Direkter Draht in den Himmel: „Hallo, hier spricht der kleine Engel“

Ein direkter Draht in den Himmel für Jedermann? Längst überfällig, befand ein holländisches Ehepaar. Nachdem ein Künstler in ihrem Ort eine moderne Engelsstatue mit Handy und Jeans errichtet hatte, schritten sie zur Tat. Sie richteten dem trendigen Himmelsboten einen Twitter-Account, eine Website und eine Telefon-Hotline ein. Seither kann sich „Frau Engelke“ vor Anrufen kaum retten.

Guten Rat kann man sich bei dem kleinen Engel in s'Hertogenbosch holen. (Bild: Hans Wind)„Das Telefon klingelt den ganzen Tag“, so „Frau Engelke“ gegenüber Reportern der „New York Times“. Wie ihr Ehemann möchte sie unerkannt bleiben, um die Illusion ihrer Fans nicht zu zerstören. Es sei schließlich „ein Märchen“.

Und das begann mit der Enthüllung einer neuen Statue an der St.-Johannes-Kathedrale im niederländischen `s-Hertogenbosch im April 2011. Im Gegensatz zu den anderen in Stein verewigten Heiligen aus vergangenen Zeiten bewegte sich der Schöpfer der neuen Steinfigur am Puls der Zeit: der neue Engel trägt Jeans und ist mit einem Handy ausgestattet– lediglich die Flügel entlarven das Abbild als klassischen Gottesboten. „Jeder kann eine künstliche gotische Statue machen“, so der Bildhauer Ton Mooy gegenüber der „New York Times“. „Aber das wollte ich nicht.“ „Engel sollen den Weg weisen, Menschen beschützen und sie erhalten Weisung von oben. Und wie zeigt man das heute? Mit einem Mobiltelefon! Ich erzähle den Kindern, dass es nur einen Knopf auf dem Telefon gibt. Eine Direktverbindung in den Himmel. So kommen sie gar nicht erst in Versuchung mit andern Engeln zu plappern.“

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Für andere erreichbar ist der Engel dennoch. Das Ehepaar aus `s-Hertogenbosch hat auf Visitenkarten die "himmlische" Nummer in der Ortschaft verteilt. Seither sprechen sie mit etwa 30 Anrufern pro Tag. Die Frau, die dem kleinen Engel ihre Stimme leiht erklärt: „Ich fange immer so an `Hallo, hier spricht der kleine Engel`, dann kann alles mögliche passieren. Am lustigsten seien Kinder unter 10 Jahren. „Was gibt es zum Essen?“, „Ist Dir kalt?“ „Wird es regnen, brauche ich einen Schirm“ seien typische Fragen. Studenten bitten um Hilfe für die Fahrprüfung oder den Test an der Uni. „Meine Antwort in solchen Fällen ist eigentlich immer: Ich werde Dir Engelsmagie schicken.“ In den meisten Fällen ginge es lustig zu, manche Anrufer bräuchten aber auch einfach einen Zuhörer oder seien schlicht einsam. „Vor allem zwischen Weihnachten und Neujahr war es sehr emotional, es brach mir fast das Herz. Da war ein kleines Mädchen, das mich bat für seine verstorbene Großmutter zu beten oder die junge Frau, die Weihnachten erstmals ohne ihre Eltern verbrachte. “

Von offizieller Seite ist man über den Erfolg der Engel-Hotline wenig erfreut. „Erfolg hat viele Väter“, bemerkt Pieter Kohnen, ein Sprecher der Kathedrale. „Und manchmal auch Nutznießer“. Die Kirche hat nun eine eigene Konkurrenz-Hotline eingerichtet. Im Gegensatz zu der des Ehepaares ist diese aber kostenpflichtig. Für etwa 80 Cent kann man den offiziellen Engel anrufen. Statt persönlichen Antworten gibt es allerdings automatisierte Ansagen vom Band. Das Paar nimmt die Kritik der Kirche gelassen. „Wir nehmen kein Geld und wir konkurrieren nicht mit der Kirche“, so der Mann von „Frau Engelke“. Die möchte noch eine ganze Weile weiter Anrufe beantworten. Manchmal sei es einfach zu lustig: „Als Steve Jobs starb, stand das Telefon gar nicht still. Die Botschaft des Engels an die Anrufer: Steve Jobs wird bald bei uns oben ankommen – vielleicht bekomme ich dann endlich ein neues Handy“.

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