Mit Horrorfilmen durch die Krise: So schlägt sich ein "Goodbye Deutschland!"-Paar in Hollywood

Carmen Schnitzer
·Lesedauer: 3 Min.

Er drehte schon mit Gina-Lisa Lohfink, Micaela Schäfer und Katy Karrenbauer: Nun wollte Horrorfilm-Regisseur Marcel Walz auch in Hollywood durchstarten. Warum er dafür einen eigenen Sushi-Laden brauchte und wie Corona plötzlich alles auf den Kopf stellte, zeigte die VOX-Doku "Goodbye Deutschland!".

"Da müsst ihr jetzt alle durch", beschloss "Goodbye Deutschland!"-Auswanderer Marcel Walz (34). Denn diese Geschichte wollte er dem VOX-Team unbedingt erzählen: 2012 habe er mit seinem Mann Dominik Jurczek (35) Urlaub in Los Angeles gemacht und bei einer Sightseeing-Tour einen Obdachlosen entdeckt: "Ein bildschöner Mann, wie gemalt! Ich bin mir sicher - dieser Mensch ist mit dem Wunsch hierhergekommen: 'Ich will Schauspieler werden, ich will Model werden'. Der kam hierher, hatte vielleicht niemanden, der ihn unterstützt ... und er hat's nicht geschafft."

Auch nach Jahren noch bewegte Marcel diese Story, wurde ihm doch schmerzlich bewusst: Ihn selbst hätte durchaus ein ähnliches Schicksal ereilen können. Nach Hollywood zu ziehen, um Filme zu machen - viele träumen davon, aber nur für die wenigsten erfüllt sich der Traum. Hätte Ehemann Dominik als Pilot bei einer chinesischen Airline nicht gut verdient und Marcels Vorhaben, als Indie-Horrorfilm-Regisseur in L.A. durchzustarten, nicht mitgetragen ... wer weiß?

Sushi fürs Visum

Allerdings gab es ein nicht zu verachtendes Problem: Ein Visum musste her! Das bekommen in den USA unter anderem Investoren, und so beschlossen Marcel und Dominik, ein Veggie-Sushi-Restaurant zu eröffnen - wie so manch "Goodbye Deutschland!"-Auswander vor ihnen mit wenig Gastro-Erfahrung und dazu nicht mal großer Gastro-Begeisterung. Schließlich diente der Laden lediglich als Mittel zum Zweck.

Immerhin aber war Dominik schon als Kind dem Kulinarischen sehr zugetan und liebte überdies Sushi - im Gegensatz zu Marcel, dem schon beim Gedanken an Nori-Blätter übel wurde. Unter anderem wegen Genehmigungs-Hickhack verzögerte sich die Eröffnung immer wieder, mehr als neun Monate später als geplant konnte sie im März 2019 dann endlich stattfinden. Und tatsächlich: Das Restaurant wurde ein Erfolg, sicher auch dank der 100.000 Dollar, die das Paar investiert hatte. Auch in der Folgezeit brummte der Laden, das Investoren-Visum für fünf Jahre folgte. Schritt ein des Hollywood-Projektes war also schon mal geglückt. Oder?

"Hätte uns das Genick brechen können"

Ein Restaurant bedeutet viel Arbeit. Wie ging es weiter, wenn beide Männer doch eigentlich andere Karrierepläne verfolgten? "Wenn ich in China war, hat's teilweise wirklich Probleme gegeben, sodass mich jemand morgens um vier Uhr aus dem Bett geklingelt hat, weil irgendwie Gemüse leer war." Die Doppelbelastung zerrte extrem an Dominiks Nerven. Dass er und Marcel den Laden bald an ihren Koch verkauften, erwies sich - obwohl damit auch das Visum erst mal weg war - im Zuge der Corona-Krise natürlich als riesiger Glücksfall: "Das hätte uns auch das Genick brechen können", resümierte Marcel. Überhaupt schien das Paar alles in allem auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen, die sie in ihrem Zuhause in den Hollywood Hills (schlappe 6.000 Dollar Miete im Monat!) genossen. Denn irgendwoher folgte auf jede Schwierigkeit stets auch eine Lösung.

Nachfolger für "Halloween"-Killer Michael Myers?

Während etwa Dominik als Pilot in der Corona-Krise plötzlich keine Arbeit mehr hatte, konnte Marcel tatsächlich fernab der Heimat erste Erfolge als Regisseur verbuchen, die ihm demnächst sogar zu einer Green Card und damit zu einer permanenten Aufenthaltsgenehmigung verhelfen könnten. Sein Streifen "Blind", in dem sich ein als "Pretty Boy" maskierter Serienkiller ins Leben (und Haus) einer blinden Frau schleicht, hatte bereits einige Preise gewonnen und Geld eingespielt. "Vielleicht, mit ganz viel Glück, haben wir etwas geschaffen, was Michael Myers irgendwann mal ablöst, wenn er in Rente geht", hoffte Marcel bereits, die überaus erfolgreiche "Halloween"-Filmreihe beerben zu können, während Dominik sich einfach freute: "Tja, so hat sich das Blatt gewendet, jetzt ist Marcel momentan der Hauptverdiener, und da bin ich natürlich glücklich drüber. Das rettet uns den A..... auf gut Deutsch gesagt. Und natürlich bin ich auch stolz drauf, dass es so weit gekommen ist bei ihm."