„Ich bleibe dem Verein treu“: 26-jähriger Judoka als „Trainer des Jahres“ ausgezeichnet

Jan Schmidt sprang als Trainer in die Bresche, als Engpässe entstanden.

Eine würdige Auszeichnung für einen tollen Athleten und wirklichen Sportsmann: Im Alter von erst 16 Jahren hatte 2008 der Judoka Jan Schmidt vom ESV Olympia Köln spontan Teile des Vereinstrainings sowie organisatorische Aufgaben kommissarisch übernommen, als sein eigener Trainer, sportlicher Mentor und jahrelanger Wegbegleiter Hans-Josef Marquet nach einem Herzinfarkt stark eingeschränkt war – und im Jahr darauf mit 64 Jahren verstarb. Auch während seines zeitweiligen Weggangs aus Köln blieb Schmidt seinem Verein verbunden; seit Januar 2016 ist er Abteilungs- und sportlicher Leiter der „Eisenbahner“ von der Werkstattstraße.

Nun wurde der 26-Jährige bei der Auszeichnung „Trainer des Jahres“ vom Deutschen Judobund (DJB) und der Redaktion des Judo-Magazins zum Sieger in der Kategorie „Besonderes Engagement“ gekürt. Im Rahmen der Deutschen Meisterschaften in Stuttgart nahm er seinen Preis entgegen. Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ traf Schmidt im Vereins-Dojo – dem Trainingsraum – an der Werkstattstraße.

Herr Schmidt, herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung! Wenn Sie sich zurückerinnern – wie schnell stand der Entschluss fest, das Training weiterzuführen, und wie kam es dazu?

Ich bin schon seit 1999, als ich sieben Jahre alt war, Mitglied im Verein. Mein Trainer machte alles für den Club. Er war ein herausragender Mensch; wenn man so eine Person hat, mit der man fast jeden Tag in der Halle verbringt, war das einfach selbstverständlich. Ich habe seine Ideale mitbekommen und wollte, dass der Verein nicht zugrunde geht.

Haben Sie das Traineramt lange ausüben müssen, bis sich eine Unterstützung fand?

Als ich 2008 damit angefangen hatte, habe ich das zuerst hauptsächlich allein gemacht, bis wir dann 2009 einen neuen Haupttrainer fanden. Ich habe dann die Kindergruppen der Abteilung übernommen. Als so junger Mensch hätte ich die gesamte Abteilung nicht so lange überblicken können. Zudem begann ich ab 2012 meine Berufsausbildung, für die ich in ganz Deutschland unterwegs war. Um 2015/2016 herum, als ich nach Köln zurück kam, übernahm ich mit Dominic Kaiser dann die Abteilungsleitung im Judo. Seitdem hat sich unsere Mitgliederzahl fast verdoppelt, auf heute 155. Darauf sind wir sehr stolz.

Wie schnell lernt man Judo überhaupt?

Als Kind kann man bei uns im Alter ab fünf Jahren mitmachen. In den ersten Jahren geht es hauptsächlich um Beweglichkeit, Koordination und Freude an Sport und Spiel. Zudem spielen die Judo-Werte wie Respekt, Freundschaft, Mut und Hilfsbereitschaft eine große Rolle. Wettkämpfe stehen bei unseren Kleinen nicht im Vordergrund – wir führen sie aber langsam heran. Aber selbst als Erwachsener kann man in kurzer Zeit, binnen ein bis zwei Jahren, die Grundtechniken erlernen, so dass man schon einiges kann. Bis zu dreimal die Woche kann man bei uns trainieren, wenn man mag. Zu einem Probetraining kann man immer ganz unverbindlich und kostenlos vorbei kommen!

Was sind die sportlichen Ziele des Vereins?

Wir sind ein wettkampforientierter Breitensportverein. Drei von unserer Erwachsenengruppe, zwei Mitstreiterinnen und ich, hatten sich sogar für die Deutschen Meisterschaften qualifiziert, die Ende Januar stattgefunden haben. Wir haben aber auch Wettkampfmannschaften, darunter unsere neu-gegründete Frauenmannschaft und U16-Mannschaft sowie unsere 2017 gegründete Männermannschaft, die bereits in der ersten Saison umgehend den Aufstieg in die nächsthöhere Liga schaffte. Aber am Wichtigsten ist uns nach wie vor die Freude am Sport, und das familiäre Miteinander im Verein.

Wie lange wollen Sie noch als Trainer weitermachen?

Da gibt es kein Ende. Ich bleibe dem Verein, wie einst mein Trainer, bis zu meinem Lebensende treu. Ich will auf jeden Fall in Köln bleiben. Und wir haben viel aufgebaut: Wir haben neue Jugendgruppen in allen Altersklassen, wir bieten Sommercamps mit Ferienfreizeit-Angeboten, Nachtwanderungen, Übernachtungen im Dojo und Ausflüge an. Sehr wichtig ist uns, dass bei uns die Frauen/Mädchen und Männer/Jungs gleichgestellt sind und auch zusammen trainieren....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta