Faszinierendes Video: Social Distancing bei Bäumen

Auf Twitter sorgt ein virales Video von einem dichten Wald gerade für Erstaunen: Betreiben die Bäume etwa Social Distancing?

Wieso berühren sich die Baumkronen nicht?
Wieso berühren sich die Baumkronen nicht? "Crown Shyness" heißt das Phänomen (Symbolbild: Getty Images)

Im Jahr 1982 war der Biologe Francis Putz im Guanacaste Nationalpark in Costa Rica unterwegs und legte sich zur Rast für eine Weile auf den Boden, als ihm ein seltsames Phänomen auffiel: Während der Wind durch die Baumwipfel der Mangroven wehte, berührten sich die Kronen nicht.

Das gleiche Staunen, das Putz damals erlebte, fühlen nun Twitter-Nutzer beim Ansehen eines Videos dieses Phänomens, das gerade viral geht. Es zeigt einen dichten Wald aus der Vogelperspektive, dessen Baumkronen vom Wind verweht werden. Doch anstatt dass diese sich ineinander verfangen, verlaufen klare, im Wind fließende Linien durch den Wald - die Baumkronen scheinen sich schlicht zu weigern, sich gegenseitig zu berühren.

Dieser Inhalt stammt von einem Drittanbieter. Um diesen anzuzeigen, müssen Sie Ihre Datenschutzeinstellungen ändern.
Dazu hier klicken.

"Was für eine tolle Darstellung von Social Distancing", schwärmt ein Nutzer in den Kommentaren. "Die Natur ist großartig", schreibt ein anderer. "Hier geht es um das Überleben von allen, nicht nur der Stärksten."

"Crown Shyness": Warum halten Bäume Artgenossen auf Distanz?

Betreiben die Bäume wirklich Social Distancing? Diesen Anschein erweckt der Anblick. "Crown Shyness" (deutsch: Baumkronen-Befangenheit) nennen Forscher den Vorgang. Eine eindeutig erwiesene Erklärung dafür gibt es jedoch bis heute nicht, obwohl erste Umschreibungen davon bereits in den 1920er Jahren

Zwar weiß man, wie die Bäume die Distanz aufrecht erhalten. "Das Wachstum wird über die Jahrestrieb-Verkürzung eingestellt", erklärte der Dresdner Baumexperte Prof. Dr. Andreas Roloff dem Portal Travelbook. Der Baum reagiere mit einer Verkürzung der Triebe, um die von anderen Bäumen zu vermeiden.

Besonderes Phänomen: Urlauber filmt "singenden Sand"

Weniger klar ist die Frage nach dem Warum. Wissenschaftler haben verschiedene Theorien. So wird vermutet, dass Bäume auf diese Weise vermeiden, dass Schädlinge von einem befallenen Baum auf einen gesunden übergehen. Möglich scheint auch, dass so verhindert werden soll, dass Knospen von anderen Ästen abgeschlagen werden. Auch kann mit etwas Abstand mehr Licht auf den Rest des Baumes und die restliche Pflanzenwelt gelangen.

Warum wir so wenig über Baumkronen wissen

Kronen sind für Wissenschaftler schwer zu erforschen, wie Biologin Meg Lowman dem National Geographic erklärt, denn außer Fachwissen bedürfe es hierbei an Klettergeschick, Balance und viel Mut. Doch diesen Teil der Bäume zu ignorieren sei, wie den menschlichen Körper nur unterhalb der Hüften zu erforschen, weswegen sie sich auf diesen Bereich der Bäume spezialisiert hat.

Auch, wenn nicht alle Bäume dieses Social Distancing in Form von "Crown Shyness" betreiben, ermutigt sie Menschen, öfter mal nach oben zu schauen. Einige Twitter-Nutzer dürften dies von nun an tun.

Video: Hundertjährige Fichten vertrocknen: Wenn der Klimawandel am Resonanzholz nagt