Wirtschaftlichkeit vor Tierschutz

Über das Thema berichtet haben diese Woche zuerst der Report Mainz und die Süddeutsche Zeitung. Zitiert wird dort ein Mitarbeiter eines der Schlachtbetriebe, der Mann wollte anonym bleiben. Er sagt: „Bei diesem Betäubungsvorgang beobachte ich, dass die Tiere einen fürchterlichen Todeskampf haben. Die Betäubungszeiten sind bei uns für mehr als zweieinhalb Minuten genehmigt.“ Es sei außerdem ein ganz qualvolles Ersticken, damit sich die Schweine beim Abstechen nicht mehr wehren könnten – es ginge nur um Wirtschaftlichkeit.

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Einer der Orte, wo die Aufnahmen der Soko Tierschutz entstanden sind, ist der städtische Schlachthof von Kulmbach. Der dortige Leiter, Dirk Grühn, sagt nach Konfrontation mit den Bildern: „Die CO2-Betäubung an sich ist eine suboptimale Betäubung, hat Vorteile und auch Nachteile. Die Nachteile sind mit Sicherheit diese Abwehrreaktionen der Tiere in der Gondel. Diese Methode ist rechtlich zugelassen, obwohl sie eigentlich nicht den Tierschutz in diesem Sinne widerspiegelt:“

Vor der Bundestagswahl keine Änderung

Tatsächlich wäre diese Betäubungsmethode mit dem deutschen Tierschutzgesetz auch nicht vereinbar, schreibt Report Mainz, weil die Tiere Schmerzen und Leiden ohne Grund ausgesetzt würden. Nur: Die höherrangige EU-Schlachtverordnung erwähnt die Kohlendioxid-Betäubung als ausdrücklich zugelassen.

Dazu sagt Barbara Felde von der deutschen juristischen Gesellschaft für Tierschutzrecht: „Wir haben hier zwar in Deutschland das Tierschutzgesetz, wonach es verboten ist, Tieren ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen. Einschlägig für die Schlachtung von Tieren ist aber eine EU-Verordnung.“ Um diesen Widerspruch aufzulösen, müsste laut Felde die EU entweder die Verordnung ändern, oder Deutschland explizit erlauben, ein nationales Verbot der Methode im Gesetz zu implementieren.

Vor der anstehenden Bundestagswahl sind legislative Änderungen nicht zu erwarten. Im Schlachthof in Kulmbach aber soll ab Herbst die Betäubung mit Kohlendioxid ersetzt werden – durch ein heliumhaltiges Gasgemisch. Das Verfahren sei, so Report Mainz, zwar teurer. Wie ein wissenschaftliches Experiment aber gezeigt habe, würden Tiere damit tierschutzkonform einschlafen.

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