Besucherandrang im Kölner Zoo: Alle wollen Moma sehen

Das kleine Elefantenbaby zieht nicht nur die Blicke der Zoo-Stammgäste auf sich.

Auf der Aussichtsplattform gegenüber dem Spielplatz stehen die, die immer hier stehen. Stammbesucher mit Jahreskarten oder Fotografen mit teils beeindruckenden Objektiven. Nicht wirklich, aber in der Fantasie rüssellang.

In diesen Tagen teilen die Stammgäste ihren Platz, aber auch ihr Wissen jedoch mit ganz vielen anderen. Fast alle, die derzeit in den Zoo kommen, wollen Moma sehen. Nicht die Fernsehsendung – den kleinen Babyelefanten gleichen Namens, der dort mit gerade einmal 80 Kilogramm und mit noch ziemlichen Gummibeinchen aus dem Haus Richtung Wasser gewackelt kommt.

Elefantennamen für viele Besucher gewöhnungsbedürftig

„Ich finde den super“, sagt Besucherin Christine Althaus. Sie kommt immer, wenn ein Junges in Köln zur Welt kommt, möglichst täglich her. Nur der Name sei so „na ja“. „Aber immer noch besser als Ming Jung oder Jung Bul Kne. Die sind ja unmöglich.“ Für den echten Elefanten-Fan muss es halt möglichst original asiatisch sein.

Althaus beobachtet die Entwicklung der Tiere, befragt die Pfleger und reist den Tieren sogar hinterher, wenn sie an einen anderen Park abgeben werden. Und Kölns achtem Elefantenbaby, das nur knapp zwei Monate nach dem Dreigestirns-Bullen Jung Bul Kne zur Welt gekommen ist, wünscht die 73-Jährige „die guten Eigenschaften seiner Eltern“.

Vater Sang Raja ist ein Familienelefant

Mutter Marlar sei „sehr sanft und sozial eingestellt“, Vater Sang Raja – anders als viele andere Elefantenbullen, die eher Einzelgänger seien –, überraschend familiär eingestellt.

Die Mitglieder der nunmehr 15-köpfigen Gruppe im Elefantenpark kümmern sich alle rührend um den Kindergarten. Denn mit den beiden Kleinsten tollt der kürzlich ein Jahr alt gewordene und nicht sehr viel größere La Min Kyaw mit durch das Haus und das Außengehege.

Dabei geht es zeitweise ordentlich zur Sache, wie Zoo-Direktor und Elefanten-Kurator Theo Pagel berichtet. „Jung Bul Kne erweist sich als kleiner Stinker“, berichtet er. „Er hätte Moma am Tag nach seiner Geburt beinah ins Wasserbecken geschubst. Das sind halt Jungs.“ Mutter Marlar und die „Tanten“ seien aber rechtzeitig zur Stelle gewesen und hätten die Situation mit vollem Körpereinsatz, aber in Ruhe gelöst. Ein liebevoller, aber bestimmter Tritt reiche oft aus.

Das Nesthäkchen braucht noch viel Schlaf

Doch selbst, wenn das Nesthäkchen Bekanntschaft mit dem Wasser machen sollte, sei das nicht weiter schlimm. „Elefanten können von Geburt an schwimmen und tauchen.“ Moma sei zudem sehr fit und schon extrem viel unterwegs. Dabei übernimmt er sich manchmal. „Dann fällt er nachmittags einfach um und schläft ein.“

Eine Welt-Sensation sei der Kölner Elefantensegen nicht – auch Hannover erwartet das vierte Jungtier in einem Jahr, zwei kamen innerhalb von 24 Stunden – und trotzdem einmalig, wie Pagel erklärt. „Es ist wichtig, dass die Kühe rechtzeitig trächtig werden, damit sie nicht unfruchtbar werden.“ So sei es mit Maejaruad geschehen („Sie bleibt für immer Tante“). Kühe sollten aber auch nicht alle zwei, drei Jahre gebären. Welches Tier wann, wo und wem nahe kommt, gibt ein Zuchtbuchführer in Rotterdam vor.

Mit jedem geborenen Jungtier werde aus der Patchwork-Familie von einst ein eingeschworener Herden-Verband, beobachtet Pagel zufrieden. Herrschte nach der ersten Geburt aufgeregtes Trompeten im Elefantenhaus, sei inzwischen nach jeder Niederkunft „totale Ruhe und Frieden“. Die ganze Herde gehe routiniert mit dem Nachwuchs um.

Herde kümmert sich um den Kleinen

Marlars Adoptivmutter Laongdaw kümmert sich mit, die kinderlose Maejaruad umsorgte erst Jung Bul Kne und jetzt Moma, die erst fünf Jahre alte Bindi zeigt eine Vorliebe für die Babys und ebenso „Oma“ Thi Ha Phiu – trotz Arthrose. „Das zeigt, dass die Grundidee unserer Haltung funktioniert.“

Mit Moma ist nach einem ausgewogenen Geschlechterverhältnis unter den Neugeborenen bis 2009 nun der fünfte „Junge“ in Folge geboren. „Hauptsache gesund“, findet Christine Althaus zwar grundsätzlich. „Aber es wäre schon schön, wenn wir mal wieder Mädchen kriegen würden, damit die Herde sich selbst erhält. Sonst gehen die alle weg.“ Tierpfleger Oliver Reller hätte da eine – wenn auch radikale – Idee: „Wir haben der Direktion schon vorgeschlagen, die Przewalski-Pferde abzugeben und auf ihrer Fläche eine Bullengruppe zu eröffnen.“

Männliche Elefanten werden in Freiheit ebenso wie im Zoo mit vier bis fünf Jahren aus ihrem Geburtsverband gedrängt. Sie kommen sich mit anderen Bullen in die Quere und sind zugleich zu jung, um von den Kühen als Partner akzeptiert zu werden. Sie müssen die Gruppe verlassen.

Der Heidelberger Zoo hält aus diesem Grund die derzeit einzige Jungbullen-WG asiatischer Elefanten in Deutschland. Hier lernen „Halbstarke“ wichtiges Gruppenverhalten, bis sie Zuchtbulle in einem anderen Zoo werden können.

Mehr Infos unter www.koelnerzoo.de....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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