Kitchen Impossible: Wenn zwei sich streiten, schmeckt´s trotzdem

Erste Aufgabe für The Duc Ngo: Ein riesiges Dinoei verspeisen. Nein Spaß – Schweinsblase gefüllt mit Huhn.

Runde zwei in der dritten Staffel von “Kitchen Impossible.” Diesmal geht es für Tim Mälzer nach Vietnam und Deutschland. Sein Kontrahent The Duc Ngo muss ins Nachbarland Österreich und in die USA. So ganz grün sind sich die beiden nicht, aber das Essen sah gut aus.

Die Regeln

Zwei Köche – einer von ihnen immer Tim Mälzer – im direkten Duell. Beide werden auf die Reise geschickt, jeweils zwei Ziele. Dort angekommen, setzen sie sich gegenseitig ein dem anderen unbekanntes Gericht vor, das sie dann mit all ihren Sinnen aufnehmen und verstehen sollen. Sie kaufen selbstständig Zutaten ein, von denen sie glauben, sie waren in diesem Gericht. In der Originalküche bereiten sie das dann zu, ohne Hilfe. Sie servieren es einem Experten-Publikum, das das Gericht sehr gut kennt. Die Jury aus zehn Leuten bewertet von 1-10. Der bessere Koch, aus der Summe der beiden Challenges, gewinnt. Oder aber, wie Tim Mälzer sagen würde: Kitchen Impossible ist 3,5 Stunden Tourette.

Der Kontrahent

The Duc Ngo: Nordvietnamese, 1974 – mit gerade mal fünf Jahren – aus Vietnam geflohen. Er ist Autodidakt und besitzt zahlreiche Restaurants, unter anderem in Berlin und Frankfurt. Ngo sagt: „Kitchen impossible ist eine Herausforderung, damit ich zeigen kann, dass ich als Autodidakt die letzten Jahre gut gearbeitet habe. Ich möchte der erste sein, der Höchstpunktzahlen erreicht und der einen riesigen Abstand zu Tim hat.“ Mit seinen Restaurants erhält The Duc Ngo von der “Berliner Meisterköche”-Jury 2017 den Titel “Gastronomischer Innovator”.

Das Kennenlernen

Mälzer: Man hat zu mir gesagt, du bist der Tim Mälzer von Berlin, nur in dick. Es war sofort klar, dass ich mit dir in einen liebevollen Wettstreit treten möchte! Hast du denn Schwierigkeiten?

Ngo: Nein, ich kann fast alles.

Mälzer: Wo willst du hin?

Ngo: Nach Südamerika.

Mälzer: Hier. Österreich.

Ngo: Süßspeisen werden ein Problem, alles andere ist kein Problem. Aber Asiaten können keine Süßspeisen. Tim, du gehst nach Deutschland. Meine zweite Heimat.

Mälzer: Heimat ist immer schwierig. Heimat ist eine Drecksau.

Mälzer muss in Berlin erstmal ganz Hipster in den Barbershop. Scheitel rasieren.

Challenge Tim Mälzer 

Mälzer ist in Berlin: „Ich habe ein Hassliebeverhältnis zu Berlin. Die Stadt ist zu cool für mich. Ich bin gut mainstreamig. Eine Stadt wird nicht hipp, weil ein Sachse dir auf Englisch die Getränke serviert”, sagt der Koch.

Statt einer Box bekommt er einen Jutebeutel mit der Aufschrift: Who the fuck is Tim Mälzer? Darin enthalten: Goldene Casio-Uhr. Beats von Dr. Dre, Club-Mate-Flasche. Glutenfreies Seitenbacher. Polaroid-Cam. Mälzer sagt: „Die Leute denken nur, was für ne Wurst, wie ich so rumrenne.”

Dann bekommt er noch ein Outfit gestellt. Leider ist er zu dick für die Klamotten:  weiße Sneaker, schwarze Hose, weißer Pulli mit Promi-Print. Nächste Station: Barber-Shop.

Dann endlich wird es kulinarisch. Tim Mälzer wird ins Nobelhart & Schmutzig gefahren. Der Prototyp eines Hipsterrestaurants. Im Schaufenster steht eine Puppe mit Shirt. Aufschrift: Who the fuck is Paul Bocuse? Tim sagt dazu: „Ohne ihn würde sich kein Arsch für Kulinarik interessieren. Mich hier hin zu schicken….Duc ist eine richtig durchtriebene kleine Drecksau. Weil diese Avantgarde-Küche verstehe ich nicht.“

Er bekommt Ferkel mit Gundermann vorgesetzt und einen Teller Lauch. Tim klärt auf: “Das Essen war nicht ganz mein Geschmack, weil es Intellektualität voraussetzt und die muss man sich erarbeiten. Das ist wie in einer Galerie ein weißes Bild auf weißem Grund oder freejazz. Da muss man was an der Waffel haben oder so gebildet sein, die Ästhetik nachvollziehen zu können.” Und: “Wir kochen zwar alle mit Wasser, aber weil es hier ein Hipsterding ist, wird alles anders gemacht. Das ist eine herausragende Aufgabe für mich, weil es kopflastig ist. Das mir gänzlich fremd, ich bin ein Emotionsmensch, ich mache gerne. Duc weiß, wie schwer es mir fällt, den Kopf beim Kochen anzumachen. Sobald der Kopf angeht, ist bei mir das Kochen schon vorbei.”

Das Spanferkel mit der schwierigen Soße und den angerösteten Lauch – das ist nicht Mälzers Ding. Er fällt durch. 3,3 Punkte. Die Jury-Wertung zum Lauch: “Ja, schmeckt. Wenn es nicht so schmecken müsste, wie das eigentliche Gericht hier, wäre es gut.” Jury-Wertung zum Ferkel mit exquisitem Gewürz: “Da hat die Liebe zum Detail gefehlt.”

