Gräueltaten der Menschheit: Festival der Menschenrechte in Genf

Wie Menschenrechte mit Füßen getreten werden – darum geht es beim Festival und Forum über Menschenrechte in Genf, dem weltweit bedeutendsten Filmwettbewerb zu Thema. 2003 ins Leben gerufen, findet er jährlich im März parallel zur Sitzung des UNO-Menschenrechtsrats statt.

Nach den Spiel- und Dokumentarfilmen kann das Publikum bei Podiumsdiskussionen mit Regisseuren und Experten die Grausamkeiten verdauen. Festivalleiterin Isabelle Gattiker: “Wir wollen mit diesem Festival sagen: Gleichgültigkeit ist im Jahr 2017 absolut nicht mehr drin. Jeder muss sich engagieren, wir müssen alle reagieren, jeder nach seinen Möglichkeiten. Ob man nun eine Vereinigung unterstützt, Briefe schreibt oder anprangert, was auf der Welt passiert. Wir sind alle Akteure dieser Welt.”

Der Preis der Weltorganisation gegen Folter ging beim diesjährigen 15. Festival an Manon Loizeau, die schon durch Reportagen und Dokumentarfilme in Tschetschenien und Georgien auf sich aufmerksam machte. In Silent War zeigt sie das Drama syrischer Frauen, die in den Gefängnissen vergewaltigt werden und nicht einmal darüber reden können. Der Körper der Frau als Kriegsgebiet: “Das ist das perfekte Verbrechen für das Regime”, klagt Loizeau. “Die Frauen können nicht über die Vergewaltigung sprechen, sonst werden sie von ihrer Familie verstoßen, es gibt sogar Ehrenmorde. Das ist nicht nur ein Film über Vergewaltigung, sondern über die syrischen Frauen – was sie vorher waren, ihren Traum von der Revolution, den Moment, an dem es kippte, und wie sie heute überleben.”

Den Gilda-Vieira-de-Mello-Preis – eine Hommage an deren Sohn Sergio, einen hochrangigen brasilianischen UN-Mitarbeiter, der als Sondergesandter des UN-Generalsekretärs 2003 bei einem Bombenanschlag im Irak getötet wurde – erhielt der schon für einen Oscar nominierte Dokumentarfilm I Am Not Your Negro von Raoul Peck. Auf Basis eines unvollendeten Manuskripts des amerikanischen Schriftstellers James Baldwin setzt er sich mit dem bis heute anhaltenden Rassismus in den USA auseinander.

Neu im Kino: I Am Not Your Negro https://t.co/BIzAUDqKNW pic.twitter.com/ZLgHsteM24— CINEMA.de (@CINEMA_KINO_DVD) 29 March 2017

Peck: “Baldwin sagt auch in dem Film, dass für ihn die Unterhaltungsindustrie – und da schließe ich die gesamte Fernsehbranche mit ein – genauso wie die Drogenindustrie ist. Denken wir an die unzähligen Stunden Reality-TV: Da wird einem klar, dass das nicht gerade hilft, die Dinge zu erhellen, und dass die Ignoranz immer mehr zunimmt.”

Unter den Highlights war auch 500 Years, der letzte Teil der Trilogie von Pamela Yates über den Genozid an den Maya in Guatemala – und den Erfolg von Opfern und Menschenrechtsanwälten, Ex-Diktator Ríos Montt vor Gericht zu bringen. Er wurde wegen Völkermordes zu achtzig Jahren Haft verurteilt. Das Urteil wurde allerdings wegen Verfahrensfehlern später aufgehoben.

“Wir leben in einer Zeit, in der wir uns autoritären Regierungen widersetzen müssen, ob in den USA, Lateinamerika oder Europa, und in der der Spielraum für die Zivilgesellschaft immer enger wird. Wir können viel aus der Weisheit der Maya lernen, darüber, wie wir unseren eigenen Widerstand weltweit organisieren”, meint Yates.

Half a millennium is not enough to break a people so vibrant and valiant!#500Years by #PamelaYates HRWFilmFestivalhttps://t.co/czq3SG0hhg pic.twitter.com/RBbYP0pIlt— DMovies (DMovies_org) 12 March 2017

Ehrenkünstler bei diesem Festival war der kambodschanische Dokumentarfilmer Rithy Panh, der mit einer Installation eigens für das Festival und seinem Wettbewerbsfilm Exil den Schrecken, den die Roten Khmer in seiner Heimat verbreiteten, aufarbeitet.

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