Frankreich-Wahl: Wer stimmte für wen?

Am Tag nach der ersten Runde der Präsidentschaftswahl offenbart sich ein tief gespaltenes Frankreich. Auf der einen Seite ein städtisches, pro-europäisches Land, auf der anderen ein ländliches, nationalistisches.

Arm und industriell gegen großstädtisch und wohlhabend.

Die Kluft trennt den Westen vom Osten. In den großen Städten überzeugt Emmanuel Macron die Mehrheit: Paris, Lyon, Bordeaux, aber auch im Westen des Landes.

Marine Le Pen hat die meisten Wähler im ärmeren Nordosten und in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur, genannt PACA.

Die Wählerschaft von Macron, das sind zu 34% leitende Angestellte und zu 17% Arbeiter. Bei Le Pen ist es das Gegenteil: 13% höhere Angestellte und 36% Arbeiter.

Die Wähler von Macron stammen aus dem linken politischen Spektrum. 47% von ihnen wählten vor fünf Jahren den Noch-Präsidenten François Hollande, 43% von ihnen den Zentrumskandidaten François Bayrou und 18% den Konservativen Nicolas Sarkozy.

Marine Le Pen konnte ihre Stammwählerschaft erneut hinter sich versammeln: 84% der Wähler stimmten wie vor fünf Jahren erneut für sie. 13% waren damals für Sarkozy und 6% für Hollande.

Obwohl alle Umfragen Macron als Sieger der zweiten Runde vorhersagen und zahlreiche Politiker dazu aufriefen, ihn zu wählen, spricht bisher niemand von der so genannten republikanischen Front.

Von ihr war zuletzt 2002 die Rede. Damals erreichte Jean Marie Le Pen überraschend die zweite Runde der Präsidentschaftswahl.

Der Konservative Jacques Chirac wurde damals mit 82% der Stimmen zum Präsidenten gewählt – für ihn gestimmte hatten auch Linke, um Le Pen zu verhindern – die so republikanische Front. Auch ein gewisser Jean-Luc Mélenchon hatte damals Chirac gewählt. Doch diesmal rief er nicht dazu auf, für Macron stimmen, um Marine Le Pen zu verhindern.

Der Politikwissenschaftler Frederic Dabi sagt, “das Verhalten der Wähler von Mélenchon und der Anhänger von François Fillon spielen das Zünglein an der Waage. Bei den Wählern von Mélenchon wird wohl nur jeder Zweite in der nächsten Runde überhaupt wählen gehen, sagen Umfragen voraus. Das könnte sich aber im Laufe des Wahlkampfes noch ändern.”

Der l inksextreme Mélenchon vereinte am Sonntag fast 20% der Stimmen auf sich. Im Gegensatz zu den unterlegenen Kandidaten der traditionellen Parteien gab er keine Wahlempfehlung ab. Zwar will ein Großteil der Franzosen keine rechtsextreme Präsidentin, doch viele sind ebenfalls gegen einen globalisierungsfreundlichen Macron.

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