Der Gigant Binance – Eine Gefahr für Bitcoin?

Sven Wagenknecht
Binance, Monopol

Die Krypto-Börse Binance wächst unaufhaltsam und gewinnt immer mehr Marktmacht im Krypto-Markt. Wie mächtig Binance inzwischen ist, warum die Krypto-Börse auch ins Mining Business will und warum Tether dem Binance CEO, Changpeng Zhao, ein Dorn im Auge sein dürfte. Ein Kommentar.

Es vergeht keine Woche, an der wir nicht über Binance berichten. Sei es, dass sich der CEO, Changpeng Zhao, auf Twitter zu dem Treiben an den Märkten äußert, ein neues Produkt aus dem Hause Binance angekündigt wird oder ein Unternehmen, wie zuletzt Coinmarketcap, aufgekauft werden soll. Der Eindruck, dass Binance in jede denkbare Dienstleistung der Krypto-Ökonomie investiert (beziehungsweise sich darin einkauft), kann zur Verunsicherung führen. Entsteht hier ein Gigant, der seine eigenen Spielregeln sowie Standards schafft?

Die Macht des Stärkeren

Im Gegensatz zum traditionellen Finanzmarkt, ist der Krypto-Markt nach wie vor kaum reguliert. Die Wahrscheinlichkeit von Markmanipulation ist um ein Vielfaches höher als im traditionellen Börsenhandel. Nicht umsonst gibt es unzählige Berichte, die auf künstlich aufgeblasene Handelsvolumen beziehungsweise Wash Trading aufmerksam machen.

Dennoch soll an dieser Stelle Binance nichts unterstellt, sondern lediglich aufgezeigt werden, dass große Player in einem unregulierten Markt viel mehr Macht und Kontrolle ausüben können als im regulierten, traditionellen Markt. Würden sich die zehn größten Banken der Welt zu einer zusammenschließen und zusätzlich noch eine globale Börse ohne Marktaufsicht betreiben, dann hätte man ungefähr die gleiche Marktsituation wie aktuell mit Binance.

Warum ist Coinmarketcap 400 Millionen US-Dollar wert?

Als letzte Woche bekanntgegeben wurde, dass Binance für angeblich 400 Millionen US-Dollar die größte Ranking-Seite für Kryptowährungen kaufen möchte, hat das vielen Bauchschmerzen bereitet. Die Seite Coinmarkcap hat sich zu einem Standard entwickelt, nach dem sich ein Gros der Krypto-Anleger orientiert. Wo der Bitcoin-Kurs also aktuell steht und wie hoch das Handelsvolumen der letzten 24 Stunden war, wird international anhand von Coinmarketcap abgelesen. Dabei aggregiert Coinmarketcap die Kursdaten sowie Handelsvolumen von allen großen Börsen, wie unter anderem auch Binance.

Als weitestgehend unabhängiges Unternehmen zur Aggregation von Marktdaten, hat man Coinmarketcap zumindest halbwegs vertrauen können. Wenn nun aber Coinmarkcap gleichzeitig auch Binance ist, dann kann hier schnell ein Interessenkonflikt entstehen. Als meistbesuchte Krypto-Seite der Welt ist Coinmarketcap äußerst wichtig für den Vertrieb und den Vergleich von Börsen. Die Verlockung, sich hier besser darzustellen als andere KryptoBörsen, wäre gegeben.

Zumal es um viel mehr als nur die Listings von einzelnen Kryptowährungen geht. Coinmarkcap entwickelt sich zu einer Art „Krypto-Check24“ auf globaler Ebene. Wie man einen Tagesgeld- und Kreditvergleich im Netz auf derartigen Vergleichsplattformen sucht, kann man auf Coinmarketcap auch Staking- und Lending-Konditionen finden.

Nur der Reichweite wegen hat Binance nicht mehrere hundert Millionen US-Dollar für Coinmarkcap gezahlt. Es dürfte an erster Stelle darum gehen, einen hochgradig zentralisierten Krypto-Markt aufzubauen, in dessen Zentrum Binance steht.

Konkurrenzprodukte sind unerwünscht

Wenig verwunderlich ist, dass Binance neben Futures, demnächst auch Optionen anbieten möchte. Neben Futures sind Optionen eine große Derivategruppe, um Positionen abzusichern oder waghalsige Zockerei zu betreiben. Neben der Möglichkeit auf fallende Kurse zu wetten spielt die Hebelung dabei eine wichtige Rolle.

Nun gibt es auch Token, die den gehebelten Handel, short wie long, von Kryptowährungspaaren anbieten und auch auf der Börse von Binance gelistet sind. Praktisch im selben Atemzug wie Binance die Einführung von Optionen angekündigt hat, hat die Bitcoin-Börse ein Delisting der Leverage Token vorgenommen. Dies zeigt, dass gerade kleinere oder speziellere Token-Konstruktionen in Zukunft Gefahr laufen könnten, von Binance-Produkten verdrängt zu werden. Wäre Binance nur ein Anbieter von vielen, dann wäre das halb so wild, aber genau das ist eben nicht der Fall.

