"heute-show" fordert EU-Neugründung "ohne die bekloppten Ungarn und Polen"

Jürgen Winzer
·Lesedauer: 5 Min.

In der "heute-show" (ZDF) spielten diesmal patriotische Querdenker, dummdreiste AfD-Menschenschleuser und erpresserische Ost-Genossen die Hauptrollen. Erstaunlich: Der Name Donald Trump fiel erstmals seit Monaten kein einziges Mal.

Haben die bissigen Schreiber der "heute-show" vor Donald Trump kapituliert? Jedenfalls kam der schräge Typ, der sich an sein Amt und weißes Häuschen klammert, nicht zur Sprache. Es ist allerdings auch schwierig, über jemanden schwarzhumorige Pointen zu stricken, der wie der menschgewordene Zynismus durch sein (von ihm) gespaltenes Land trumpelt.

Andererseits gibt's ja auch hierzulande vieles, das man deftig derblecken kann. Wie zum Beispiel das "Depri-Highlight der Woche", wie Oliver Welke die Querdenker-Demo in Berlin nannte. Bei der wurde für das "berühmte Grundrecht", gekämpft, "jederzeit andere Menschen mit Corona anstecken zu dürfen". Welke: "Querdenker sind eben Patrioten!" Bei der Demo gab's krasse Misstöne: Als nämlich eine so ambitionierte wie katastrophale Dame die Hymne zersang. Welke: "Viele älteren Berliner haben gedacht, es ist wieder Fliegeralarm und sind direkt in die Luftschutzbunker."

"heute-show" (ZDF): "Seit wann haben Nazis was gegen Ermächtigungsgesetze?"

Die Demo geriet zum Beweis der Widersprüchlichkeit ihrer Unterstützer. Es wurde gegen das neue Infektionsschutzgesetz demonstriert. Oder, so Welke, wie es die "Verstrahlten und Rechten nennen: das Ermächtigungsgesetz". Genau da hinkt die Bezeichnung. Welke: "Seit wann haben Nazis denn was gegen Ermächtigungsgesetze?"

Ihre besondere Auffassung von Demokratieverständnis belegten auch Mitglieder der AfD, die zu Menschenschleusern wurden und dafür sorgten, dass Querulanten in den Reichstag marschieren und dort Bundespolitiker anpöbeln konnten.

Wenn die Querdenker und Verschwörungstheopretiker bitte hinschauen wollten: "Diese Woche", so Welke, "war der ultimative Beweis, dass wir eben in keiner Merkel-Diktatur leben."

Zoff im Ministerpräsidenten-Kindergarten: "Die Angela hat aber angefangen!"

Denn: Die Ministerpräsidenten muckten auf! Es gab, so Welke, eine offene Revolte gegen die Bundeskanzlerin, deren Vorschläge ignoriert wurden. "Willkommen im Kindergarten!", meinte Welke, denn der Beef zwischen allen und jedem hatte sich an Verfahrensfragen entzündet. Und ging - natürlich - zu Lasten der Bürger, die weiter auf richtungsweisende Entscheidungen warten müssten. Denn: Nach fünfstündigem Meeting am vergangenen Montag war die einzige Entscheidung der Kindergarten-Elefantenrunde: "Wir treffen uns nächste Woche wieder."

Bis dahin gibt es nur Appelle. Einige davon, wie zum Beispiel "Vermeiden Sie unnötige Reisen in Risikogebiete wie Spanien", ergeben durchaus Sinn. Frag nach bei Jogi Löw und der Nationalmannschaft! Für den nächsten Ministergipfel guckte "Spoiliver Welke" kurz in die Glaskugel und verkündete, es werde neue "Kontaktbeschränkungen" geben. Woher er das wisse? "Weil ihnen nie was anderes einfällt." Dabei seien frische Ideen dringend nötig. Welke: "Sonst hangeln wir uns bis April von einem Lockdown zum nächsten."

