So ist es wirklich, als Weihnachtsmann zu arbeiten

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Als Kind hatte Marcus Tiberius Maier nicht viel mit dem Weihnachtsmann am Hut: Mit einem Vater aus Bayern und einer Mutter aus Norddeutschland kündigte das eine Elternteil ebenso euphorisch das Christkind wie das andere den Weihnachtsmann an. „Dieser Bruch in den Erzählungen kam mir schon gleich ein bisschen spanisch vor“, sagt er. Heute tut er alles, um Kindern die perfekte Illusion zu bieten.

Wie viel verdient man als Weihnachtsmann – und macht der Beruf eigentlich Spaß? (Symbolbild: Getty Images)

Für seinen Job bringt Marcus Tiberius Maier genau die körperlichen Voraussetzungen mit, mit denen sich ein guter von einem nur durchschnittlichen Nikolaus beziehungsweise Weihnachtsmann unterscheidet: lange Haare, einen echten Bauch und einen echten Bart. Das natürliche Rotbraun seiner Haare verwandelt er mittels weißem Puder und Styling-Gel in die typische Weihnachtsmann-Frisur samt Bart.

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Zur Abrundung kommt noch ein Spray der Farbe Schläfenweiß zum Einsatz, „um Akzente zu setzen“, erzählt Maier. „Ich bin dann echt“, findet der Weihnachtsmanndarsteller, der Wert darauf legt, sich schon rein äußerlich von den Horden an Low-Level-Weihnachtsmännern zu unterscheiden, die für wenig Geld dürr und mit schlechtem Plastikbart vor Handyläden stehen und neben Schokolade auch gleich den neuen Supertarif unter die Leute bringen sollen. Die gibt es zur Weihnachtszeit zuhauf, aber „die echten Dicken mit einem echten Bart sind schon begehrt und gesucht“, weiß Maier.

Die Frau des Weihnachtsmanns hat sein Gewand geschneidert

Dazu gehört auch das gesetzt rote Gewand aus Wollstoff und Kunstfell, das ihm zwar nicht die Wichtel, aber seine Frau auf den Leib geschneidert hat. Sowie Stiefel, die sich der Vorsitzende eines Mittelaltervereins schon vor Jahren selbst geschustert hat und die zu seinem eher urigen Look passen: „Wenn die Kinder einen sehen, müssen sie auch erkennen: ok, der kommt von woanders“.

Schauspieler, Komparse und Mann vom Nordpol

Es passt also alles bei dem 47-jährigen Lübecker, der seinen eigentlichen Beruf als Kameramann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben und seitdem bei mehreren Agenturen als Kleindarsteller und Schauspieler gebucht werden kann. Als Komparse war er schon öfter in den in Hamburg gedrehten Serien „Großstadtrevier“ und „Notruf Hafenkante“ zu sehen und trat zum Beispiel auch als Pirat in einem Fernsehfilm von Wolle und Pferd aus der „Sesamstraße“ auf.

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Vor Weihnachten aber ist klar, worauf in den nächsten Wochen der Fokus liegt. Dann kann man ihn für private Feiern direkt oder auch über die Hamburger Promotion-Agentur Blank & Biehl als Nikolaus oder Weihnachtsmann mieten.

Es freuen sich auch die, die den Glauben längst verloren haben

Mit am liebsten sind Maier die Einsätze, bei denen er an Heiligabend Familien zuhause besucht und dort für die Bescherung sorgt. Vier Termine hat er am 24. Dezember: den ersten um 15 Uhr, den letzten um halb acht. Insgesamt verdient er damit 480 Euro.

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Ein Vorgespräch, nach dem er einen großen Sack dalässt, der von der Familie mit Geschenken befüllt und für ihn deponiert wird, ist inklusive.

Nicht nur für Kinder wird der Weihnachtsmann regelmäßig gebucht. (Bild: Getty Images)

Dabei erfährt er, welche Personen bei der Feier anwesend sind, wie sie heißen, wie alt die Kinder sind und auch, von wem was erwartet wird. „Im letzten Jahr war ich bei einer Familie, in der kein Kind war, das noch an den Weihnachtsmann geglaubt hat. Die hatten trotzdem alle einen Heidenspaß. Und auch der 16-jährige Teenager hat ein Lied gesungen, weil die Mutter meinte: Die sollen mal was tun für ihre Geschenke.“

Kinder sind auf die Schokolade scharf, Frauen auf ein Foto

Auch auf Weihnachtsmärkten hat Marcus Maier schon so Einiges erlebt. Eines seiner Highlights war ein Kind, das vor ihm unaufgefordert und in aller Lautstärke um die zehn Gedichte aufsagte, um zur Belohnung jedes Mal eine Süßigkeit abzustauben. „Teilweise hatte ich von denen noch nie etwas gehört, das fand ich ziemlich cool.“ Obligatorisch zum Job gehören auch Kinder in einem Alter, in dem sie die Existenz des Weihnachtsmann zumindest anzweifeln. Um ihn zu entlarven, ziehen sie ihn dann schon mal am Bart – um dann festzustellen, dass der echt ist. Oder Frauen, die oft in Grüppchen auf dem Weihnachtsmarkt unterwegs sind und mit steigendem Glühweinpegel plötzlich auch ein Foto auf dem Schoß des Weihnachtsmannes wollen.

Wenn die Kinder nicht zu ihm kommen, kommt der Weihnachtsmann eben zu ihnen

Und dann gibt es für Weihnachtsmänner und Nikoläuse neben Werbeaufnahmen als mögliche Einnnahmequelle auch Auftritte im Möbelhaus, die bei Schlager- und anderen Sängern meist das berufliche Ende einläuten.

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Wie viel Maier dafür jeweils bekommt, ist Verhandlungssache, sein Verdienst liegt für mehrere Stunden aber im dreistelligen Bereich. Der Andrang an Kindern hält sich dort auch mal in Grenzen und wenn gar nichts mehr los ist, zieht Maier eben seine Runden und beschenkt die Jungs und Mädchen auch mal bei der Schnitzel und Pommes-Pause im hauseigenen Restaurant.

Das eigene Fest fällt flach

Zur Natur der Sache gehört natürlich auch, dass Maier neben privaten Nikolausfeiern auch das eigene Weihnachtsfest mit seiner Familie verpasst. Nach der Arbeit fährt er dann einfach nachhause zu seiner Frau und seiner erwachsenen Stieftochter und ist froh, „wenn es noch was zu Essen gibt“. Trotzdem sagt er zufrieden: „Wenn ich mit der Bescherung durch bin, habe ich genug Weihnachten für zwei Jahre gehabt.“

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