Kommentar: Hans-Georg Maaßen = HGM = Hat gut Mimimi. Zufall oder Chiffre?

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Hans-Georg Maaßen twittert gern und viel. Der CDU-Politiker sorgt damit für die eine oder andere Aufregung. Jedenfalls versucht er es (Bild: REUTERS/Fabrizio Bensch)
Hans-Georg Maaßen twittert gern und viel. Der CDU-Politiker sorgt damit für die eine oder andere Aufregung. Jedenfalls versucht er es (Bild: REUTERS/Fabrizio Bensch)

Der CDU-„Rebell“ Hans-Georg Maaßen eckt mal wieder auf Twitter an. Dort offenbart er lustige Einsichten über sich selbst.

Ein Kommentar von Jan Rübel

Auf Twitter bezeichnet sich Hans-Georg Maaßen in der Selbstbeschreibung als „nüchterner Realist“. Dass der CDU-Bundestagskandidat und ehemalige Chef des Bundesverfassungsschutzes seine Tweets in nüchternem Zustand formuliert, glaube ich sofort. Sie strotzen nicht gerade vor Tippfehlern, da ist Trunkenheit kaum zu vermuten. Inwiefern seine Erkenntnisse dagegen die Realität spiegeln, dahinter lässt sich indes schon ein Fragezeichen setzen.

Allein vor zwei Tagen verblüffte Maaßen mich mit einem Hinweis, den ich zuerst schlicht nicht verstand. Er schrieb: „Annalena Charlotte Alma Baerbock = ACAB = All Cops Are Bastards. Zufall oder Chiffre? Darunter verwies der CDU-Politiker auf eine Forderung der Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock, Sicherheitsbehörden auf rechtsextreme Gruppen prüfen zu lassen. Ist doch eine sinnvolle Angelegenheit, nicht wahr? Ich würde Rechtsextreme nicht als Bastarde bezeichnen, denn dies gehört nicht zu meiner Wortwahl, zu Maaßens auch nicht und bestimmt ebenfalls nicht zu Baerbocks. Aber vielleicht zu der von ihren Eltern, die ihr diesen Namen gaben? Verfügt der Ex-Geheimdienstchef über diskretes Wissen aus dem Jahr 1980, in dem sie geboren wurde?

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Vielleicht wollte Maaßen nur spielen. In seiner Freizeit frönt er womöglich gern dem Scrabble oder löst Worträtsel. Dennoch verstehe ich nicht, warum er Fragen stellt, die mit nüchterner Realität kaum zu beantworten sind.

Tasten wollen gedrückt werden

Aber es könnte ihm auch darum gehen, ein wenig Erregung zu schaffen. Denn schließlich schrieb er auf Twitter am vergangenen Sonntag von einer „linken Erregungsmaschine“. Vielleicht wollte er die zufriedenstellen. Übrigens recht nett, politisch Andersdenkende als Maschinen darzustellen, aber sei’s drum. In einem anderen Tweet schreibt er von „Linken“, die sich ereifern. Am gleichen Tag schreibt er dann in einem wiederum anderen Tweet etwas präziser von „grün-linken Hetzern“ – was war eigentlich an diesem Sonntag los? Kann es sein, dass irgendetwas Herrn Maaßen überdurchschnittlich erregt hat? Ich war nett spazieren, besichtigte eine Klosterruine, alles chillig – und Maaßen tippt sich die Finger wund?

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Jedenfalls scheinen es in seiner Welt immer die anderen zu sein, die sich erregen.

Wie aber erkläre ich mir den Tweet vom vergangenen Samstag, in dem er sich wiederum in einem Wortspiel versucht? „Journalist Niedergang mit 3 Buchstaben: FAZ“, verkündet er dort nicht ganz astrein im Sinne der deutschen Rechtschreibung; okay, ein kleines Gläschen geht sicherlich beim Tweeten, muss ja nicht alles nüchtern zugehen. In der „FAZ“-Zeitung gab es Vorwürfe gegen ihn, und wenn jemand sowas macht, befindet er sich in den Augen Maaßens im Niedergang. Echt orakelhaft. Und nicht wirklich unaufgeregt.

