"Bares für Rares": Das waren die überraschendsten Raritäten 2020

Willy Flemmer
·Freier Autor für Yahoo
·Lesedauer: 7 Min.

Auch dieses Jahr wurden in der Trödelshow "Bares für Rares" mit Antiquitäten, Raritäten und Kuriositäten gehandelt. Wir zeigen die überraschendsten Objekte des Jahres.

Die Trödelshow "Bares für Rares" ist seit Jahren bei den Zuschauern beliebt. Im Bild: Moderator Horst Lichter (vorne) und die Händler Walter "Waldi" Lehnertz, Dr. Elisabeth "Lisa" Nüdling, Julian Schmitz-Avila, Christian Vechtel und David Suppes (von links nach rechts) - Bild: ZDF und Frank W. Hempel
Die Trödelshow "Bares für Rares" ist seit Jahren bei den Zuschauern beliebt. Im Bild: Moderator Horst Lichter (vorne) und die Händler Walter "Waldi" Lehnertz, Dr. Elisabeth "Lisa" Nüdling, Julian Schmitz-Avila, Christian Vechtel und David Suppes (von links nach rechts) - Bild: ZDF und Frank W. Hempel

Seit 2013 erfreut sich die ZDF-Trödelshow "Bares für Rares" bei den Zuschauern großer Beliebtheit. Den Erfolg verdankt die Sendung auch ihrem einfachen Konzept: Verkäufer bringen Gegenstände in die Sendung, von denen sie hoffen, dass es sich um Kostbarkeiten handelt. Nachdem die Experten den Wert der Antiquitäten, Raritäten und Kuriositäten taxiert haben, werden sie von den Händlern ersteigert. Dabei kommt es immer wieder zu Überraschungen. Auch dieses Jahr gab es davon reichlich, wie wir nachfolgend zeigen.

Eine gute Investition

Den höchsten Preis in der Geschichte der Trödel-Sendung erzielt diese Rarität in einer November-Ausgabe von "Bares für Rares" zwar nicht. Für eine kleine Sensation sorgt der Ring dennoch. Denn: Der Besitzer hatte das gute Stück wenige Monate zuvor für seine Frau im Internet erworben – für 25 Euro. Ein Schnäppchen, wie sich im Laufe der Sendung herausstellen wird. Denn der Ring sieht nicht nur golden aus, er ist auch aus purem Gold. Und der Stein: ein grüner Beryll aus Russland. Zwar hat der einen Riss, dennoch schätzt Expertin Heide Rezepa-Zabel das Schmuckstück auf 220 Euro. Im Händlerraum ist die Überraschung noch größer, denn auch die Händler sind begeistert. Am Ende geht die Rarität für 550 Euro an Elke Velten. Für 25 Euro gekauft und das Zweiundzwanzigfache verkauft – das nennt man eine gute Investition.

Wechselbad der Gefühle

Durch ein Wechselbad der Gefühle gehen diese Verkäufer in einer am 18. März ausgestrahlten Folge. Ein Paar bringt ein ausgefallenes Schmuckstück in die Sendung. Das Armband mit 291 Diamanten stellt sich als weitaus wertvoller heraus, als es sich der Mann und seine Partnerin erhofft hatten.

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Sie wünschten sich für das Schmuckstück 7.000 Euro, Heide Rezepa-Zabel schätzte es auf sprachlos machende 18.000 bis 20.000 Euro. Der großen Überraschung folgte die große Enttäuschung. Die Händler mögen das Armband durchaus, allerdings ist keiner bereit, mehr als 10.500 Euro zu bieten. Das letzte, ernüchternde Wort hat Schmuckexpertin und -händlerin Susanne Steiger.

"Mächtiger Solitärring", taffe Verkäuferin

Nicht nur mit einem schönen Schmuckstück, sondern auch einer sprichwörtlich harten Nuss in Gestalt einer Verkäuferin haben es die Händler in der Episode vom 30. April zu tun. Besitzerin Sandra will den Ring verkaufen, den ihre Mutter von deren Großtante geerbt hatte. Die Bewertung der "liebsten Heide" – wie Moderator Horst Lichter Expertin Heide Rezepa-Zabel nennt – fällt mehr als positiv aus: "Es ist ein mächtiger Solitärring" mit einem "fancy Diamanten". Das heißt: "Die Farbe befindet sich außerhalb der so genannten Weißreihe". Kurzum: Der Ring ist toll – und teuer. Rezepa-Zabel taxiert den Wert zwischen 32.000 bis 34.000 Euro. Sandra muss Schlucken, denn sie rechnete mit 2.500 Euro. Leider entpuppen sich die Händler als Spielverderber. Das höchste Gebot kommt von Susanne Steiger, 18.000 Euro. Zu wenig für die Verkäuferin: "Ich geh nicht unter 20.000". Sagt es, nimmt den Ring wieder und geht von dannen.

Immer adrett gekleidet: Moderator und Hutträger Horst Lichter (Bild: ZDF/Willi Weber)
Immer adrett gekleidet: Moderator und Hutträger Horst Lichter (Bild: ZDF/Willi Weber)

Collier als Betrugsgeschenk

Das bemerkenswerteste an dieser Rarität in einer am 11. November ausgestrahlten Folge ist die persönliche Geschichte, die dahinter steckt. Marianne Bechtold hat die Halskette von ihrer Großmutter geerbt, die das Schmuckstück wiederum von ihrem Mann geschenkt bekam. Interessant dabei: Er schenkte es der Oma "aus dem Grund", sagt Marianne, "weil er sie öfters betrogen hat. "Je schlimmer der Betrug", fügt sie hinzu, "desto größer das Collier."

