Johannes B. Kerner und die dickste Flüchtlingssauce der Welt

Jan Rübel
Reingezoomt
Frei von Schuld: Johannes B. Kerner. Foto: Caroline Seidel
Johannes B. Kerner. Foto: Caroline Seidel

Mit einer Spenden-Gala will das ZDF uns gut zureden, damit wir artig zu Flüchtlingen sind und uns toll dabei finden. Für diese Sendung braucht es eine Schmerzzulage.

Ein Kommentar von Jan Rübel

Beim Kochen ist es schnell passiert: einen Hauch von Salz zuviel, und das Essen schmeckt nicht mehr. Auf die richtige Mischung kommt es an. Johannes B. Kerner geht da grobkörniger ans Werk – er kippt in seine Fernsehgerichte gern ganze Lasterladungen Gewürz. Ein Ergebnis der extra Schwerstklasse gab es bei der ZDF-Spendengala „Auf der Flucht – Deutschland hilft!“

Warum eigentlich eine Unterhaltungssendung zu Flüchtlingen? Zugegeben, nicht jedes ernste Thema sollte ausschließlich moralinsauer wie das „Wort zum Sonntag“ oder atemlos schockiert wie in einem der zahllosen TV-Politmagazine angegangen werden. Aber passen sollte es schon. Oder gibt es demnächst den Grand Prix d’Eurovision aus Aleppo? Eine Quizshow mit tanzenden Eisbären zum Klimawandel?

Das Septembermärchen muss erst erzählt werden

Sulzige Klavierklänge im Minutentakt. Ein gutes Zureden, das irgendwann nervte. Das Wort „Danke“ hörte man so oft, dass irgendwann der Eindruck aufkam, die TV-Macher dieser Charitainment-Sendung wollten uns alle hypnotisieren. Und genau darin liegt ein großes Problem.

Es ist richtig und wichtig, das Leid, die Hoffnung und die Hilfe rund um Flüchtlinge ins Zentrum von Fernsehsendungen zu rücken. Es ist gut, zu Spenden und konkretem Mitanpacken aufzufordern. Und es ist auch noch okay, diese Welle der Mitmenschlichkeit, die sich gerade in Deutschland auftut, nicht tatenlos verebben zu lassen und eine Weile auf ihr zu surfen. Woran es uns in Deutschland mangelt, ist Empathie. Ist einfach so. Kann kein Arzt mit einer Medizin wegheilen. Und da mag diese Welle helfen, vor allem weil jetzt viel getan werden muss, um aus diesen vielen Einwanderungen von Flüchtlingen tatsächlich eine Erfolgsstory zu machen. Denn das Lied ist noch längst nicht gesungen.

Nur Betroffenheit reicht nicht aus

Medienformate wie die ZDF-Spendengala aber überstrapazieren die Nerven. Sie suggerieren, alles werde gut. Alles sei schon gut. Wir seien gut. Leider ist es nicht so einfach.

Was wir brauchen, sind ehrliche Auseinandersetzungen. Das Unwort „Asylkritiker“ geistert umher, Unterkünfte für Flüchtlinge werden angegriffen – und immer noch wabern Bedenken und Ängste durch unsere Gesellschaft, die, so unbegründet sie sein mögen, nicht bis morgen verschwinden werden. Da sind Sendungen wie Kerners Flüchtlingstainment wie Wasser auf die Mühlen der Rassisten und Verschwörungsfanatiker, die sich gerade einreden, Medien würden manipulieren und Brainwashing betreiben. Die meinen, eine Clique da oben versuche die da unten zu verarschen. Die behaupten, die wirklichen Probleme würden nicht angesprochen.

Natürlich spinnen die. Aber ein Johannes B. Kerner, der übrigens auch schon schlechtere Sendungen gemacht hat, wird sie nicht zum Nachdenken bringen.



















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