Gesundheitsexperte Lauterbach: "Fast wie der Ausbruch einer neuen Pandemie"

teleschau
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Am Dienstag beschlossen Bund und Länder, den Corona-Lockdown bis zum 14. Februar zu verlängern - verbunden mit strengeren Maßnahmen. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zeigte sich bei "Markus Lanz" weitgehend zufrieden und machte deutlich, wie beschwerlich der Kampf gegen die britische Mutante ist.

Als das Treffen zwischen Bund und Ländern am Dienstag nach vielen Stunden hitziger Diskussion mit der Entscheidung zu neuen Corona-Beschränkungen endete, fing die Diskussion bei "Markus Lanz" erst an. Der zugeschaltete SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zeigte sich unterm Strich zufrieden mit den Beschlüssen, die vor allem darauf abzielen sollen, die Verbreitung der hochansteckenden britischen Mutante B.1.1.7. zu verhindern: "Vom Gesamtbild her ist das schon ein wichtiger, großer Wurf", so Lauterbach, der im Anschluss noch einmal die Dringlichkeit der Maßnahmen unterstrich.

"Wir haben es hier mit einer anderen Größenordnung zu tun, daher muss man das fast so betrachten wie der Ausbruch einer neuen Pandemie." Der Unterschied in der Übertragbarkeit der neuen Virusvariante sei so gravierend, dass man nahezu von einem neuen Virus sprechen könne. "Das fordert, wenn man das wachsen lässt, nachher viel schlimmere Maßnahmen als jetzt", erklärte der Mediziner, der die neuen, strengen Instrumente als "Investition" betrachtet.

Er begrüße die Homeoffice-Forderungen, die in England in Kombination mit Schulschließungen zu Erfolgen geführt habe. "Mir tut das auch weh für die Kinder", gestand der Vater einer Tochter ein. Auch der Umstieg auf medizinische Masken sei ein Fortschritt, wenngleich Karl Lauterbach eine reine FFP2-Masken-Pflicht bevorzugt hätte. Sein Fazit fällt verhalten positiv aus: "Wenn das alles umgesetzt wird, ist das Glas drei Viertel voll."

Neue Variante "sechs bis acht Mal so ansteckend"

Über die aktuelle Situation - inklusive leicht sinkender Zahl an Neuinfektionen - sagte der Politiker: "Wir machen das gut genug, um das alte Coronavirus einzudämmen, aber nicht gut genug, um das neue in den Griff zu bekommen." Hätte man nun nicht entschlossen gehandelt, wären die Zahlen auf Dauer auch aus dem gegenwärtigen Lockdown heraus gestiegen, "weil eben diese neue Variante auf einen Monat betrachtet sechs bis acht Mal so ansteckend ist". Lauterbach griff zu einem Vergleich mit der Verzinsung im Bankenwesen: Mit sechs Prozent Zinsen wären irgendwann alle reich. Und die britische Virusvariante sei pro Woche eben um sechs Prozent ansteckender.

Aus der Praxis berichtete bei "Markus Lanz" die Fachärztin Dr. Jana Schroeder. Sie beschrieb, dass die Stimmung in dem Krankenhaus, in dem sie tätig ist, im ersten Lockdown noch von einem gewissen Elan geprägt gewesen sei. "Im Grunde ist das, was wir machen, ein Sprint." Doch inzwischen sei längst klar: "Das geht richtig an die Substanz." Des Weiteren spekulierte Schroeder, ob B.1.1.7. sich nicht bereits in ihrer Klinik ausgebreitet habe. In Herbst und Winter hätten sich die Fälle der Ansteckungen gehäuft, die man sich - beispielsweise aufgrund lediglich kurzen Kontakts mit Infizierten - nicht wirklich erklären konnte.