Aufregung um Martin Luther King-Skulptur: "Das ist ein Penis"

Eine neue Skulptur zu Ehren von Martin Luther King in Boston erhitzt die Gemüter. Auf den Sozialen Medien spotten viele über die stilisierte Umarmung, die aus manchen Perspektiven eher obszön wirkt.

Die Skulptur in Boston löst heftige Debatten und viel Spott aus. (Bild: Craig F. Walker/The Boston Globe via Getty Images)
Die Skulptur in Boston löst heftige Debatten und viel Spott aus. (Bild: Craig F. Walker/The Boston Globe via Getty Images)

Darstellen soll die Skulptur eigentlich eine Umarmung zwischen Dr. Martin Luther King Jr. (MLK) und seiner Frau Coretta Scott King, nachdem er 1964 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden war. Doch aus der Würdigung für den großen Bürgerrechtler, der 1968 von einem rassistischen Attentäter erschossen wurde, ist nun eine heftige Diskussion geworden. Denn das zehn Millionen US-Dollar teure Kunstwerk (umgerechnet knapp 9,2 Millionen Euro) löste eine Online-Kontroverse aus, sogar ein Verwandter der King-Familie meldete sich zu Wort.

Kurz nach der feierlichen Präsentation machten Bilder der Skulptur auf den Sozialen Medien die Runde. Und was die User*innen darin zu erkennen glaubten, hatte mit einer liebevollen Umarmung nichts mehr zu tun. Seneca Scott, der Cousin der 2006 verstorbenen MLK-Witwe, sprach es in einem Interview mit der "New York Post" deutlich aus. "Als es enthüllt wurde sagte ein kleiner Junge 'Das ist ein Penis' und alle sagten: 'Yo, das ist ein großer alter Schwanz'", so der 43-jährige gegenüber der Gazette.

Ist die "Woke"-Kultur Schuld?

Nahe des Standorts im Boston Commons hatten sich MLK und Coretta einst am College kennengelernt. Die Familie, darunter auch Sohn Martin Luther King III, hatten die Skulptur des Künstlers Hank Willis Thomas im Vorfeld abgesegnet. Der Bildhauer wird auf seiner Website mit dem Satz zitiert, dass alles Geschichtenerzählen abstrakt sei. Anscheinend aber zu abstrakt für viele. Seneca Scott zumindest gibt der "Woke"-Kultur die Schuld an dem aus seiner Sicht misslungen Kunstwerk: "Wenn man durch all das gegangen ist, um dann mit diesem Ergebnis zu enden, ist etwas kaputt."

Diesen Eindruck von dem Bronze-Kunstwerk teilten offensichtlich viele Menschen. Online-Kritiker*innen hielten sich nicht zurück, viele fanden die Skulptur sogar pornografisch. User*innen posteten Bilder der Statue aus verschiedenen Ansichten. Einer schrieb dazu: "Ziemlich wild, dass die MLK-Skulptur so gemacht ist, dass sie aus jedem Winkel wie ein anderer sexueller Akt, ein Loch oder eine Körperfunktion aussieht."

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Eine Userin wies darauf hin, dass die Statue aus einem bestimmten Blickwinkel durchaus die Umarmung widerspiegele. Doch für eine Ehrenrettung aus künstlerischer Sicht dürfte es inzwischen zu spät sein.

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Die heftige Kritik und der Online-Spott heizten wiederum eine Rassismus-Debatte in den Sozialen Medien an. Dort wurde die Frage aufgeworfen, warum die Statue des Schwarzen Bürgerrechtlers ohne Gesicht gezeigt sei. Und auch im Lächerlichmachen des Kunstwerkes vermuteten viele einen rassistischen Unterton.

Für den Cousin der King-Witwe fällt das Urteil jedenfalls harsch aus. Er findet, die fast drei Tonnen schwere Bronzeskulptur solle am besten eingeschmolzen werden. Die hohen Kosten seien zudem eine doppelte Beleidigung für die Schwarze Community: "Man gibt zehn Millionen für eine Statue ohne Köpfe aus? Das ist doch ein Witz", zitiert die "Post" den Verwandten.

Im Video: "Umarmung": Hommage an Bürgerrechtsbewegung in Boston