Ultras schicken Spieler weg: Fan-Ärger auch nach BVB-Gala

Martin van de Flierdt, Christoph Küppers
Verwundert über Teile der eigenen Fans: BVB-Mittelfeldspieler Julian Weigl

Manchmal passieren im Fußball merkwürdige Dinge. Da besiegt Borussia Dortmund mit einem entfesselten Auftritt Bayer Leverkusen mit 4:0 - und trotzdem wollte der harte Kern der Fan-Szene hinterher lieber einen der Gegner als die eigene Mannschaft feiern.

Die Dortmunder Fans forderten lautstark das Erscheinen des langjährigen Borussen Sven Bender vor der Südkurve. Die eigene Mannschaft dagegen wurde weggeschickt, Buhrufe und ablehnende Gesten vieler BVB-Ultras machten es deutlich.

Der schwache Auftritt im Revier-Derby beim FC Schalke 04 wird den Borussen noch immer übel genommen - wie auch an den Schmähplakaten auf der Südkurve deutlich wurde ("Den Stellenwert des Derbys nicht verstanden. Versager!"). 


Weigl verwundert über BVB-Ultras

"Als wir hingegangen sind, haben sie uns weggeschickt. Eine komische Situation", berichtete Julian Weigl später in der Mixed Zone.

Für Weigl kam die Ablehnung der gemeinsamen Feier auch deshalb überraschend, weil "die Fans uns während des Spiels unterstützt hatten". Hinterher dagegen "war der Zorn wohl noch da".

Was die Lage noch verworrener machte: Die negativ eingestellten Ultras bekamen auch auf der Südkurve Gegenwind, es gab auch viel Applaus für die Spieler.

Auch im Netz wurde nach der Partie der Graben innerhalb der Dortmunder Fan-Szene deutlich: Der unfreundlich gestimmte Teil der Ultra-Szene musste sich auch von vielen Dortmundern den Vorwurf unangebrachter Selbstdarstellung anhören.

Linksverteidiger Manuel Akanji - Ersatz für den aus dem Kader geflogenen Kapitän Marcel Schmelzer - machte nach der Partie jedenfalls deutlich, dass langfristig nur eines die Fans beruhigen kann: mehr starke Leistungen wie gegen Leverkusen. "Das war eine super Reaktion auf das Spiel von letzter Woche, aber ein Spiel reicht nicht", hielt er fest.

Sven Bender in Gewissensnöten

Konsens bei den BVB-Fans ist dagegen ihre anhaltende Verehrung für Sven Bender, den der Jubel von der Südtribüne in leichte Gewissensnöte stürzte.


"Es ist für mich schwierig gewesen", meinte Bender anschließend bei Sky. "Ich bin nach einer 0:4-Packung noch nie in die Kurve gegangen und habe mich feiern lassen. Es war von mir aus auch ein Zeichen an die Dortmunder, einfach Tschüß zu sagen und danke für die tollen Jahre hier."

Dortmund habe ihm "alles bedeutet. Es war der längste und wichtigste Teil meiner Karriere. Da muss man dann auch dankbar sein. Ich glaube, die Fans haben mir gezeigt, dass ich auch das eine oder andere richtig gemacht habe."

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