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Jetzt hat Deutschland auch eine "animated Sitcom": Wird "Friedefeld" das neue "Die Simpsons?"

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Die "halben Drillinge", wie sie von den Machern der Sitcom "Friedefeld" genannt werden, könnten unterschiedlicher nicht sein: die karrierefixierte Managerin Barbie, der Aufschieber Paul (Mitte) und der Lebenskünstler Ludwig. (Bild: BR/Little Dream Entertainment/Christopher Roos von Rosen)

Ist die erste deutsche animated Sitcom "Friedefeld" (ARD Mediathek) das nächste "Die Simpsons"? Produzent Ali Samadi Ahadi hat da eine Antwort ...

Egal ob Dokumentation, Spielfilm oder Komödie - Filmemacher Ali Samadi Ahadi setzt auf Humor, aber er weiß auch, seine gesellschaftskritischen Botschaften in seinen Projekten zu platzieren. Nichts anderes hat man von "Friedefeld" (ab Freitag, 22. März, in der ARD-Mediathek) erwartet. Als erste deutsche animated Sitcom angekündigt präsentieren die Schöpfer um Ali Samadi Ahadi eine zehnteilige Serie, die sich durch ihren anspruchsvollen, anarchischen Geist und bemerkenswerte Tiefe auszeichnet. Wann hat man im deutschen Fernsehen zuletzt einen derart subversiven Mix aus Gesellschaftskritik und Spaß gesehen? "Friedefeld" hat fraglos das Potenzial, zur Kultserie zu avancieren. Dürfen sich die Zuschauerinnen und Zuschauer also auf das nächste "Die Simpsons" freuen?

Ali Samadi Ahadi (52) ist Produzent der Serie
Ali Samadi Ahadi (52) ist Produzent der Serie "Friedefeld", die von den Machern als erste deutsche Sitcom angekündigt wurde. Im teleschau-Interview spricht er über den Entstehungsprozess. (Bild: Ali Samadi Ahadi / privat)

Ganz so bunt wird es laut Samadi nicht, wie er jetzt gegenüber der Agentur teleschau betont hat: "Die Simpsons' ist natürlich ein Meisterwerk, aber es erzählt amerikanische Themen." "Friedefeld" versuche hingegen, deutsche Themen aus der Sicht deutscher Filmemacher zu erzählen. "Und wir versuchen, Geschichten zu erzählen, die viel mehr mit uns als Gesellschaft, mit dem heutigen Deutschland, mit dem heutigen Europa zu tun haben", erklärt der 52-Jährige anlässlich des Starts. Die Handlung persifliert häufig Aspekte des deutschen Alltags- und Familienlebens. Da geht es um Pünktlichkeit, Erfolgsdruck oder um Beziehungsstigmata.

So schiebt Paul, einer der "halben Drillinge", wie die Hauptprotagonisten von den Machern der Sitcom "Friedefeld" genannt werden, stets eine ruhige Kugel, wenn es um wichtige Entscheidungen geht. Seine Spezialität: Prokrastination. Auch wenn diese Eigenschaft überspitzt dargestellt wird, regt Pauls chronische Unschlüssigkeit zum Nachdenken an. Jeder hat doch etwas, das er gerne vor sich herschiebt ... Neben Paul gibt es da noch die karrierefixierte Managerin Barbie und den Lebenskünstler Ludwig. Die taffe Blondine ist äußerlich zwar ein wandelndes Klischee auf zwei Beinen, regiert in ihrer Welt allerdings mit Intellekt - und mit einer Portion Habgier. Ludwig hingegen ist ein hoffnungsloser Fall, der für die notwendige Dosis Verrücktheit sorgt, die so eine Sitcom eben braucht. Die animierte Sitcom begleitet die drei bei skurrilen Abenteuern und lebensverändernden Entscheidungen. Synchronisiert wurden die Rollen unter anderem von David Kross, Jacqueline Belle und Phil Laude.

"Friedefeld"-Produzent Ali Samadi Ahadi spricht über siebenjährigen Entstehungsprozess

Die Serienschöpfer konzentrieren sich laut Samadi "nicht nur auf politische Themen, sondern auch auf die "inneren Kämpfe", die heute fast jeder im Strudel von Alltag, Massenmedien und Co. ausfechten muss". Der Produzent betont, dass es bei aller Überzeichnung um den Bezug zum wirklichen Leben gehe. Und er sagt das mit aller Bescheidenheit: "Friedefeld" mache - im Gegensatz zu "Die Simpsons" - in diese Richtung noch die ersten Schritte.

Bis zur Ausstrahlung war es offenbar ein recht holpriger Weg, wie der gebürtige Iraner, der als Kind aus seiner Heimat flüchten musste, um nicht als Kindersoldat zwangsrekrutiert zu werden, gegenüber teleschau erklärt. Auch wenn er noch nie davor zurückgeschreckt sei, einen Weg zu gehen, der noch nie beschritten wurde, habe der Entstehungsprozess sehr lange gedauert. "Ich habe fast sieben Jahre mit den beiden Autoren an diesem Projekt gearbeitet - inhaltlich, technisch und finanziell war es eine riesige Herausforderung", erinnert sich der Produzent an eine turbulente Zeit. Trotz eines großen Teams sei er über die Jahre mehr oder weniger der Einzige gewesen, der an dieses Projekt geglaubt habe. Doch irgendwann drehte sich der Wind: Erst mit der Integration der Mediatheken in die Struktur der öffentlich-rechtlichen Sender hätten sich mehr Möglichkeiten ergeben, auch solch gewagte Projekte zu realisieren.

Im BR Fernsehen wird die Serie am Donnerstag, 25. April, sowie eine Woche später am 2. Mai jeweils um 23.15 Uhr ausgestrahlt, immer fünf Folgen am Stück.