Klüger kaufen

Nicht empfehlenswert: Nahrungsergänzungsmittel für Kinder

Durchgefallen: Nahrungsergänzungsmittel für Kinder. (Bild: thinkstock)Durchgefallen: Nahrungsergänzungsmittel für Kinder. (Bild: thinkstock)

Für unsere Kinder nur das Beste: Mancher greift da zu Nahrungsergänzungsmitteln, die etwa die Lern- und Konzentrationsfähigkeit erhöhen sollen. Die Stiftung Warentest hat exemplarisch zwölf Produkte getestet. Das Ergebnis ist leider mehr als ernüchternd, alle wurden mit „wenig geeignet“ beurteilt.

Lernen ist nicht immer ein Kinderspiel. Stillsitzen und konzentrieren – da können Schultage schnell mal ganz schön lang werden. Die Gedanken schweifen ab, es wird mit dem Stuhl gekippelt oder die Kids verlieren sich in Tagträumen. Dann bleibt vom Lernstoff nicht allzu viel hängen. Abhilfe versprechen Nahrungsergänzungsmittel. Die Hersteller locken mit Werbeslogans wie „Klugstoff für Kinder“, „So kauen die Schlauen“ oder „den Gehirnmotor schmieren“.

Andere tragen die Verheißungen schon im Namen, wie etwa „Omega IQ Junior“ oder „Brain Effect Junior“. Die Stiftung Warentest nahm zwölf Produkte genau unter die Lupe und kam zu dem Ergebnis: „Viele Versprechen – wenig dahinter. Alle bewerteten wir als ,wenig geeignet‘, da ihr Nutzen nicht ausreichend belegt ist.

Fragwürdige Werbung
Der Rotbäckchen-Saft „Lernstark“ liefert beispielsweise Eisen und B-Vitamine, heißt es im Test. Doch damit sind Kinder schon bestens über die Nahrung versorgt, wie die in 2007 veröffentlichte „Eskimo“-Studio zu Kinderernährung gezeigt habe. „Daher finden wir auch Werbung in Apotheken fragwürdig, die Vitamin- und Mineralstoffmängel unterstellt“, so die Experten.

Alle anderen von test untersuchten Präparate enthalten Omega-3-Fettsäuren aus Seefisch, Omega-6-Fettsäuren aus Pflanzen und weitere Substanzen wie Vitamine und Mineralstoffe. Sieben davon würden rechtlich als Nahrungsergänzungsmittel gelten, vier weitere seien als „ergänzende bilanzierte Diäten“ zum Einsatz bei der kindlichen Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) gedacht. Im Test waren das: „Das gesunde Plus Konzentration & Lernen – Für Kinder“ von dm, „Esprico“ von Engelhard, „Omega-3 junior“ von Hübner und „Addy Plus Junior“ von Vital Products.

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Gerade die ADHS-Präparate sollten Verbraucher kritisch betrachten, denn sie sehen aus wie Arzneimittel. Doch es gibt einen Unterschied: „ Medikamente müssen, bevor sie auf den deutschen Markt kommen, ihre Wirksamkeit und Sicherheit durch klinische Studien nach hohen wissenschaftlichen Maßstäben beweisen. Nahrungsergänzungsmittel benötigen nichts dergleichen“, so die Ernährungsexperten von test.

ADHS-Produkte nicht empfehlenswert
Fest steht: Omega-3- und -6-Fettsäuren sind wichtig, damit das Gehirn ausreichend Leistung erbringen kann. Es gibt auch Hinweise, dass Mängel ADHS fördern. In Studien, in denen Kinder die Fettsäuren per Pillen bekamen, haben sich jedoch keine oder nur so geringe Effekte gezeigt, dass die Einnahme nicht empfehlenswert sei, heißt es weiter.

Aufgrund dieser Erkenntnisse erließ die EU-Kommission eine Verordnung mit 222 erlaubten Slogans. Demnach dürfen Hersteller nicht mehr damit werben, dass sich Omega-Fettsäuren günstig auf die geistige Entwicklung oder das Lern- und Konzentrationsvermögen auswirken. Seit 14. Dezember 2012 hat die Verordnung Gültigkeit. Doch das scheint die Hersteller nicht zu interessieren. Denn test kaufte alle Produkte nach diesem Datum noch einmal ein und fand die Angaben auf den Packungen und Beipackzetteln unverändert vor. „Möglich, dass Händler noch alte Produkte abverkaufen – oder Hersteller die Verordnung noch nicht befolgen“, so die Warentester.

Tipp der Experten
Für kluge Kinderköpfe empfehlen die Ernährungsexperten täglich genügend Bewegung im Freien, denn das fördert die Durchblutung und Nervenvernetzung des Gehirns. Zur ausgewogenen Ernährung gehört neben Obst, Gemüse, Kartoffeln, Magerfleisch, Vollkorn- und Milchprodukten auch zweimal wöchentlich fetter Seefisch wie Lachs, Hering oder Makrele. Wer dazu noch Lein- oder Rapsöl verwendet und täglich ein paar Walnüsse in den Ernährungsplan einbaut, hat sein Kind optimal versorgt – und zwar ganz ohne Pillen.

Den vollständigen Test der Stiftung Warentest zum Thema „Nahrungsergänzungsmittel für Kinder“ finden Sie hier (kostenpflichtig).

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