Kaum Zeit wegen der Kinder? Wie Eltern ihre Beziehung pflegen

(sob/spot)
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Haben Paare Kinder, stehen diese oft an erster Stelle. Dabei kommt die Zweisamkeit der Eltern schnell zu kurz. Das sollte aber keinesfalls passieren, warnt eine Paartherapeutin.

Familienzeit ist wichtig, aber Mama und Papa sollten auch Zeit für sich haben. (Bild: s_oleg/Shutterstock.com)
Familienzeit ist wichtig, aber Mama und Papa sollten auch Zeit für sich haben. (Bild: s_oleg/Shutterstock.com)

Romantische Abende, aufregende Urlaube und am Wochenende den halben Tag im Bett verbringen. Diese Zweisamkeit gehört in Beziehungen oft der Vergangenheit an, wenn Kinder im Spiel sind. Frischgebackene Eltern tun sich häufig schwer, sich noch als "Paar"-Einheit zu betrachten, sondern sehen sich vielmehr als Mama und Papa, sagt die psychologische Psychotherapeutin für Paar-, Familien-, Trauma- und Verhaltenstherapie, Micaela Peter.

Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news erklärt sie, wie wichtig die Zeit mit dem Partner oder der Partnerin ist - ohne die Kinder. "Priorität Nummer eins sollte auf jeden Fall die Zeit für sich als Paar sein. Minimum einmal in der Woche sollten Paare qualitative Zweisamkeit verbringen", rät sie. Aus ihrer langjährigen Erfahrung als Paartherapeutin weiß die Co-Autorin von "Zweisam. Dreisam. Einsam." (Kösel), dass Eltern sich selbst oft an letzte Stelle setzen.

"Das ist unser Abend": Klare Ansagen an die Kinder machen

Um einen gemeinsamen Abend als Paar zu verbringen, ist es laut Peter nicht zwangsweise notwendig, sich einen Babysitter zu organisieren. Stattdessen könne man sich daheim Rituale schaffen, empfiehlt die Expertin: "Paare sollten sagen 'Das ist unser Abend' und sich darauf freuen. Egal ob bei einer Flasche Wein oder einer Tasse Tee - Hauptsache, man ist sich nah und es entsteht exklusiver Raum für intimen Austausch, ungestörte Zweisamkeit, gegenseitige Aufmerksamkeit, Unbeschwertheit, Spaß oder Zärtlichkeiten, frei von Verpflichtungen." Dabei sollte jedoch nicht der Fernseher laufen, auch Themen wie anstehende To-Dos oder die Kinder seien fehl am Platz.

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Doch wie schaffen sich Eltern Zeit für Zweisamkeit? Indem sie ihren Kindern klare Grenzen setzen, findet Peter. "Meine Erfahrung aus der Paartherapie ist, dass es Eltern heutzutage wahnsinnig schwerfällt, ihren Kindern Grenzen zu setzen, zum Beispiel was Bettgehzeiten anbelangt. Kein Wunder, dass die Eltern keine Zeit für sich haben, wenn die Kinder schon in jungen Jahren bis in die Puppen wach bleiben und die Eltern dann keine Kraft und Energie mehr füreinander haben." Deshalb sei es förderlich, seinen Kindern früh einen regelmäßigen Schlafrhythmus beizubringen.

"Eltern sollten eine innere Haltung entwickeln und diese auch verkörpern: Wir lieben euch und wir sind für euch da. Aber es gibt Kinderzeiten und Erwachsenenzeiten", empfiehlt die Paartherapeutin, denn beides sei wichtig. "Wenn Kinder spätestens um 20 Uhr verlässlich schlafen, dann haben die Eltern wichtige Zeit für sich gewonnen. Mit dieser Kultur sollte man frühzeitig beginnen und konsequent bleiben."

Eltern sollten ihre romantische Paarbeziehung pflegen

Die Expertin hält es für wichtig, dass Eltern ihre romantische Paarbeziehung nicht aus den Augen verlieren und sich klarmachen, dass die Liebesbeziehung die Basis der Familie bilde: "Das ist das Fundament." Aus ihren Erfahrungen weiß sie: "Ein Großteil dieser Paare, die die Liebesbeziehung vernachlässigen, trennen sich spätestens in der sogenannten Empty-Nest-Phase, wenn die Kinder aus dem Haus sind." Denn dann sei das Projekt Familie beendet und die Paare würden erkennen, dass sie sich nicht mehr viel zu sagen und zu geben hätten, führt sie weiter aus.

Ist es nicht egoistisch, die Kinder früh ins Bett zu schicken, um gemeinsame Zeit zu verbringen? Peter antwortet mit einem klaren "Nein". "Ein gesunder Egoismus und eine gute Portion Selbstfürsorge zahlen sich für jeden einzelnen in der Familie positiv aus", erklärt sie. "Ich glaube, wenn die Eltern zufrieden oder glücklich miteinander sind und eine stabile und vitale Basis haben, weil sie auch ihr eigenes Leben noch genießen und gestalten, dann profitieren die Kinder als erstes und am allermeisten davon."

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