Jauch zeigt Mitleid: Dieser Promi-Punk entgeht nur knapp einer Riesenblamage

Michael Eichhammer
·Lesedauer: 5 Min.

Sebastian Hafner war mit seiner Band Itchy gut im Geschäft, ehe ihm die Corona-Krise einen Strich durch die Rechnung machte. Ob der Auftritt bei "Wer wird Millionär?" die Bandkasse aufbessern kann? Seine Strategie war so unkonventionell, wie es sich für einen Punk gehört.

"Es ist ein ganz besonderes Jahr", leitete Günther Jauch am Montag, dem 28. Dezember die letzte "Wer wird Millionär?"-Ausgabe in 2020 ein. "Ich glaube, viele von uns werden froh sein, wenn es vorbei ist."

Damit sprach der Moderator wohl nicht nur vielen Zuschauern aus dem Herzen, sondern auch einem Kandidaten. Sebastian Hafner aus Eislingen dürfte bei seinem TV-Auftritt weniger Lampenfieber gehabt haben als die meisten anderen Rategäste in der Geschichte der Show: Als Sänger und Gitarrist der Punkrock-Band Itchy (früher als Itchy Poopzkid bekannt) ist er die große Bühne gewöhnt. Oder war es zumindest, denn die Folgen der Corona-Maßnahmen trafen ihn und seine Kollegen hart.

Jauch wollte wissen, vor wie vielen Leuten die Band üblicherweise auftrete. "Wenn wir eine eigene Tournee spielen, sind es bis zu 1.500, auf Festivals sind es schon mal mehrere Zehntausend." Bis März sei die Band gut im Geschäft gewesen, ließ Hafner durchblicken. Fünf Tage vor der geplanten Tour erfolgte jedoch - mitten in der Generalprobe - die Absage. Ein herber Rückschlag, nicht nur für die Musiker: "Im Grunde sitzen da über eine Million Leute auf dem Trockenen, das ist fürchterlich", beschrieb der 38-Jährige die Kollateralschäden der Pandemie-Maßnahmen für den gesamten Kulturbetrieb. "Da sind allein Hunderte Leute bei einer Show beteiligt", erklärte er weiter.

Knapp an der Blamage vorbei

Fast wäre das Jahr für Sebastian Hafner vollends zum Debakel geworden, drohte er doch bereits an der 50-Euro-Frage zu scheitern: "Welches Verb kommt oft im Zusammenhang mit Jubiläen zum Einsatz?" Zur Wahl standen: A) tägen, B) monäten, C) quartälen und D) jähren. Siegessicher erwiderte der Kandidat: "tägen". Jauch stutzte: "Hm? Was ist das für ein Verb?" Offenbar hatte der Moderator Mitleid mit dem gebeutelten Musiker, denn eine solche Vorwarnung verschenkt Jauch äußerst selten.

"Moment kurz", stammelte der Kandidat. "Schon blamiert direkt", erkannte er. Dann entschied er sich korrekt um: "jähren". Jauch konstatierte "Das war sehr knapp" und erinnerte an eine Spezial-Ausgabe von "Wer wird Millionär?", bei der "nur die Total-Loser" mitspielen würden. Gemeint waren Kandidaten, die mit leeren Händen vom heißen Stuhl gingen. Üblicherweise darf man nur einmal im Leben bei WWM mitmischen. "Mit der Nummer wären Sie relativ weit vorne, was den Blamage-Faktor angeht", fand Jauch. "Aber wir können vielleicht noch was drauflegen."

Lorbeeren und Muffensausen

Blamiert hat sich Sebastian Hafner nicht mehr, dafür konnte er finanziell noch deutlich etwas drauflegen. Nach der 8.000-Euro-Frage verriet er, wie er versucht hatte, Günther Jauchs geheimen Körpersprache-Code zu knacken. Ein unkonventioneller Ansatz, ganz wie es sich für einen Punker gehört.

