"In keiner Stadt so unsicher gefühlt wie in Berlin": Opernsänger verklagt die BVG

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Der deutsch-amerikanische Opernsänger Jeremy Osborne soll in einer Berliner Bahn von Kontrolleuren angegriffen worden sein. In einer beispiellosen Aktion verklagt er nun die Verkehrsbetriebe der deutschen Hauptstadt.

Ein Opernsänger will die BVG wegen Diskriminerung verklagen (Bild: Bildagentur-online/Universal Images Group via Getty Images)
Ein Opernsänger will die BVG wegen Diskriminerung verklagen (Bild: Bildagentur-online/Universal Images Group via Getty Images)

In Werbekampagnen verpassen sich die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) gerne ein weltoffenes Image. Doch Opernsänger Jeremy Osborne hat andere Erfahrungen in den Bahnen der deutschen Hauptstadt gemacht. Diskriminierung, Rassismus und tätliche Übergriffe wirft er Mitarbeitern der BVG vor, wie die britische Zeitung "The Guardian" berichtet. Deswegen will der Deutsch-Amerikaner nun sogar vor Gericht ziehen.

Vorwürfe gegen Kontrolleure der BVG: Das war passiert

Der Vorfall soll sich im Oktober 2020 zugetragen haben, als Osborne mit der Ubahn-Linie U2 zwischen Spittelmarkt und Hausvogteiplatz unterwegs war. Als zivile Kontrolleure zugestiegen waren, um seinen Fahrausweis zu kontrollieren, habe er sie wiederum zum Vorzeigen ihrer Dienstausweise aufgefordert. Daraufhin sei die Lage schnell eskaliert.

Osborne zufolge hätten die Kontrolleure ihm seine Jahreskarte aus der Hand gerissen und ihn zum Verlassen der Bahn gezwungen. Auf dem Bahnhof hätten sie in Bezug auf die amerikanische Bürgerrechtsbewegung zu dem dunkelhäutigen Sänger gesagt: "'Black Lives Matter' ist für dich nur eine Ausrede." Daraufhin hätten sie ihn auf eine Metallbank geschubst, wobei er sich an Armen und Beinen Verletzungen zugezogen habe, die im Krankenhaus behandelt werden mussten.

Der offizielle Bericht des BVG, der dem "Guardian" zufolge anderthalb Jahre später erstellt wurde, unterscheidet sich von dieser Schilderung, deckt sich jedoch auch nicht vollständig mit dem Polizeibericht, der unmittelbar nach dem Vorfall entstand. Die Verkehrsbetriebe geben an, Osborne hätte die Kontrolleure provoziert, indem er seine Jahreskarte besonders langsam gezogen hätte. Zudem hätte er die Mitarbeiter, von denen drei türkischer Abstammung sind, als Ausländer bezeichnet - ein Vorwurf, den Osborne bestreitet.

"In keiner Stadt so unsicher gefühlt wie in Berlin"

Dass ein derartiges Vorkommnis offenbar kein Einzelfall ist, zeigt die Social-Media-Kampagne #WeilWirunsFürchten - eine Anspielung auf den BVG-Werbeslogan #WeilWirDichLieben - in der bereits Dutzende Menschen Diskriminierung durch BVG-Kontrolleure schildern. So erklärte die Amerikanerin Juju Kim auf Instagram, dass ihr ein Kontrolleur einen Finger gebrochen habe, als er ihr den Fahrschein aus der Hand gedreht habe.

Osborne lässt nach seinen Erfahrungen ebenfalls kein gutes Haar an den BVG. "Ich habe schon in Baltimore gelebt, in New York, in Nizza und Wien", sagte der Opernsänger dem "Observer". "Aber in keiner Stadt habe ich mich in den öffentlichen Verkehrsmitteln so unsicher gefühlt wie in Berlin. Es ist, als ob die Kontrolleure denken, sie hätten die Freiheit, einen nach Belieben zu belästigen."

Klage unter Berliner Antidiskriminierungsgesetz

Nun will Osborne die BVG verklagen. Grundlage hierfür ist das Antidiskriminierungsgesetz, das 2020 im Land Berlin in Kraft trat. Es ist die erste Klage gegen öffentliche Verkehrsbetriebe unter diesem Gesetz, das Menschen vor Diskriminierung aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe oder sexueller Orientierung durch Behörden oder Beamte schützen solle. Osbornes Anwälte sagten dem "Guardian", dass damit auch die Verkehrsbetriebe und das Verhalten ihrer Kontrolleure darunter fallen.

Die BVG weist "The Guardian" zufolge jedoch die rechtliche Verantwortung von sich. Die Kontrolleure, so die Argumentation des Unternehmens, seien nicht direkt bei der BVG angestellt.

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