Kinder und der eine Freund: "Wirklichkeitsfremder Blödsinn"

Leiden müssten vor allem immer noch die Kinder. Die Idee, dass sich Kinder nur noch mit einem Freund treffen dürfen, und zwar immer mit demselben einen, sei "wirklichkeitsfremder Blödsinn". Logischer sei da schon, dass sich einzelne Kultusministerien so verzweifelt an den Präsenzunterricht der Schulen klammerten. Welke: "Damit keiner merkt, wie gnadenlos wir bei der Digitalisierung der Schulen hinterherhängen." Das unterstützte Olf Schubert: "Bei uns bedeutet Digitalunterricht, wenn der Lehrer ein Gedicht über ein USB-Kabel vorliest."

Um etwa eine "hybride" Lösung anzubieten - der Lehrer unterrichtet eine Hälfte der Klasse in der Schule, während sein Unterricht per Webcam live für die andere Hälfte daheim übertragen wird -, müsste man natürlich investieren. Aber das ist eine Frage der Prioritäten: "Eine Webcam mit Micro kostet knapp zwölf Euro. Zum Vergleich: Die Autoindustrie hat diese Woche noch einmal fünf Milliarden geschenkt bekommen."

"Botschaft verstanden: Die nächsten Monate werden scheiße!"

Es hakt an der Kommunikation mit dem Bürger. Welkes Tipp hierfür: "Alte Regel: Nie mehr versprechen, als man halten kann." Dass dauernd vom Fernziel "möglichst frohe Weihnachten" gelabert werde, schließe Millionen von Mitbürgern aus, denen Jesu Geburtstag einfach egal sei. Jetzt kommen auch noch die Silvesterböllerverbotsdebatten dazu. Welke: "Eine Anhäufung von Drohungen und Duchhalteparolen." Dabei habe doch jeder verstanden: "Die nächsten Monate werden scheiße! Ja, Botschaft angekommen."

Und nicht nur bei uns, sondern fast überall auf der Welt. Nur witzigerwiese in China nicht. Da gingen die Zahlen zurück, sodass Clubs wieder geöffnet haben und Partys gefeiert werden - unter anderem auch ein Oktoberfest! Erst das Virus erfinden und dann die Maßkrüge stemmen - voll unfair!

Gründet die EUODBUUP! Europäische Union ohne die bekloppten Ungarn und Polen

China ist dem Westen nicht nur im Handling mit dem Virus derzeit voraus ("Da wird nicht empfohlen, was zu tun ist, da wird befohlen"), sondern auch wirtschaftlich. Auf die Frage "Welche Chancen hat die EU gegenüber dem von China geführten Asienmarkt?" lachte sich Caroline Kebekus erst mal schlapp ("Haben Sie wieder Bambus geraucht?") und antworte dann klar. Keine.

Was aber vor allem an der EU liege, die es nicht einmal in Zeiten größter Not schaffe, zusammenzuhalten. Stattdessen lasse sie sich von Orban, "dem ungarischen Gulasch mit Ohren" und seinem "polnischen Gangster-Kollegen" erpressen. Ihre Empfehlung: Alle Staaten treten aus der EU aus und gründen eine Minute später eine neue Union: die EUODBUUP - die "Europäische Union ohne die bekloppten Ungarn und Polen".

Wurst-Case-Szenario: Bleibt der Grill im Sommer leer?

Am Ende wurd's noch mal dramatisch: Till Reiners warnte davor, dass die kommende Grillsaison der Deutschen in Gefahr sei, wenn die "Ausbeutung bei Tönnies & Co. wirklich verboten würde". Und das sei ja wohl das "Wurst-Case-Szenario". "Es geht um die Wurst, Leute", mahnte Reiners, und die bestehe nun mal aus "viel Liebe, Knorpel und Ausbeutung". Deshalb habe die CDU ja in Sachen Leiharbeiter doch wieder Zugeständnisse an die Fleischindustrie gemacht.

Motto: Wir sind total gegen beschissene Arbeitsbedingungen und Ausbeutung, außer in Monaten mit "r". Oder wenn wir richtig Hunger haben. Guten Appetit.