"Hart aber fair" bespricht trotz Kritik wichtiges Thema

Schon die Sendungsankündigung „Flüchtlinge und Kriminalität“ von “hart aber fair” hatte bei einigen Medienvertretern für Furore gesorgt. “Rechtspopulistisch” lautete der Vorwurf. Nun lässt sich sagen, am Montagabend wurde viel diskutiert, was man vor ein paar Jahren so noch nicht gesagt hätte. Allerdings alles ausgewogen und differenziert. Es entsteht eine Sendung mit wichtigem Thema und  ohne Schaum vor dem Mund.

Die Runde bei “hart aber fair” von links nach rechts:Markus Blume, Ruud Koopmans, Holger Münch, Isabel Schayani, Annalena Baerbrock

Frank Plasberg hatte sich für seine Sendung ein, so könnte man meinen, heikles Thema herausgesucht: „Flüchtlinge und Kriminalität“. In der Vorschau hieß es: „Junge Männer, geflohen aus Krieg und archaischen Gesellschaften – für viele hierzulande Grund zu Sorge und Angst. Können solche Flüchtlinge überhaupt integriert werden? Wie unsicher wird Deutschland dadurch?“

Eigentlich alles Fragen, die man knapp drei Jahre nach Beginn der Flüchtlingskrise in Deutschland zu stellen glaubte. Insbesondere nach den Vorfällen der Silvesternacht in Köln und nach mehreren Straftaten, in denen junge Männer ihre Freundinnen wegen „Ungehorsams“ schwer verletzten oder sogar umbrachten, wie die ARD-Dokumentation „Das Mädchen und der Flüchtling“ unmittelbar vor der Sendung zeigte. Die Doku schildert unter anderem einen Fall, bei dem ein junger Mann seine Freundin erstach, weil diese ihn verlassen hatte.

Kritik in den sozialen Netzwerken


Auf Twitter gab es viel Kritik unter anderem von Jan Böhmermann, „hart aber fair“ reagierte gelassen und bekam so die Aufregungswelle über Themensetzung, Framing und dem Vorwurf des Rechtspopulismus in den Griff. Und das kurz nachdem Plasberg angekündigt hatte, den Chef der AfD Alexander Gauland nicht mehr in die Sendung einzuladen, weil er die Nazi-Verbrechen zu sehr relativiere.


In der eigentlichen Sendung am Abend wurde es weniger emotional als im Vorfeld. Markus Blume, Generalsekretär der CSU, macht gleich deutlich: „Es betrifft das subjektive Sicherheitsempfinden. Natürlich haben wir Fehlentwicklungen und Probleme, wo mancher am Anfang auch naiv war“, sagte er. „Und wir sind es den Opfern schuldig, dass wir darüber reden. Was ist falsch gelaufen? Gab es Überforderungen beim Staat?“

Auch Weltspiegel-Moderatorin Isabel Schayani spricht von einer gewissen Naivität, als 2015 die Neuankömmlinge mit Teddybären und Essensspenden begrüßt worden, lobt aber auch das soziale Bewusstsein: „Eine Zivilgesellschaft hat sich erhoben. Jeder Fünfte engagiert sich.“

Zahlen teils gut, teils schlecht

Wichtig sind in dieser Sendung besonders die Zahlen. So ist die Anzahl der tatverdächtigen Zuwanderer im Jahr 2017 um vier Prozent gesunken. Bei Eigentumsdelikten im Speziellen beispielsweise um 18 Prozent sogar. Allerdings: Bei gravierenden Delikten seien Zuwanderer auffällig oft tatverdächtig. In 15 Prozent aller Straftaten gegen das Leben (beispielsweise Mord oder Totschlag) wird ein Flüchtling als Tatverdächtiger ermittelt

Woran liegt das nun? Darüber kann Holger Münch Aufschluss geben, Präsident des Bundeskriminalamtes. Er sagt: „Männer begehen auch hierzulande drei Mal so viele Straftaten wie Frauen, junge Männer noch mehr.“ Und hier her kämen sehr viele junge Männer. Besonders aber aus den so genannten Maghreb-Staaten werden die Menschen straffällig. Das liege auch an ihrer geringen Bleibeperspektive. „Und auch Georgier verbringen einen Großteil ihrer Zeit hier mit Eigentumsdelikten.“

Maghreb-Staaten sollen sichere Herkunftsländer werden

Dass Maghreb-Staaten sichere Herkunftsländer werden sollen, darin sind sich die meisten der Runde einig. Lediglich die Bundesvorsitzende von Bündnis 90/ Die Grünen Annalena Baerbock findet, dass man nicht Länder pauschal als sicher vermerken könne, sondern den Einzelfall betrachten müsse. Trotzdem bleibt Konsens: Je weniger Bleibeperspektive man vermittle, desto weniger Menschen machten sich auf den Weg nach Deutschland.

Immer wieder ringt die Gruppe um Differenzierung. Nein, nicht alle Flüchtlinge sind kriminell.  Nein, nicht alle Muslime haben ein derart anderes Bild von Mann und Frau oder lassen sich nicht eines Besseren belehren. Und ja, Integration kann gelingen, aber eben nur mit der nötigen Strenge und Liebe zugleich.

Das alles sind keine neuen Erkenntnisse oder Aussagen. Aber es ist wichtig, dass es in Deutschland möglich war, dieses Thema überhaupt zu setzen. Denn nur, wenn auch diese Themen ohne Augenwischerei besprochen werden können, dann werden sie den tatsächlichen Rechtspopulisten weggenommen und sorgt wieder für ein besseres Miteinander – auch unter Deutschen.

Foto: WDR / Oliver Ziebe