Kein Zufall: Binance macht auch im Mining

Eine wichtige Funktion im Krypto-Ökosystem nehmen die Miner ein. Diese sorgen für die Netzwerkfunktion und produzieren neue Bitcoins, Ether und Co. Ihr Einfluss auf die Kurse ist dabei mitunter erheblich. Schließlich können die größeren Player einen signifikanten Einfluss auf das Angebot und damit die Kurse am Markt nehmen. Wir können uns das ein bisschen so vorstellen wie das Ölkartell der OPEC. Wird die Fördermenge gedrosselt, kann der Ölpreis durch die Angebotsverknappung steigen. Nun ist ähnlich wie bei der OPEC die Anzahl der relevanten Förderstaaten beziehungsweise Unternehmen sehr überschaubar. Insbesondere bei Bitcoin sind es nur eine handvoll Akteure, die für den Großteil aller geminten Bitcoins sorgen.

Natürlich möchte auch Binance an der Stellschraube Mining drehen können. So gab die KryptoBörse ebenfalls letzte Woche bekannt noch in Q2 dieses Jahres einen Mining Pool aufzubauen. Spezialisten vom Marktführer Bitmain sollen dazu bereits angeheuert worden sein. Mit dem Sprung ins Mining Business holt sich Binance nur das logisch nächste Puzzleteil im Krypto-Ökosystem.

Der ganzheitliche Krypto-Ansatz

Das Vorgehen von Binance scheint relativ kalkulierbar. Binance arbeitet eine Liste ab, auf der alle Elemente stehen, die notwendig sind, um einen Markt zu möglichst gut kontrollieren zu können. Nicht nur bei Kerndienstleistungen, sondern auch bei den „Soft-Dienstleistungen“ versucht Binance alles Mögliche abzudecken. Sei es die eigene Academy, Charity-Organisation oder Debitkarten, um in Zukunft auch den Supermarkteinkauf über die Infrastruktur von Binance abzuwickeln. Man muss sich also die Frage stellen, ob es überhaupt noch etwas gibt, das Binance nicht anbietet. Binance hat sehr gut verstanden, wie man ein Ökosystem in nur kurzer Zeit aufbauen und in diesem die Wertschöpfung steuern kann.

Selbstverständlich verfügt Binance auch über einen eigenen US-Dollar Stable Coin. Mit dem Binance USD (BUSD) Token kann man genau wie mit dem Stable Coin Tether die Brücke zwischen Krypto und Fiatsystem schlagen. Für jeden professionellen Trader sind Stable Coins unverzichtbar, um schnell in die weniger volatile Fiatwährung wechseln zu können. Allerdings ist Binance hier alles andere als ein Marktführer, gegen Tether ist Binance nur ein kleines Licht.

Steht Tether auf dem Wunschzettel?

Nach Markkapitalisierung befindet sich der Stable Coin Tether auf Platz vier und verzeichnet zum Zeitpunkt des Schreibens ein Handelsvolumen von 47 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Das Handelsvolumen von Bitcoin beträgt lediglich 39 Milliarden US-Dollar. Vergleichsweise abgeschlagen befindet sich der Binance Stable Coin auf Platz 35 und verzeichnet ein Handelsvolumen von gerade einmal 79 Millionen US-Dollar. Tether wird also um den Faktor 595 mehr gehandelt als Binance BUSD.

Um an die Reichweite von Tether heranzukommen, muss die KryptoBörse also noch extreme Anstrengungen unternehmen. Neben Binance ist es steht auch das Unternehmen hinter Tethe immer wieder im Verruf, den Krypto-Markt stark zu beeinflussen. Zumal es auch hier am „Geschmäckle“ nicht mangelt, da die KryptoBörse Bitfinex über die gleichen Besitzstrukturen verfügt wie das Unternehmen Tether Limited.

Legt Binance nun eine Verschnaufpause ein?

Schließlich ist die Markmacht, die von Tether ausgeht, enorm. Nicht umsonst wird bei Tether gerne die Assoziation mit einer Notenbank geweckt. Folgt man der bisherigen Expansionsstrategie von Binance, dann könnte auch Tether und damit die Börse Bitfinex ein attraktiver Übernahmekandidat sein.

Die Kosten dürften allerdings gigantisch sein. Auch ist die Bitcoin-Börse klug genug um zu wissen, dass es mit ihrer Marktmacht nicht vollkommen übertreiben darf. Eine schleichende und leise Vereinnahmung von Marktinfrastruktur ist hier definitiv die klügere Strategie. Dass es zu einer Übernahme von Tether durch Binance kommen könnte, ist allerdings reine Spekulation, für die es keinerlei sachliche Hinweise gibt.

Zuviel Marktmacht für einen Akteur?

Im Gegensatz zum traditionellen Finanzmarkt ist die Gefahr einer Zentralisierung im Krypto-Markt größer, so sehr es im absoluten Widerspruch zum dezentralen Narrativ der Krypto-Ökonomie steht. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich aufgrund der geringen Marktgröße sowie mangelnder Infrastruktur und Aufsicht ein übermächtiger Player entwickelt, ist einfach sehr groß.

Wäre Binance im regulierten Finanzsektor tätig, dann dürften die Kartell- und Aufsichtsbehörden nicht erst einmal vor der Tür gestanden haben. Dies ist aber nicht der Fall, sodass die Krypto-Börse bis auf Weiteres relativ sorglos auf Shoppingtour gehen kann.

Um Missverständnissen entgegen zu wirken: Das Streben nach Marktanteilen kann man keinem Unternehmen vorwerfen, ganz im Gegenteil. Es geht nicht darum, dem Unternehmen Binance etwas vorzuwerfen oder es in einem schlechten Licht dastehen zu lassen. Vielmehr sollten sich alle Markteilnehmer im Klaren sein, welche Konsequenzen eine derartige Expansion für ein anfälliges Ökosystem wie den Krypto-Markt haben kann.

 

Source: BTC-ECHO

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