Ex-Minister warnen vor Eskalation in Montenegro

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In Montenegro war es am Wochenende zu Ausschreitungen zwischen Demonstrierenden und der Polizei gekommen. Die Proteste richteten sich gegen die Amtseinführung des neuen Oberhauptes der Serbisch-orthodoxen Kirche in dem Balkanstaat. Die Zeremonie hatte den Zorn von Gegnern der Kirche in Montenegro erregt. Das Land hatte sich im Jahr 2006 von Serbien abgespalten.

Ehemalige Minister aus den Nachbarstaaten Montenegros, aus Slowenien, Kroatien, Albanien, Kosovo, Bosnien und Serbien haben sich nun an die EU-Kommission, den Europarat und die NATO gewandt, mit der Bitte um einen Dialog mit den politischen und sozialen Akteuren der aktuellen Krise in Montenegro. Ziel: eine friedliche Lösung des eskalierenden Konflikts.

Glauben spaltet Bevölkerung in Montenegro

Die ehemalige Vizeministerpräsidentin von Kroatien, Vesna Pusic, sagte euronews, die derzeitige Lage erinnere an jene vor Kriegsbeginn in den 90er Jahren:

"Dies stellt die Existenz eines souveränen Staates auf dem westlichen Balkan in Frage, in dieser historisch gesehen relativ instabilen Region. Und wir alle, die wir diesen Appell unterzeichnet haben, waren besorgt, dass es zu Konflikten führen könnte, wenn es ignoriert wird, vor allem, weil ich denke, dass Montenegro auch als Schauplatz für eine Art Stellvertreterkonflikt zwischen der Russischen Föderation und der Europäischen Union gesehen werden könnte".

Kommission: "Entwicklungen besorgniserregend"

Ein Sprecher der EU-Kommission äußerte sich schriftlich: Die Entwicklungen in Montenegro seien zunehmend besorgniserregend. Nötig sei "ein breiter parteiübergreifender politischer Dialog, um die Spaltungen zu überwinden".

Montenegro ist ein kleines Land an der Adria und grenzt an Serbien, Bosnien, das Kosovo, Albanien und Kroatien. Noch immer spalten das Verhältnis zu Serbien und der Orthodoxen Kirche die Bevölkerung.

Der frühere NATO-Botschafter von Montenegro, Vesko Garčević, meint, die jüngsten Ausschreitungen spiegelten wider, was seit Jahren im Land entwickele:

_"Das Land scheint gespaltener als je zuvor, sogar noch mehr als zu der Zeit, in der wir für die Unabhängigkeit stimmten. Ich denke, dass die EU ihre Agenda wieder mit Leben füllen sollte, denn viele Menschen in der Region sind der Meinung, dass die EU-Mitgliedschaft in weite Ferne gerückt ist und in absehbarer Zeit nicht zustande kommen wird. Das erhöht die Chancen für andere Akteure in der Region." _

Serbische Regierung gewinnt an Einfluss

Garčevićs Meinung nach ist es vor allem die serbische Regierung in Belgrad, die Einfluss auf die größte Partei der Regierungskoalition Montenegros gewinnt.

Die letzte Volkszählung in Montenegro im Jahr 2011 ergab, dass sich 45 Prozent der Bevölkerung als ethnische Montenegriner sehen, 28 Prozent als ethnische Serben. Der Rest zählte sich zu den ethnischen Albanern oder Bosniern.

Anfang Oktober organisiert Slowenien einen EU-Westbalkan-Gipfel. Die slowenische EU-Präsidentschaft möchte, dass dieses Treffen in Zukunft jedes Jahr stattfindet, um den EU-Erweiterungsprozess zu beschleunigen.

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