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So gesehen, dürfte der Betrug im Fall des mitgebrachten Schmuckstücks besonders schlimm gewesen sein. Den Wert der vermutlich in den 1950er gefertigten Kette schätzt Expertin Heide Rezepa-Zabel auf bis zu 5.000 Euro. Bekommen hat Marianne für das Zeugnis der Untreue ihres Opas am Ende 4.000 Euro. Ein Schelm, wer jetzt denkt: Da hat sich das Fremdgehen von Opa doch bezahlt gemacht.

"Prachtexemplar" unter Wert verkauft

Eher enttäuschend verläuft der "Bares für Rares"-Auftritt für Alfred Fischer. Er bringt in die Sendung vom 11. November einen Parfüm-Flacon aus geschliffenem Bergkristall mit. Es wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von keinem Geringeren als François-Désiré Froment-Meurice gefertigt, dem "Shooting-Star" jener Zeit, wie Heide Rezepa-Zabel meint. Die Expertin ist von dem Fläschchen, dem "ausgezeichneten Stück", denn auch ganz hingerissen. Dessen Wert beziffert sie mit 13.000 bis 14.000 Euro. Alfred ist an dieser Stelle "erstmal sprachlos", wie er sagt. Die Ernüchterung kommt wenig später, denn für das "Prachtexemplar" (Rezepa-Zabel) wollen die Händler nicht mehr als 7.000 Euro bieten.

Dudelsack? Feuerlöscher? Wasserpfeife?

Im Mai sorgt Verkäufer Helmoed Grunder in der Sendung für Rätselraten. Im Auftrag eines Kunden will der Maler eine Kuriosität aus den Niederlanden verkaufen. Doch was ist das für ein seltsames Ding? Selbst Experte Detlev Kümmel weiß nicht viel damit anzufangen. Ist es ein Feuerlöscher? Moderator Horst Lichter denkt eher an ein Musikinstrument. Dem Aussehen nach könnte es sich auch um eine Wasserpfeife handeln. Alles weit gefehlt. Verkäufer Helmoed klärt auf: "Das ist eine Art Hochdruckreiniger. In den Niederlanden wurde das benutzt, um die Fenster zu putzen". Das Gerät kennt auch niemand von den Händlern. Trotzdem erwirbt Roman Runkel die Kuriosität für 70 Euro. Sein Kaufgrund: "Das ist einfach mal nur jeck".

Das Team von "Bares für Rares": Moderator, Händler und Experten (Bild: ZDF/Frank Dicks)
Das Team von "Bares für Rares": Moderator, Händler und Experten (Bild: ZDF/Frank Dicks)

Gegenstände aus Elfenbein

Die Grenze zum ethisch Fragwürdigen streift das Mitbringsel eines Verkäufers in einer März-Sendung. Es war ein Kästchen, von dessen Inhalt auch der Besitzer nicht weiß, worum es sich handelt. Sven Deutschmanek weiß Bescheid: Die Schachtel enthält Nährwerkzeug aus Elfenbein.

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Aus demselben umstrittenen Material besteht auch der fischförmige Bieröffner – ebenfalls Teil des Konvoluts. Die Raritäten sorgen auch im Händlerraum für Befremden. Elke Velten-Tönnies will beim Bieten nicht mitmachen. "Ich bin da raus, weil ich kein Elfenbein handeln kann", sagt sie. Trotzdem wechselt die Rarität den Besitzer – für 80 Euro. Höchstbietender ist nicht 80-Euro-Mann Walter Lehnertz, sondern Daniel Meyer.

Bieterschlacht um asiatische Tempelgarnitur

Für die XXL-Abendshow am 22. Juli ist das Schloss Drachenburg in Königswinter, Nordrhein-Westfalen die perfekte Kulisse für die Rarität, die das Ehepaar Adriane und Thomas Krippner aus München dabei hat. Es handelt sich um eine chinesische Tempelgarnitur aus Räuchergefäß, Kerzenleuchtern und Ziervasen. Experte Detlev Kümmel hält die Gegenstände aus der Qing-Dynastie (frühes 17. Jahrhundert bis Anfang 20. Jahrhundert) für eine "Rarität".

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Dafür spricht neben den verwendeten Materialien auch die sorgfältige und detailverliebte Arbeit der Künstler. Den Wert der vollständigen Garnitur schätzt Kümmel auf 9.000 bis 12.000 Euro. Im Händlerraum sind besonders Susanne Steiger und Daniel Mayer von den seltenen Stücken begeistert, sie liefern sich darum regelrechte eine Bieterschlacht. Steiger geht als Siegerin hervor, sie erwirbt die Garnitur für 13.000 Euro.

Salon-Erotika

Freizügig geht es in einer Folge am 13. August zu. Zum Verkauf steht eine Statue, die eine Schlangenbeschwörerin – in Fachkreisen auch Salambo genannt – darstellt. Der Besitzer hat die leicht bekleidete, lasziv um eine Kobra tanzende Schönheit von der Oma geerbt. 1923 gefertigt, ist die Statue nach "dem damaligen Zeitgeschmack möglichst exotisch angetan", sagt Experte Colmar Schulte-Goltz. Im Raum nebenan ist auch so mancher Händler von der "Salon-Erotika" aus der Rosenthal-Manufaktur betört. Händlerin Elke Velten bleibt mit 350 Euro trotzdem unter dem Schätzpreis von 480 bis 580 Euro. Für Jürgen zu wenig, er nimmt Salambo wieder nach Hause, um ihr einen "Ehrenplatz" in der neuen Küche zu geben.

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