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Wiederum einen Tag zuvor, am vergangenen Freitag, gewährte Maaßen einen weiteren Einblick in seine Welt: „Gestern bei der Anmeldung im Einwohnermeldeamt in Suhl. Schnelle Terminvergabe, zügige und freundliche Bearbeitung. Anders als im sozialistischen Berlin kann Verwaltung auch funktionieren. Herzlichen Dank an OB Knapp und seine Verwaltung. Da fühlt man sich gleich ein wenig heimisch.“

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„Sozialistisches Berlin“, hm, seit 1989 hatte sich im Ostteil einiges geändert, aber vielleicht ist Maaßen beim Studium älterer Akten eingenickt. Da er als Wessi und geschasster Geheimdienstler eine neue Karriere als Parlamentarier versucht, wechselte er nun in den Osten. In Thüringen musste er also schleunigst seinen Wohnsitz anmelden, schließlich sind schon im September die Bundestagswahlen. Alles kein Problem, selbst im soz. Berlin kann man sich gerüchteweise ummelden. Dass er sich für diesen Akt gleich bei einem Oberbürgermeister bedankt, kommt der Einschätzung nahe, die er von sich hat: Als ich vergangene Woche einen Pass abholte, hatte ich der Sachbearbeiterin gedankt, und dem Türsteher draußen, und dem Dönerverkäufer danach für das nette Brot – aber dem Oberbürgermeister? Der hat doch nun Wichtigeres zu tun. Aber Maaßen ist eben Maaßen.

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Vorher, am vergangenen Freitag, schreibt Maaßen von einem „linksradikalen“ Flügel bei den Grünen. Leider gibt er keine weiteren sachdienlichen Hinweise, denn von solch einem Flügel hatte ich bei den Latte-Macchiato-Grünen noch nie gehört. Wahrscheinlich war ich zu unaufgeregt. Oder zu unnüchtern.

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Maaßen kann aber auch über Schönheit schreiben. Drei Tage zuvor, am 31. Mai, dichtet er: „Wunderschöne Landschaft. Dort sollen 245 Meter hohe Windräder die Natur zerstören. Ich verstehe, dass viele Bürger sich wehren.“ Ich verstehe, dass manche Zeitgenossen ein ästhetisches Optikproblem mit Windrädern haben (ich hab es nicht, aber siehe „unaufgeregt“ und „unnüchtern“), wie die Natur indes effektiv durch den Betonspargel „zerstört“ werden könnte, darüber schreibt Maaßen nichts.

Bitte beruhigen Sie sich

Und endlich fand ich am selben Tag doch einen Ausspruch, der wahrlich von einem nüchternen Realisten stammt. Maaßen zwitscherte: „Spione spionieren nun mal.“ Es ging um die Nachricht, dass amerikanische Geheimdienste mit Hilfe dänischer Behörden jahrelang mithörten. Fragt sich, was Maaßen nun mal alles spionieren ließ, als er noch eine Verantwortung trug.

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Ich finde, an seiner Unaufgeregtheit kann Maaßen noch arbeiten. Professionell dagegen erscheint seine Reaktion heute Mittag auf sein Baerbock-ACAB-Geraune.

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Er schreibt: „Schön, dass einige Anhänger der Theorie von ‚geheimen Codes‘ nun aufgrund meines ironisches Tweets zum Namen von Frau Baerbock gemerkt haben, wie absurd solche Konstruktionen sind. Wie wäre es, wenn wir zukünftig lieber über politische Inhalte und Fakten diskutieren?“ Aha. Wollte er seinen eigenen Lesern (und Anhängern) eine Lektion in Sachen Verschwörungskram erteilen? Wenn er indes will, dass wir lieber über politische Inhalte und Fakten diskutieren, warum fängt er damit nicht an und verzichtet auf den einen oder anderen Tweet?

Video: Maaßen-Tweet über Baerbock sorgt für Empörung