Kommentar: Warum die Welt immer besser wird

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Es ist leicht, im Jahr 2021 ein verlorenes Jahr zu sehen. So viel lag im Argen. Doch es gibt viele Entwicklungen, die einfach nur gut sind – nur fallen sie weniger auf.

Ende November 2021: Eine Krankenschwester untersucht die 13 Monate alte Fatimata Badini in Dori, Burkina Faso (Bild: REUTERS/Anne Mimault)
Ende November 2021: Eine Krankenschwester untersucht die 13 Monate alte Fatimata Badini in Dori, Burkina Faso. (Bild: REUTERS/Anne Mimault)

Ein Kommentar von Jan Rübel

Eine Nachrichtenseite wie diese hier bringt eine Menge schlechter Nachrichten. Das unterscheidet sie nicht von anderen. Kaum, dass unser Blick verklärt wäre – es ist normal und wichtig, darüber zu berichten, was nicht gut läuft, um es in der Zukunft verhindern, eindämmen oder sich wappnen zu können.

Doch was zu viel ist, ist zu viel, manchmal. Das Negative kann schon mal auf den Magen schlagen.

Und traditionell erscheinen dann in der Weihnachtszeit die Stücke, welche gute Nachrichten bringen, weil, hey: Vor 2000 Jahren gab es doch auch einen Engel, der Hirten auf dem Feld eine gute Nachricht verkündete. Diese heutigen Es-ist-nicht-alles-schlecht-Artikel wirken zuweilen wie aus der Schublade gezogen. Warum? Weil sie stimmen.

Wir vergewissern uns schlicht weniger, in welcher Welt wir eigentlich leben. Verlieren uns im Grau, welches nicht ausschließlich, aber immerhin recht selbstbewusst uns umgibt. Hier also etwas aus dem Tuschkasten.

Einmal ausatmen

Die Welt wird immer besser, weil wir Menschen dazulernen und auf Fortschritten aufbauen. Wir werden bestimmt keine besseren Wesen, fehlbar und zerstörerisch bleiben unsere Adjektive; für die Welt kann es auch schlecht ausgehen, wegen uns. Für uns. Aber eine wirkliche Beurteilung dessen, wo wir stehen, schaffen wir nur, wenn wir feststellen, woher wir kommen. Und dieser langfristige Blick zeigt, wie stark die Welt für den Menschen ein lebenswerterer Ort geworden ist.

Weltweit steigen zwar Hunger und Armut, aber erst seit ein paar Jahren – und dies vor allem bedingt durch kriegerische Konflikte, Fluchtbewegungen und den Klimawandel; Dinge, die wir in den Griff kriegen können. Langfristig gesehen hat der globale Hunger in den vergangenen Jahrzehnten radikal abgenommen. Vor etwas über hundert Jahren lebten die meisten Menschen in Deutschland und in anderen Ländern wie selbstverständlich von ärmlicher Landwirtschaft, schufteten von morgens bis abends, froh über einen Teller Bohnen. Heute lässt sich selbst mit Hartz IV der Einkaufswagen ungleich anders füllen.

Die Kinderarbeit ist parallel dazu weltweit viel weniger geworden. Wer sich die wissenschaftlichen Arbeitsleistungen allein der vergangenen zehn Jahre anschaut, sieht eine steile Kurve nach oben. All diese Erkenntnisse bauen aufeinander auf und katapultieren uns in Sphären, die wir nicht er- und ausmessen können. So viel von diesem Science Fiction aus den vergangenen 70 Jahren ist Wirklichkeit geworden.

Was haben allein Internet und Mobiltelefonie mit uns gemacht, unseren Alltag verändert? Die Alphabetisierung der Menschheit schreitet nebenbei voran, verteilt das Wissen auf immer mehr Schultern.

Die schützende Ozonschicht ist nicht mehr so porös wie vor ein paar Jahren – das ist ein Umweltproblem, welches wir langsam in den Griff kriegen; der saure Regen in den Achtzigern des vorigen Jahrhunderts ist Vergangenheit. Auch eine Plage wie Aids ist global gesehen auf dem Rückzug, weil es immer bessere Behandlungsmethoden gibt. Und wo wir bei den aktuell debattierten Impfungen sind: Die Zahl der Impfungen von einjährigen Kindern gegen diverse Erkrankungen hat sich in den vergangenen 40 Jahren verdreifacht. Die Folge dieses Umstands ist das Ausbleiben von vielem Leid und Tod, über das nicht berichtet wird, weil nicht kommentiert wird, was nicht ist. Aber gut ist es dennoch. Das können sich die Impfgegner von heute gern in die Haare schmieren.

Da war noch was

Schlussendlich, und das ist nur das Ende dieses Texts, denn die positiven Entwicklungen ganz aufzuzählen ist nicht möglich, leben immer mehr Menschen in Freiheit. Diktaturen sind seit Jahrzehnten im Rückzug. Die angeblich so schwachen Demokratien entwickeln immer mehr Teilhabe und Gerechtigkeit. Leute, die einfach wegen irgendetwas mies behandelt wurden, wegen ihrer Religion, ihrer Abstammung, ihrer sexuellen Orientierung oder weil sie anders gewachsen sind, erfahren dies von Tag zu Tag weniger. Viel zu wenig weniger, aber immerhin.

Es geht voran. So gesehen: Here’s to a lousy Christmas and a crappy new year!

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