Frech oder berechtigt? So reagieren Louisa Dellerts Follower auf ihren Spendenaufruf

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Die Influencerin Louisa Dellert beschreibt sich auf ihrem Instagram-Profil als “Aktivistin für das Gute“. Ihre Beiträge drehen sich im Umweltschutz und Nachhaltigkeit, doch Geld verdient sie damit nicht. Auf die Bitte an ihre Follower, sie finanziell zu unterstützen, reagieren diese denkbar unterschiedlich.

Von ihren neuem Themenschwerpunkt Umweltschutz kann Louisa Dellert nicht leben. Deshalb bittet sie ihre Follower um Spenden. (Bild: Getty Images)

Als Louisa Dellert noch Fitnessbloggerin war, hatte sie keine Probleme damit, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Doch seitdem sich die 29-Jährige auf andere Themen konzentriert, sieht die Sache schon anders aus. Gibt sie ihren 381.000 Followern Tipps, wie man den richtigen Ökostromanbieter findet, unterhält sich im Bundestag mit Philipp Amthor oder zeigt, auf welch kleinem Raum die Delfine im Nürnberger Zoo leben, hat sie zunächst einmal Ausgaben. Auf der anderen Seite verbieten sich mögliche Finanzierungskooperationen aus ethischen Gründen oder es kommen nur Anfragen, bei denen sie „alles umsonst“ machen solle. Läuft doch so bei diesen selbsternannten Weltrettern, oder?

Die Influencerin ist auf Spenden angewiesen

Eben nicht. In einem Video macht die Influencerin ihre Follower nun ganz direkt auf ihr finanzielles Dilemma aufmerksam. Um ihre Arbeit fortsetzen und gleichzeitig ihre Miete bezahlen zu können, habe sie ein finanzielles Unterstützungskonto eingerichtet. Wer möchte, könne ihr darüber eine Spende zukommen lassen.

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Den Shitstorm schon mit einkalkuliert

Dass die Sache auch nach hinten losgehen könnte, war Dellert von Anfang an bewusst, wie man zu Beginn ihres Videos hört: “Ich habe lange überlegt, ob ich dieses Video mache. Ich habe auch echt ein bisschen Angst davor, dass es einen kleinen Shitstorm geben wird und einige das nicht verstehen.“ Trotzdem sei sie jetzt an einem Punkt, an dem sie es einfach probieren wolle. Weiter sagt sie: “Ob ihr mich mit einem Cent unterstützt oder 10 Cent oder einem Euro – ich würde mich mega freuen, wenn ihr mich in irgendeiner Art supporten würdet.“

“Geh arbeiten!“

Wie kontrovers der Spendenaufruf der Influencerin aufgenommen wird, zeigt ein Blick auf die Kommentarspalte. Auf der einen Seite finden sich Kommentare wie diese: “Kleiner Tipp! Richtig arbeiten gehen! Dann hat man auch genug Geld für Miete etc... Aber Schmarotzen ist einfacher...“, „Haha... :-D. Das ist einfach nur erbärmlich. Geh arbeiten!“ oder: “Ganz ehrlich: kein Verständnis dafür. Dann musst du dir – wie wir alle hier – einen richtigen Job suchen.“

In der analogen Welt wird Content selbstverständlich bezahlt

Auf der anderen Seite können viele Follower das Anliegen aber auch nachvollziehen. Ein Follower schreibt: “Ich finds klasse! Du zwingst ja niemanden dazu. Und wer halt nichts geben kann oder nichts geben möchte, kann ja trotzdem deinen Content genießen.“ Eine Userin spricht ein Problem an, dass alle Influencer betrifft: Die Grundannahme vieler Follower, dass Content im Netz umsonst sein müsse: “Angenommen, alle ihre Informationen fänden sich zukünftig in einer Zeitschrift. Dann müsste ich die auch jeden Monat kaufen!“, schreibt sie.

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Transparente Finanzierung, ehrliche Inhalte

Eine andere Userin sieht das ähnlich und schreibt an Louisa Dellert: “Lieber unterstütze ich dich auf diesem Weg als durch irgendwelche Boni, die du erhalten würdest, wenn du uns irgendwelchen hirnlosen Mist wie überteuerten Tee oder Cremes um die Ohren haust. Meinen höchsten Respekt und mach unbedingt weiter so!“ Und auch die Youtuberin Mirella Precek alias “Mirellativegal“ schlägt in dieselbe Kerbe: “Was soll das ganze Unverständnis? Bekommt ihr alle euer Netflix-Abo geschenkt, zahlt keine Rundfunkgebühren und kriegt kostenlose Zeitungen am Kiosk?“

Spenden sollen keine dauerhafte Lösung sein

Als Reaktion auf die vielen Kommentare hat Louisa Dellert ein weiteres Video veröffentlicht, in dem sie betont, das gespendete Geld sei nicht für ihr Privatvergnügen gedacht, sondern ausschließlich für ihre Arbeit. Zudem solle diese Art der Geldbeschaffung kein Dauerzustand sein, sondern nur eine Überbrückung.