Ex-Kapitän: Berlin ist die perfekte Saison zuzutrauen

Robin Ahlert

Sebastian Kühner genießt seinen Ruhestand. (Volleyball-Bundesliga der Männer: Berlin - Haching am Donnerstag ab 19 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 - mit Sebastian Kühner als Experte)

Der ehemalige Volleyball-Nationalspieler beendete letzten Sommer seine professionelle Karriere. Zuvor hatte der Kapitän mit seinen Berlin RECYCLING Volleys fünf Mal die Meisterschaft, einmal den CEV-Pokal und den nationalen Pokal gewonnen.

Im Gespräch mit SPORT1 spricht er über den aktuellen Berliner Erfolgslauf und die kommenden Playoffs. Außerdem erklärt er, was noch fehlt, um auch in der Champions League nachhaltig erfolgreich zu sein.


Eingespieltheit ist Berlins Trumpf

Momentan sind die BR Volleys in der Bundesliga das Maß aller Dinge: Mit 14 Siegen aus 14 Spielen thronen sie mit großem Vorsprung an der Tabellenspitze. (Tabelle der Volleyball-Bundesliga)

Woher kommt diese Überlegenheit? "Ich glaube, dass die Berliner dieses Jahr vor allem in der Hinrunde davon profitiert haben, dass die Stamm-Sechs schon eingespielt war, weil diese ungefähr die selbe ist, wie Ende der letzen Saison", lautet Kühners Erklärungsansatz. Er muss wissen, wovon er spricht, schließlich erlebte er in seinem letzten Jahr mit den Berlinern genau das Gegenteil, als man mit einer komplett neuen Mannschaft starten musste und erst spät in die Saison fand.

Zum anderen sei es "natürlich die individuelle Klasse der Spieler". Zwar seien auch die Berliner von verletzungsbedingten Leistungsschwankungen nicht gefeit, hätten aber trotzdem noch immer ausreichend Klasse auf der Bank, um in der Liga gewinnen zu können.

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Perfekte Saison möglich

Acht Spiele sind in der Rückrunde noch zu spielen, bis es in die Playoffs geht. Unter anderem muss der Hauptstadtklub noch gegen den Tabellendritten Haching und gegen den Rekordmeister VfB Friedrichshafen ran.

Ob die "enorme Qualität" der Berliner ausreicht, um tatsächlich die perfekte reguläre Saison ohne eine einzige Niederlage zu spielen, wird wohl vor allem von der Performance in diesen beiden Partien abhängen.

"Rein von der Qualität her ist es der Mannschaft definitiv zuzutrauen, auch wenn noch ein paar schwierige Spiele anstehen", ist sich Kühner sicher.


Heimrecht in den Playoffs als großer Vorteil

Perfekte Saison oder nicht: In den Playoffs zählt dies sowieso nicht mehr, da sich die absoluten Top-Teams in der wirklich wichtigen Phase der Saison für gewöhnlich noch einmal steigern.

Das Abschneiden als Tabellenerster würde den Berlinern aber bis ins Finale den Heimvorteil garantieren. "Immer ein großes Thema in Berlin, weil das dann doch schon ein großer Vorteil ist", sagt Kühner, der selbst oft genug miterlebt hat, wie viel es ausmachen kann, wenn bis zu 8500 Fans das Team in der heimischen Max-Schmeling-Halle nach vorne peitschen.

Im Kampf um die Meisterschaft sieht Kühner die Hauptstädter vorne: "Es ist nicht ganz eindeutig, aber so wie es sich aktuell darstellt, würde ich Berlin auf jeden Fall als Favorit bezeichnen."


Berlin in der Champions League vor dem Aus

Richtet man den Blick über die nationalen Wettbewerbe hinaus, sind die Favoriten bekanntlich andere. In der Champions League steht Berlin in Gruppe B auf dem dritten Platz. Nach nur drei Spieltagen haben die Deutschen schon vier Punkte Rückstand auf Platz 1 und bangen damit schon jetzt um die K.o.-Phase.

"Das Weiterkommen wird schwer", sagt auch Kühner. Er glaubt, dass die beiden russischen Teams Kemerovo und Urengoy den Gruppensieg unter sich ausmachen werden.

Es könne natürlich sein, dass sich die anderen Teams gegenseitig die Punkte wegnehmen. Um davon zu profitieren, müsse Berlin aber trotzdem alle drei verbleibenden Spiele gewinnen. Nimmt man die Gruppen-Hinspiele als Gradmesser (nur ein Sieg aus drei Spielen), wird dies ein sehr schwieriges Unterfangen.

Tabellen, Spielplan und Ergebnisse der Volleyball Champions League

Deutsche Teams tun sich in Europa schwer

Der letzte Sieg eines deutschen Teams auf europäischer Ebene - und gleichzeitig der einzige - gelang 2007 dem VfB Friedrichshafen.

"Es ist schon schwer, bei dieser in Europa vorhandenen Qualitätsdichte unter die acht Besten zu kommen. Da fehlt dann eben noch mehr Qualität in der Breite, dass man wirklich noch mehr Spieler auf absolutem Top-Niveau im Kader hat", erklärt Kühner.

Bevor es aber für die Berliner am 28. Januar mit dem Spiel gegen Urengoy in der Champions League weitergeht, steht am Donnerstag erst einmal der Kracher gegen die Alpenvolleys Haching an.

Kühner, der nach wie vor einen engen Kontakt zur alten Mannschaft pflegt und nahezu bei jedem Heimspiel der Berliner vor Ort ist, kann dieses Mal nicht anwesend sein: Er wird als Experte bei SPORT1 das Spiel von München aus kommentieren.