Der Smoothie-Hersteller true fruits und sein destruktiver Umgang mit Kritik

Ayran ist eine erfrischende Alternative zum Smoothie-Zynismus (Bild: Getty Images)

Ein Plädoyer für weniger Smoothie und mehr Ayran

“true fruits sind momentan echt schlimm”, sagt eine Freundin. Noch nie von gehört, denke ich und suche nach Bildern im Netz. Ach doch, die Flaschen stehen in den Kühlregalen der Supermärkte und ich kann sie mir nicht leisten, schon alleine deswegen kaufe ich sie nicht.

Ich kann mir aber vorstellen, dass sie in einer Gesellschaft, in der Gesundheit als Religion gilt, gut ankommen. Auf Fleisch verzichten, Sport machen und dann ein Smoothie hinterher. Die heilige Dreifaltigkeit, die die Paybackpunkte für den Alkoholkonsum am Wochenende darstellen.

Doch true fruits verdirbt einem die Freude an der Religionsausübung, denn sie sind sexistisch und machen sich über Menschen, die vermeintlich nicht den Schönheitsnormen entsprechen, lustig. Einer von true fruits’ Werbeslogans lautet:

“Hast du schon mal einer hässlichen Freundin, die aber totaaal lieb ist ein Date besorgt? So fühlen wir uns gerade mit dem white, unserem wohl leckersten Smoothie, der aufgrund seiner blassen und unfruchtigen Optik leider viel zu selten in den Genuss eines knisternden Rendezvous mit dir kommt. Was blieb uns also anderes übrig, als das Licht auszuknipsen, damit du dich einzig und alleine auf seine inneren Werte konzentrieren kannst?”

Darüber hinaus wird true fruits Rassismus und Rape-Culture vorgeworfen.

Wir schrieben damals das Jahr 2015 nach Christus. Ob sich die Menschheit in über Zweitausend Jahren weiter entwickelt hat oder sich die Geschichte wiederholt, darüber streiten sich die Gelehrten bis heute. true fruits scheint mir eher einen Grund zu geben, an die Wiederholung der Geschichte zu glauben.

true fruits’ destruktive Reaktion auf Kritik

Am 14. Februar dieses Jahrs meldet sich true fruits und resümiert die Vorwürfe. Man würde meinen, es kommt ein Standard-Statement, wie zum Beispiel “Wir haben es so nicht gemeint. Wir geben uns in Zukunft Mühe.”

Nein, die Jungs und Mädels sind wahrhaftige Rebellen und haben die Weisheit mit Löffeln gegessen. So ihr Selbstbild und das Bild, was sie nach außen darstellen. Denn die Kritiker*innen hätten sie missverstanden und sie seien “dumm”. In einer Instastory werden zusätzlich die Usernamen von Instagrambenutzer*innen, von denen sie kritisiert wurden, genannt und man antwortet ihnen mit einem “Fuck you” auf ihre Kritik.

Doch, was erwartet man von einem Unternehmen, das als Award “Eier aus Stahl” hat? Was macht man mit diesen Eiern eigentlich, wenn man sie gewonnen hat? In zwei teilen und als Entspannungskugeln benutzen? Es handelt sich übrigens dabei um den Abdruck der Hoden des true-fruits-Gründers Marco Knauf.

Die sachlich konstruktive Kritik sorgt also bei den true fruits dafür, dass sie noch weiter in ihren Smoothie sinken. Gut, dann Auge um Auge, denken sich einige Kritiker*innen und bewerfen die Firmenzentrale laut Instagramaccout des Unternehmens mit Eiern und Farbe und lassen ihrer Graffitikunst den freien Lauf.

Stockfotomodels werden als Mitarbeiter dargestellt

True Frust möchte natürlich keine Reinigungskräfte beauftragen, die unerwünschte Eier- und Farbkunst wegzumachen. Sie haben altruistische Mitarbeiter, die sich dafür bereit erklären. Dabei handelt es sich jedoch in Wahrheit um Models auf irgendwelchen Stockfotos. true fruits reagiert also in alter Manier.

Es sind Bilder zweier dunkelhäutiger und einer asiatischen Person zu sehen. Es wird gefragt: “Wer soll es sein? Pick the one who doesn’t trigger you.” Sie wissen also um die Verletzlichkeit der Menschen Bescheid und spielen damit. Das nennen sie Marketing. Marginalisierte zu triggern ist kein Marketing. Das kann auch ein dreijähriger Felix-Konstantin. Ich würde das ganze armselig nennen.

Ein paar konsumethische Vorschläge für den richtigen Umgang mit true-fruits-Produkten

Natürlich gibt es auch Konsument*innen und Kommentator*innen, die das ganze lustig finden und kritischen Menschen Humorlosigkeit vorwerfen. Die paar Leute kann man ihnen schenken. Doch was sollte man und kann man an dieser Stelle noch machen?

  • Wer mehr Freizeit hat, kann sich auf die Straße des Lieblingssupermarktes stellen und potenzielle Kund*innen aufklären.
  • Eine Petition fordert Supermärkte auf, die true-fruits-Produkte aus dem Sortiment zu nehmen. Hier könnt ihr unterschreiben.
  • Das Mindeste, was wir machen können, ist, mit dem Konsum von true-fruits-Produkten aufzuhören. Getreu Kelis’ Song “Milkshake” kann man sich denken “My milkshake is better than yours.” Und einfach zum Ayran greifen.