Jauch wollte zunächst wissen: "Das Komitee war sich für 2020 sicher: Den Literaturnobelpreis kann in diesem Jahr nur ...?" Zur Wahl standen A) Keile kriegen, B) Glück haben, C) Lorbeeren ernten und D) Muffensausen bekommen. "Es ist B: Glück haben", entschied sich der Kandidat überraschend schnell. Nach dem Grund befragt, erklärte der Musiker: "Weil der Autor so heißt." Jauch schnaufte übertrieben durch und hakte nach: "Ich soll es also nehmen?" War das nur eine typische Finte des Moderators, der die Kandidaten gern zum Verpulvern von Jokern verführte? "Müssen Sie das jetzt fragen?", konterte Sebastian Hafner frech. Jauch sinnierte laut: "Nehme ich das so unkommentiert hin? Das ist nicht einfach hier." Mit einer ausholenden Handbewegung wandte er sich an die Gäste im Saal. "Die verstehen mich", war sich Jauch sicher. "Die" waren recht wenige an diesem Montag, denn aufgrund des Corona-Schutzkonzepts beschränkte sich das Saalpublikum auf 18 erfolgreiche Ex-Kandidaten aus früheren Sendungen, die als Joker fungierten.

"Der Autor heißt nicht Glück", stellte Jauch fest, als die Antwort bereits eingeloggt war. Sebastian Hafners Blick signalisierte blankes Entsetzen. Dann gab er zu: "Ich habe auch tatsächlich geblufft." Das Publikum lachte, dann erklärte der Musiker: "Lorbeeren und Muffensausen, war mir klar, konnten es nicht sein. Aber es kann jemand Keile oder Glück heißen. Dann dachte ich mir: Ich sage sofort 'Glück' und schaue dem Jauch in die Augen." Dieses gewagte Spiel mit dem Feuer quittierten die Sitzenden mit Applaus. "Aber der Autor heißt nicht Glück", wiederholte Günther Jauch - nur um gleich danach aufzulösen: "Die Autorin heißt Glück. So gesehen haben Sie Glück!"

"Sie saufen ja wie ein Pferd!"

Darauf wollte der Gast einen heben. Entgegen aller Musiker-Klischees gab es bei Jauch natürlich nur Wasser. "Sie saufen ja wie ein Pferd!", stellte der Moderator wenig gastfreundlich fest. "Und ich muss auch bald aufs Klo", war Hafner entwaffnend ehrlich. "Tun Sie sich keinen Zwang an - sorgen Sie dafür, dass bei 16.000 Schluss ist", schlug Jauch vor, der sein seltenes Helfersyndrom wieder durch den gewohnten augenzwinkernden Sadismus ausgetauscht hatte. Doch Schluss war für Sebastian Hafner erst bei 64.000 Euro.

Kennen Sie diesen Mann? Jauch deutschlandweit gesucht!

Auf die Frage, was der Sänger mit dem Geld vorhabe, entgegnete der, ein paar Strafzettel bezahlen zu wollen - auch wenn er hoffe, dass vielleicht nichts komme. Auf dieses Stichwort hin gab Jauch einen seltenen Einblick in sein Privatleben.

"Es kommt immer was. Es ist bei mir noch nie nichts gekommen", räumte Jauch ein und legte mit einer besonders irren Story nach: "Ich bin in Bayern mal zu schnell gefahren. Bußgeld 15 Euro." Weil der Moderator irgendwann umgezogen war, stimmte die Adresse nicht mehr. Deshalb ging das Schreiben mit dem Bußgeldbescheid an die Polizei in Bayern zurück - mit dem Vermerk: "unbekannt verzogen". Woraufhin Jauch deutschlandweit von der Polizei gesucht wurde! "Da haben die gesagt: 'Amtshilfe'. In ganz Deutschland 'Amtshilfe'! Wo ist der Mann?"

Fündig wurden die Beamten dann in Brandenburg. Kurz vor Ablauf der Verjährungsfrist standen laut Jauch zwei Polizisten vor seiner Tür, um den Bußgeldbescheid persönlich zu übergeben, woraufhin sich der Moderator offenbar einen kecken Spruch nicht verkneifen konnte: "Da habe ich gesagt: 'Ich möchte ihnen als Erstes gratulieren, dass Sie in diesem Land so konsequent Kapitalverbrechen verfolgen.'" Bezahlt habe er die 15 Euro natürlich sofort.