"Fünf Stunden geheult": "Goodbye Deutschland"-Auswanderin am Ende

Carmen Schnitzer
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"Fünf Stunden geheult": "Goodbye Deutschland"-Auswanderin am Ende

Wenn Hilfsbereitschaft zur Gefahr wird: Die aktuelle Folge der VOX-Doku "Goodbye Deutschland" zeigte, wie sich Auswanderin und Biergartenbetreiberin Kathrin Grosse immer mehr aufrieb zwischen Familie, Job und den Bedürfnissen ihrer Angestellten. Ein gesundheitlicher und nervlicher Kollaps drohten ...

"Ich werde so ausgeschlossen in dieser Familie!" Die Verletztheit stand "Goodbye Deutschland"-Auswanderin Kathrin Grosse (44) in der VOX-Doku ins Gesicht geschrieben. Beim Essen würden die vier Kinder und Ehemann Jörg (51) nicht mal mehr für sie den Tisch mit decken. Der wirkte beinahe kühl, als er ihre Klage lapidar kommentierte mit: "Du isst ja auch nichts." Doch später wurde deutlich, dass auch er sich hilflos fühlte. Hilflos angesichts des Rundumeinsatzes seiner Frau, die sich bis zur Erschöpfung aufarbeitete.

"Sie gibt zu viel!"

Die Gründe dafür lagen nur zum Teil im wirtschaftlichen Bereich. Klar, seit Jörg Grosse überraschend seinen gutbezahlten Job als IT-Experte verloren hatte, lag es an Kathrin, den Lebensunterhalt für die sechsköpfige Familie zu bestreiten. Ihr 2017 eröffneter deutscher Biergarten im kalifornischen Roseville, der ursprünglich als netter Nebenverdienst gedacht war, musste nun als Haupteinnahmequelle herhalten. Doch der finanzielle Druck war nur ein Aspekt des Problems - der andere lag in Kathrin Grosses Persönlichkeit: "Sie gibt viel zu viel", erzählte Ehemann Jörg, "will es allen recht machen, jeder kommt mit seinen Problemen zu Kathrin. Da ruft zum Beispiel jemand mitten in der Nacht an, er wolle sich umbringen - Kathrin fährt los. Ständig solche Sachen."

Die 25 Angestellten, die sie in ihrem Lokal beschäftigt, haben zum großen Teil problematische Hintergründe, die der gelernten Sozialpädagogin ans Herz gehen. Jemanden hängenzulassen, das liegt nicht in ihrer Natur, und so organisierte sie schon mal einer Küchenhilfe ohne Krankenversicherung einen Termin beim eigenen Zahnarzt oder wuppte regelmäßig selbst Service-Schichten, wenn es mal wieder zu Ausfällen gekommen war. Das Trinkgeld aber forderten auch in solchen Fällen oft die Angestellten ein, wie Jörg Grosse am Rande bemerkte.

Gewichtsverlust und Herzprobleme

Die schienen die Gutmütigkeit ihrer Chefin immer häufiger auszunutzen. Denn nicht nur in akuten Notfällen wie den oben beschriebenen wurde die gebürtige Hessin zur Hauptansprechpartnerin, sie tröstete auch bei kleineren Wehwehchen - und ließ sich darüber hinaus immer mehr auf der Nase herumtanzen, zum Beispiel von einem Kellner, der ständig unentschuldigt fehlte.

Dass Kathrin Grosse stets versuchte, die Defizite ihrer Mitarbeiter selbst auszugleichen und freundlich lächelnd den Laden weiter schmiss, brachte ihr zwar viel Kundenlob und gute Umsätze ein - schließlich wurde ihr Biergarten sogar zum besten deutschen Restaurant im Raum Sacramento gewählt. Doch der Erfolg hatte seinen Preis: Kathrin verlor den Appetit, nahm rapide ab, bekam Herzprobleme und war immer häufiger mit den Nerven völlig am Ende. "Ich habe gestern fünf Stunden lang geheult", gestand sie einmal, auch vor der Kamera kamen ihr hin und wieder die Tränen.

Gegen Ende der Sendung schienen sich die Wolken jedoch ein wenig zu lichten. Jörg Grosse hatte zwar ein neues Jobangebot abgelehnt, weil es ihm nicht genug Freiraum für die Familie geboten hätte - dafür aber war er nun fest entschlossen, sich in der Biergarten-Organisation mit einzubringen und seine Ehefrau nach Kräften zu unterstützen. Bleibt zu hoffen, dass die lernt, Hilfe auch mal anzunehmen und nicht nur selbst zu helfen ...