Die erste Kiste für Ngo

Ngo ist in Purbach, Österreich. Er macht den Deckel der Kiste hoch und wieder runter. „Was ist das denn?“ Der erste Schreck war groß. Sieht aus wie ein Dinosaurier-Ei. „Das sieht sehr nach Innereien aus“. Er schneidet das Ei, aus Schweinsblase, auf, drin ist ein gegartes ganzes Huhn. Trüffel unter der Haut. Gefüllt mit Gänseleber. Beilagen: Gänseleber-Soße, Wildreis-Risotto mit Saisongemüse, hier ist es Spargel. “Hendl in der Blase”.

The Duc Ngo ist im Größenwahn: “Ich werde Tim so fertigmachen, dass der Abstand zwischen uns riesig sein wird. Danke Tim. Als ich Tim das erste Mal gesehen habe, dachte ich, was für ein Möchtegern-Jamie-Oliver. Dann habe ich ihn getroffen, wir sind uns sehr ähnlich. Ich bin voller Tatendrang, ich will loslegen und 9/10 Punkte machen. Ich weiß nicht, ob ich größenwahnsinnig bin, aber das hier ist eigentlich simpel.” Danach geht er erstmal Kaffee trinken. Nach seiner Zeitrechnung hat er noch eine Stunde.

Das Huhn, das sozusagen im Blasentee gedämpft wird, ist am Ende nicht richtig durch. Die Stunde hat gefehlt. Die Jury sagt: ” Es hätte noch länger gekonnt. Außerdem war es zu wenig gewürzt. Man hat keine Energie gespürt.” Ngo ist am Ende mit den Nerven, die Blasenreinigung hat ihn fertig gemacht. Am nächsten Tag ist Innereientag im Restaurant: “Wisst ihr wie es hier stinkt?”, fragt Ngo in die Kamera. Nein, wollen wir auch nicht wissen. 3,4 Punkte bekommt er.

Die Küche der etwas anderen Art: Mälzer frittiert in Vietnam.

Mälzer in Vietnam

Erstmal muss er zur Meditation in einen Tempel: „Finde ich scheiße, weil ich dabei nicht reden darf. Um mich zu zentrieren? Wenn man mich ruhigstellt, werde ich unruhig. Ich habe geschwitzt wie verrückt. Also ich muss Energie loswerden, nicht aufnehmen.“ Mälzer sitzt unruhig, quatscht seinen Nachbar an, dann will er einen Stuhl.

Nach der ersten Hürde geht es ums Essen. Seine Kiste diesmal: Salat, Reisnudeln, Suppe mit Fleisch, frittierte Sommerrolle. Ngos Lieblingsgericht. Kochen muss Mälzer bei bei Nguyen Thi Huong, Besitzerin des Restaurants Bún Chà, das liegt gegenüber vom Zuhause von Ducs Tante.

Auf dem Markt kauft Mälzer lauter falsche Sachen ein, zum Beispiel Hühner. Hühner, die er gar nicht verwenden muss. Mälzer setzt trotzdem Hühnerbrühe an. Die Chefin kommt vorbei: “Du brauchst keine Hühner”, sagt sie natürlich auf vietnamesisch. Mälzer versteht nichts. Sie schaut ihm zu und lacht ihn aus.

Urteil von der Jury: “Sieht insgesamt gut aus. Erstmal zur Soße, die sehr wichtig ist. Sie ist fad, ihr fehlt Geschmack und Süße. Das Fleisch ist zu weiß, nicht goldfarben. Dafür, dass Herr Tim es ohne Vorwissen zubereitet hat, ist es ok. Aber es ist zu 70 Prozent ein anderes Essen. Für seine Leidenschaft bekäme er 10 Punkte, für den Geschmack reicht das leider nicht.” 4,9 Punkte erhält er zum Schluss. Er ist zufrieden. “Hauptsache sie fühlen, dass ich es ernst gemeint habe. Dass ich der Küche mit der notwendigen Demut begegne. Ich fahre jetzt nach Hause und ich schäme mich nicht”, sagt er.

Ngo darf nach Philly

In den USA angekommen, geht es für The Duc Ngo nach Philadelphia: „Man merkt den Spirit von Freedom und Liberty, man merkt sofort, dass es Multikulti ist, eine Stadt voller Einwanderern, ich falle überhaupt nicht auf.”

In einer riesigen College-Basketball-Turnhalle bekommt er einen Burger und Fritten vorgesetzt. “Duc hat mal in einem Interview gesagt, dass Burger und Pommes jeder Depp kochen kann. Jetzt soll er sehen, dass das auch einen Großen wie ihn zum Schwitzen bringt”, sagt Mälzer. Tut es aber nicht. Locker vom Hocker reißt Ngo das Gericht runter.

Jury-Wertung: “Es schmeckt noch besser als das Original.” 8,3 Punkte. Spitzenleistung.

Das Fazit

So ganz grün waren sich die beiden Chefs nicht. Die Stimmung während des gemeinsamen Fernsehabends beim Wein war angespannt. Angespannt auch zum Zugucken. The Duc Ngo ist ein Großkotz, doch das sind sie ja gefühlt alle, die Kochfreunde vom Mälzer. Aber dieser war sogar dem Mälzer unsympathisch. “Hast du mal was von asiatischer Zurückhaltung gehört?”, fragt er. “Das sind nur die Japaner”, sagt Ngo. Geschmeckt hat es trotzdem.

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Fotos: Screenshot / VOX